Leben auf Pump


Die Wirtschaft scheint verrückt zu spielen. Obwohl die Hurrikan-Saison bisher eher ruhig verlief und die Opec-Staaten gerade die Förderquote erhöht haben, übersteigt der Ölpreis erstmals die 80-Dollar-Marke. Auch der Euro eilt von Rekord zu Rekord.

Die Notenbanken fahren einen Schlingerkurs: Weder Ben Bernanke in den USA noch Jean-Claude Trichet in Europa wollen sich bei der Zinspolitik in die Karten schauen lassen. Zugleich versuchen sie verzweifelt, mit Geldspritzen die Finanzmärkte zu beruhigen. Wohlwollend könnte man davon sprechen, dass die Märkte derzeit sehr nervös reagieren. Kritischere Betrachter werden ein anderes Wort dafür finden: Panik.

Die bangen Blicke von Anlegern und Spekulanten richten sich vor allem auf die USA. Dort zeigt sich mehr und mehr, wie heikel das System des Lebens auf Pump ist. Das gilt für die amerikanischen Privathaushalte, die sich Autos, Möbel oder Urlaubsreisen oftmals durch eine Hypothek auf ihr Eigenheim finanziert haben – das nun mitunter deutlich an Wert verliert. Die Einkommensentwicklung hat mit den Immobilienpreisen bei weitem nicht Schritt gehalten. Wenn die Zinsen steigen, können deshalb viele Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Und die Banken bleiben auf wertlosen Sicherheiten sitzen.

Ein Leben auf Pump führt aber auch das gesamte Land: Die USA schieben ein riesiges Leistungsbilanzdefizit vor sich her. Investitionen der öffentlichen Hand sind teilweise nur noch möglich, weil Länder wie China ihre gewaltigen Devisenüberschüsse in US-Staatsanleihen anlegen.

Das Platzen der Hypothekenblase hat gezeigt, wie sensibel die Märkte inzwischen reagieren und wie eng sie verzahnt sind. Das sollte auch in Deutschland aufhorchen lassen. Denn globalisierte Investitionen können leicht einen Domino-Effekt auslösen, der auch hierzulande schwerwiegende Folgen haben könnte.

Hier ist die Politik gefragt. Beinahe zu spät hat insbesondere die Bundesregierung dies erkannt. Dass Angela Merkel nun mehr Transparenz auf den Finanzmärkten fordert, ist dringend notwendig. Denn die Konjunktur im Land des Exportweltmeisters ist besonders anfällig für Schwankungen beim Ölpreis oder Eurokurs. Wer das Land regieren will, darf es nicht zulassen, dass Spekulanten hier unbehelligt an der Preisschraube drehen.

Vor allem aber müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Heuschrecken in die Schranken zu weisen. Kaum jemand überblickt noch, welche Milliarden sie wo angelegt haben, was davon strategisches Investment und was bereits längst verbranntes Geld ist. Dass diese Hedge-Fonds in Deutschland mit Billig-Krediten gleich dutzendweise Firmen aufkaufen, die zum Teil strategische Bedeutung haben, kann nicht angehen. Denn sonst ist eines sicher: Wenn die nächste Blase platzt, wird das Massensterben nicht nur die Heuschrecken erfassen – sondern auch deutsche Arbeitsplätze.

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