Interview mit Thomas Godoj 4


Dankbar: Thomas Godoj hat kein Problem damit, vor nur noch 300 Fans zu spielen.

Dankbar: Thomas Godoj hat kein Problem damit, vor nur noch 300 Fans zu spielen.

Mit seinem dritten Album So gewollt ist Thomas Godoj gerade auf Tour durch Deutschland. Vor ein paar Tagen ist seine DVD Live ausm Pott erschienen, zudem ist gerade eine neue Staffel von DSDS zu Ende gegangen. Es gibt also viel zu reden – ich treffe ihn vor dem Konzert im Werk 2 in Leipzig.

Etwas mehr als die Hälfte der Tour ist absolviert. Wie läuft es bisher?

Thomas Godoj: Wir sind alle zufrieden. Es läuft richtig gut. Bloß der Anfang war ein bisschen schwierig: Eine Woche vor der Tour war ich stark erkältet und das hat sich auf die Stimmbänder gelegt. Ich stand kurz davor, die ganzen Konzerte abzublasen. Aber mit Antibiotika haben wir das hinbekommen, Gott sei Dank. Jetzt ist alles überstanden.

Nach Potsdam und Dresden macht Leipzig heute den Abschluss im Ost-Teil der Tour. Was ist hier bei den Konzerten anders als bei den Heimspielen in NRW?

Godoj: Es sind weniger Leute da. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass viele Leute gar nicht mitbekommen, dass ich unterwegs bin. Im Radio sind meine Lieder ja kaum noch zu hören. Wenn man so einen Hintergrund hat wie ich, der aus so einer Sendung kommt, dann ist das negativ behaftet und wird nicht gerade unterstützt. Aber dann muss ich mir ein größeres Publikum eben erspielen. Und das mache ich seit vier Jahren.

Sind dir Live-Konzerte lieber als die Arbeit im Studio?

Godoj: Auf jeden Fall. Ich habe ja auch vor dieser ganzen Casting-Geschichte schon Musik gemacht und stand auf verschiedenen Bühnen. Live holt man sich sein Feedback und ich hole mir da auch die Energie, um weiterzumachen.

Würdest du im Rückblick noch einmal bei DSDS mitmachen?

Godoj: Ja. Auch bei einer anderen Castingshow. Das ist nun einmal ein großer Trend, und warum sollte man das nicht nutzen? Das ist ein gutes Sprungbrett. Es hat mich bekannt gemacht und soweit gebracht, dass ich aus Hartz IV raus bin und heute mit Musik mein Geld verdienen kann. Ich habe mich zum Beispiel auch riesig gefreut, dass ich zum ersten Mal professionelle Aufnahmen machen konnte, mit guten Produzenten. Aber was man im Nachhinein daraus macht, das bleibt einem selbst überlassen. Man sollte sich dann zügig aus dieser Maschinerie fernhalten, sich frei machen von dem Ganzen und versuchen, sein eigenes Pferd ins Rennen zu schicken. Ich habe da wichtige Erfahrungen sammeln können, aber auch viel Lehrgeld bezahlt.

Hast du die aktuelle Staffel verfolgt?

Godoj: Nein. Das ist eine große Karaoke-Show. Da geht es nicht um deine Musik, sondern um deine Stimme oder deinen Charakter. Seit ich selber mitgemacht habe, schaue ich mir das nicht mehr an. Ich habe mich mehr auf meine Karriere konzentriert und versucht, mich so aufzustellen, dass das Ganze auch vernünftig weiterläuft.

Trauerst du dem ganz großen Rummel manchmal nach?

Godoj: Nein. Der Hype ist geringer geworden. Aber das war mir von vorneherein klar. Ich heule dem nicht hinterher.

Hast du einen Tipp für Luca Hänni? Wie kann man das Beste machen aus dem Superstar-Titel?

Godoj: Es ist immer von Vorteil, wenn man vorher schon mit Musik in Berührung kam. Und damit meine ich nicht, dass man unter der Dusche singt oder beim Karaoke übt. Man muss schon, denke ich, die Erfahrung gemacht haben, mit einer Liveband auf der Bühne zu stehen. Denn nur so funktioniert das: Man muss sich die Leute erspielen, dann kann man das ausbauen. Wenn man die Fans im Konzert überzeugt, dann kaufen sie sich auch eine Platte von dir. So wie es früher auch schon war, so wie die Toten Hosen und die Ärzte das auch gemacht haben. Durch die Sendung wird man zwar ein bisschen bekannt, aber man kann danach nicht blauäugig durch die Weltgeschichte rennen und sich als Held der Nation fühlen.

Ist es als Casting-Show-Gewinner noch schwieriger, sich danach mit Rockmusik zu etablieren? Rock will ja nicht so oberflächlich sein wie Mainstream-Pop, sondern authentisch.

Godoj: Es ist schwer, da vom Image her rauszukommen. In so einer Sendung bist du erst einmal der Interpret. Du singst Sachen anderer Künstler nach. Du kannst aber nicht deine Musik präsentieren. Bei mir war es am Anfang sogar so, dass die Leute am liebsten eine Platte von mir wollten mit genau den Songs, die ich in dieser Sendung gesungen habe. Ich meine: Hallo? Das geht gar nicht.

Wie willst du denn am liebsten klingen? Gibt es ein Vorbild, dem du nacheiferst?

Godoj: Ich habe immer gerne schon Rockmusik gehört. Nirvana, Guns’N’Roses oder auch Sachen aus dem Independent-Bereich: Bush, Therapy?, aber auch Type-O-Negative oder krasse Sachen wie Skatepunk, Lagwagon oder 59 Times The Pain zum Beispiel. Das habe ich alles schon durch.

Wie geht es nach der Tour weiter?

Godoj: Im Sommer sind wir auf verschiedenen Festivals und Stadtfesten zu sehen. Ich habe auch schon ein paar Demos und Ideen für neue Lieder. Nach der Tour werde ich mich wieder mit ein paar Leuten zusammensetzen, damit wir die dann richtig angehen.

Thomas Godoj in Aktion – Herzblut live:


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