Kakkmaddafakka, Täubchenthal, Leipzig


Kakkmaddafakka Konzert Leipzig Täubchenthal Kritik

„Spread the Kakk!“, lautet die Botschaft von Kakkmaddafakka.

Die Jungs wollen also Ärger, ganz eindeutig. Natürlich hatte ich mich auf dieses Konzert gefreut, aber die Vorfreude wurde doch deutlich getrübt, als mir klar wurde, dass das Gastspiel von Kakkmaddafakka in Leipzig mit der Rückkehr von Jürgen Klopp nach Dortmund zusammenfällt. Und jetzt kommen die sechs Norweger auf die Bühne des Täubchenthal, genau pünktlich zum Anpfiff um 21.05 Uhr, und sie lassen das auch noch von der Hymne der Champions League einläuten. Das kann ich nur als Provokation auffassen.

Zur Strafe beschließe ich, heute besonders streng zu sein. Kakkmaddafakka sollen gefälligst eine Show hinlegen, die keinen Zweifel daran lässt, die richtige Wahl bei der Entscheidung zwischen Fußball- und Konzertabend getroffen zu haben. Und, so viel vorweg: Ihre Musik schafft das mühelos.

Kakkmaddafakka Täubchenthal Konzertkritik

Zum Glück klingen Kakkmaddafakka nicht so, wie sie aussehen.

Als Liverpool in Führung geht, gibt es im Täubchenthal bei Gangsta gerade den ersten großen Singalong des Abends, danach wird eine mächtige Kakkmaddafakka-Flagge geschwenkt. Als im Spiel Halbzeit ist, kommt man im Saal keinen Moment in Versuchung, schnell vor den Fernseher zu wechseln, denn es erklingt der große Hit Your Girl. Als in Dortmund die zweite Hälfte beginnt, kann man in Leipzig zum noch größeren Hit Restless tanzen. Und als der BVB das 1:1 schießt, ist man bei Forever Alone längst einverstanden mit der Aufforderung „Keep on spreading the kakk!“, die Sänger Axel Vindenes den rund 1000 Fans mit auf den Weg gibt.

Allerdings gibt es auch Momente an diesem Abend in Leipzig, in denen man doch wünscht, man wäre lieber in die Sky-Kneipe gegangen oder hätte sich zuhause mit der Europa League vergnügt. Denn so unterhaltsam die Songs von Kakkmaddafakka sind, so gewöhnungsbedürftig ist der Rest der Show. Sie sehen aus wie 14-jährige Prolls aus Kalifornien (bitte, liebe Menschheit, begreife endlich: Es gibt keine Entschuldigung für Basecaps! Erst recht nicht in geschlossenen Räumen! Auch dann nicht, wenn die Frisur darunter aussieht wie von einem finnischen Skispringer aus den Siebzigern!), dabei sind sie 10-15 Jahre älter und kommen aus Norwegen. Schlimmer noch: Sie benehmen sich auch komplett pubertär.

Natürlich verzeiht man Popstars die eine oder andere Dummheit, erst recht auf der Bühne. Aber Ansagen wie den Hinweis auf die vielen „sexy bitches in the house, like last time“ oder „Tonight is a party night“ oder „We love Germans“ sind trotzdem primitiv. Dass dann der Typ, der den ganzen Abend nur Bongos spielen durfte, in der Zugabe auch noch Haddaways unerträgliches What Is Love singt, ist ebenfalls eher peinlich als originell.

Es zeigt außerdem, das muss ich gestehen, dass ich mit meiner Bewertung des neuen Albums KMF falsch lag. Kakkmaddafakka besingen da zwar immer wieder mit großer Begeisterung den Flirt, das Verliebtsein und die Zweisamkeit. Aber sie sind keineswegs Romantiker, wie ich geschlossen habe. Das Konzert in Leipzig zeigt: Sie sind vielmehr Casanovas, Aufreißer, Stecher. Statt Ballstafetten gibt es bei ihnen eher Balzstafetten zu sehen.

Wenn sie Touching singen, der Song macht im Täubchenthal den Auftakt des Abends, dann ist damit nicht „rührend“ gemeint, sondern wirklich „grapschen“. Wenn sie in Young You, das die Zugabe einläutet, behaupten, sie seien nun „100% okay without you“, dann ist das nicht der putzige Versuch, den eigenen Liebeskummer zu leugnen, sondern in die Tat umgesetzte Herzlosigkeit. Aber wahrscheinlich ist das wie im Fußball: Man lässt die Scheißkerle damit durchkommen, solange sie für einen guten Abend sorgen.

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