Kele, Conne Island, Leipzig 6


Kele hatte solo mehr Spaß als man ihm mit Bloc Party je zugetraut hätte.

Kele hatte solo mehr Spaß als man ihm mit Bloc Party je zugetraut hätte.

Konzerte von Bloc Party konnten normalerweise in genau zwei Richtungen laufen: 1. Die Band wird getragen von den Fans. Die Show ist nicht besonders, aber schließlich ist hier jeder Song so authentisch, so genial und so modern, dass er einem Erweckungserlebnis gleichkommt – und die Fans feiern die Band entsprechend. 2. Die Fans haben genau das vor, aber Bloc Party (stets auf der Suche nach dem Nonplusultra) frickeln zwischen den Songs so lange an ihren Effektgeräten herum, dass sie auch das größte Potenzial an Stimmung abtöten.

Eine Solo-Show von Kele Okereke, Sänger von Bloc Party, ist also in gewisser Hinsicht ein Wagnis. Diese Erwartungshaltung kann im Conne Island in Leipzig auch die Vorband Sizarr nicht ganz ausräumen. Die Jungs aus Landau sind ein durchaus erfreulicher Anheizer. Der Sänger trägt ein Basketballtrikot, der Bassist eine Baseballmütze – doch von muskelprotzender Kraftmeierei ist diese Band weit entfernt. Sizarr sind eher wütende Sensibelchen. Höhepunkt ist ein betörender Song, in dem Sänger Deaf Sty einen Kanon mit sich selbst beginnt und so beinahe deutlich macht, was passieren würde, wenn die Kings Of Leon plötzlich Foals nacheifern würden.

Nach 30 Minuten ist man dann aber doch froh, dass die Show von Sizarr vorbei ist – mehr als diesen einen Sound haben sie (noch) nicht zu bieten.

Das nährt die Befürchtung, dass vielleicht auch Kele eine Enttäuschung werden könnte, der schließlich solo fast ausschließlich die elektronischen Gene von Bloc Party zum Leben erweckt. Doch schon mit dem Opener Walk Tall zerstreut Kele alle Bedenken. Er trägt etwas, das die Fantastischen Vier wohl „dicker Pulli“ nennen würden, dazu ein Neon-Basecap – und hat mehr Spaß als es bei Bloc Party je der Fall gewesen zu sein scheint.

Schon nach dem zweiten Song On The Lam hat er das Conne Island im Griff. Die Fans helfen ihm bei einer Übersetzung des Wortes „Regret“ – und ab da wird es ein legendärer Abend.

Kele zieht sein Sweatshirt aus und ein schwarzes T-Shirt mit Zebra-Print kommt darunter zum Vorschein (später tauscht er es bei Tenderoni am eigenen Merchandising-Stand gegen ein weißes Modell mit demselben Motiv). Er macht herrlich sympathische Ansagen („Gestern haben wir in Berlin gespielt. Das war gut. Aber heute ist es besser.“) in einem bezaubernden Cockney-Akzent, gibt einem Fan namens Eva aus der ersten Reihe einen Handkuss und wirkt so zufrieden wie man nur sein kann. Und er tanzt derart ausgelassen und geschmeidig, dass man sich nicht mehr eine Sekunde lang fragen muss, warum er sein Album The Boxer genannt hat.

Kele ist auch als Solist inzwischen so souverän, dass er ein sieben Minuten langes Bloc-Party-Medley spielt, bestehend aus Blue Light, The Prayer und One More Chance. Dass sich die (leicht bearbeiteten) Songs perfekt in sein Set einfügen, zeigt, wie sehr er den Sound von Bloc Party inzwischen prägt. Dass er die Lieder mit Freude und Kreativität auf die Bühne bringt, ist zudem der beste Beleg dafür, dass Bloc Party wirklich nur Pause machen – und sich nicht etwa aufgelöst haben, ohne dass sich jemand traut, das laut auszusprechen.

Danach fällt die Show in ein kleines Loch, doch auch bei den schwächeren Songs beweist Kele, dass er mit seiner Stimme und seinem Charisma selbst dem langweiligsten Elektrosound Seele einhauchen könnte (auch wenn natürlich niemals an diesem Abend in Leipzig langweiliger Elektrosound zu hören ist). Das Wissen, dass ein guter Teil der Musik inzwischen aus Computern kommt, erlaubt ihm die Freude und Spontaneität, seine eigenen Konzerte endlich zu genießen.

Spätestens mit der Zugabe steigt die Spannung dann wieder an. Nochmal gibt es ein Bloc-Party-Bonbon (Flux) und als Zugabe-Zugabe sogar noch Modern Love. „This is gonna be fun“, hatte Kele noch 10 Minuten in Leipzig behauptet. Yes, indeed.

Let’s get this party started: Kele spielt On The Lam live im Conne Island, Leipzig:

Kele bei MySpace.