Rock am Ring, Nürburgring


Der Bühnenhintergrund lässt es erahnen: Hier spielt gerade Kid Rock im Regen bei  Rock am Ring.

Der Bühnenhintergrund lässt es erahnen: Hier spielt gerade Kid Rock im Regen bei Rock am Ring.

Was von Rock am Ring 2001 in Erinnerung bleiben wird, ist Regen, Kälte und böiger Wind. „Marek Lieberberg und ich haben ja eine gesunde Arbeitsteilung: Er sorgt für das tolle Programm , und ich für das tolle Wetter“, scherzte Walter Kafitz, Geschäftsführer der Nürburgring GmbH bei der abschließenden Pressekonferenz am Sonntag. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt haben bei Rock am Ring allerdings Tradition. So wunderte sich Bryan Adams angesichts klammer Hände schon 1997: „It´s summer in Germany, isn´t it?“ In diesem Jahr staunte Sänger Kim Frank von Echt am Sonntagabend: „Es ist echt toll, wie viele noch da sind. Ich wäre bei dieser Kälte schon längst nach Hause.“

Neben dem schlechten Wetter war wohl auch das Programm ein Grund dafür, dass diesmal mit 70.000 Fans deutlich weniger Menschen den Weg zum Nürburgring gefunden haben als im Vorjahr. „Wir haben in diesem Jahr ein Headliner-Problem“, gaben die Veranstalter nach der Absage von Guns ´n Roses im Vorfeld unumwunden zu.

Über 100 Bands und Solisten traten an drei Tagen auf vier Bühnen auf, doch die ganz großen Zugpferde fehlten diesmal. Stattdessen wurde ein Schwerpunkt bei Newcomern wie Kid Rock, Limp Bizkit, Anastacia oder Outkast gesetzt. Letztere hatten sich der Witterung auf eigenwillige Art und Weise angepasst: Big Boi trug eine neon-pinkfarbene Pluderhose mit blonder Perücke und Tarnjacke. Dieser entledigte er sich dann während eines Auftritts, der nicht nur wegen der seltenen Sonnenstrahlen gute Laune aufkommen ließ.

Zuvor musste der Feel Good Hit Of The Summer der Queens of the Stone Age noch gegen Wind und daher schlechten Sound ankämpfen. Bis zum Abend hatte sich die Sonne dann endgültig verzogen, Alanis Morissette erlebte mit einem gewohnt guten Auftritt wohl dennoch einen gelungenen Geburtstag. Danach faszinierten Radiohead durch musikalische Perfektion, glasklaren Klang und die besten Arrangements des Festivals.

Headliner am Samstag waren A-ha, die zwar aus Norwegen stammen, sich zum Schutz vor der Kälte aber dennoch in Daunenjacken flüchteten. Höhepunkt ihrer gekonnten Show war ein ergreifendes Crying In The Rain. Tatsächlich schien es, als wären Sänger Morten Harket und seine Duettpartnerin im Regen dem Weinen nah. Take On Me bildete den viel umjubelten Schlusspunkt ihres Konzerts.

Der Sonntag auf der Hauptbühne stand dann ganz im Zeichen von New Metal. OPM traten mit freiem Oberkörper gegen die Kälte an. Kid Rock trug zunächst einen weißen Pelzmantel, den er während einer begeisternden Performance aber schnell ablegte. Vielleicht halfen ihm dabei auch die warmen Gedanken: „If I were President of the United States, I would turn all the churches into strip-bars and watch the whole world pray“, phantasierte er während eines Blues-Jams. Daneben präsentierte er bestes Entertainment amerikanischer Schule und eine phänomenale Coverversion von Sweet Home Alabama. Die Lobeshymne auf die Südstaaten ließ auch die Zuschauer die germanische Kälte vergessen. Die geistesverwandten Limp Bizkit zeigten im Anschluss eine professionelle Show. Die Amerikaner boten den Fans alle Singles, ließen aber die bekannte Skandalträchtigkeit vermissen.

Höhepunkte gab es auch auf den anderen drei Bühnen. Im Talent Forum begeisterten unter anderem The Hives und The International Noise Conspiracy aus Schweden. Auf der AlternaStage hatten die mit Spannung erwarteten Papa Roach große Probleme mit ihren Verstärkern und mussten ihren Auftritt deshalb mehrfach unterbrechen. Seine Schwierigkeiten hatte auch Sammy Deluxe, dessen Ausrüstung zwar ordnungsgemäß funktionierte, der sich aber nicht mehr recht an seine eigenen Texte erinnern konnte. Mit Hilfe von Freestyle-Einlagen und einigen Kollegen wusste er dennoch zu überzeugen. „Freestyle heißt: Wir denken uns den Text beim Singen erst aus. Wir sind quasi Genies“, erklärte er diese Technik den unwissenden Rockern.

Den Abschied von der Veranstaltung versüßten wie schon im vergangenen Jahr Travis. Die Schotten spielten einige Songs vom demnächst erscheinenden Album The Invisible Band und unterstrichen damit ihren Ruf als erstklassige und liebenswerte Band. Zahlreiche Sympathien erspielte sich auch Mambo Kurt, der verstärkt durch seine Band „The Bossa Babes“ im House of Comedy auftrat. Auf seiner Mission, „die Heimorgel wieder populär zu machen und junge Menschen zum partnerschaftlichen Tanzen anzuregen“, ist er am Sonntag mit Sicherheit ein großes Stück weiter gekommen. Mit seiner Performance im Zirkuszelt brachte er die Zuschauer tatsächlich zum Schwitzen. Und selbst wer das ganze Wochenende lang gefroren hat, brauchte sein Kommen zu Rock am Ring 2001 nicht bereuen.

So geht Freestyle: Samy Deluxe trotz der Kälte bei Rock am Ring:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.