Liebe deine Nächste!


Film Liebe deine Nächste!

Liebe deine Nächste! Filmkritik Rezension

Isolde (Heike Makatsch, links) und Josefine (Lea Mornar) werden in die Hauptstadt versetzt.

Produktionsland Deutschland
Jahr 1998
Spielzeit 96 Minuten
Regie Detlev Buck
Hauptdarsteller Heike Makatsch, Lea Mornar, Moritz Bleibtreu, Marc Hosemann
Bewertung

Worum geht’s?

Josefine und Isolde sind mit echter Überzeugung und großer Leidenschaft im Einsatz für die Heilsarmee. Jetzt steht den „Soldatinnen Gottes“ als frisch zusammengesetztes Team eine besondere Herausforderung bevor: Sie werden nach Berlin vesetzt und sollen dort ein Obdachlosenasyl unterstützen. Auf dem Weg dorthin lernt Josefine im Zug flüchtig den draufgängerischen Tristan kennen, der in der Hauptstadt einen Auftrag als Unternehmensberater hat. Er ist fasziniert von ihr, will sie verführen und stellt ihr nach. Josefine zeigt ihm allerdings die kalte Schulter und beteuert, ihre ganze Konzentration gelte ausschließlich den Armen und Hilfsbedürftigen. Erst als Tristan mit einer großzügigen Spende lockt, wird sie zugänglicher – auch, weil Isolde ihr gut zuredet. Denn allein mit den spärlichen Einahmen aus der Straßenmusik lässt sich ihr wohltätiges Werk längst nicht mehr finanzieren.

Das sagt shitesite:

Man kann daran erinnern, dass Hansa Rostock damals noch in der Bundesliga, der MSV Duisburg sogar im internationalen Geschäft spielte, um deutlich zu machen, wie lange 1999 her ist. Man kann darauf verweisen, dass Gerhard Schröder gerade die ersten zwölf Monate seiner Amtszeit als Bundeskanzler hinter sich hatte. Oder darauf, dass es erst seit zwei Jahren eine Internet-Suchmaschine namens Google gab, die allerdings noch kaum jemand benutzte.

Wer all das nicht anschaulich genug findet, kann natürlich auch Liebe deine Nächste! anschauen. Der Film, Detlev Bucks erste Arbeit nach dem Megaerfolg Männerpension, spielt 1999 und scheint mächtig Lust auf Endzeit zu haben. Berlin wird als Moloch gezeigt, meist nachts, gerne mit Nebel und nassen Straßen, wie man das aus Gotham City kennt. Die ersten Erlebnisse, die Isolde und Josefine bei ihrer Ankunft in der Großstadt haben, sind die Begegnung mit einem Lustmolch, ein bewaffneter Raub, in den sie unfreiwillig verwickelt werden, ein Selbstmord, den sie nicht verhindern können, und der Blick auf schamlosen Exzess und heilloses Chaos im Obdachlosenasyl. Diese eitle, selbstverliebte und nicht zuletzt unrealistische Ästhetik ist typisch für den gesamten Film: Alles soll hier in erster Linie cool sein, aber nichts funktioniert.

Das gilt für die Handlung, in der die Mission der vermeintlich weltfremden Heilsarmee-Kriegerinnen ebenso unglaubwürdig ist wie die Rolle von Tristan, der tagsüber als ultra-neoliberaler Widerling mit brutaler Härte und sogar Spaß an der Sache brave Angestellte um ihren Job bringt, abends aber in unstillbarer Sehnsucht nach einer frommen Sozialarbeiterin vergeht. Es gilt aber noch mehr für die Moral von Liebe deine Nächste!, so es denn eine geben soll.

Denn der Film kann sich weder entscheiden, ob er nun die beiden Samariterinnen als Heldinnen sieht oder den schneidigen Aufreißer feiert, ob das Werk witzig sein will oder rührend. Am Ende ist es nichts davon und hinterlässt bloß den Eindruck von Zynismus: Obdachlose prügeln, vergewaltigen und randalieren, sie sind inkompetent und vor allem undiszipliniert, haben also womöglich ihr Schicksal verdient. Geldgeile Arschlöcher haben eigentlich ein weiches Herz und suchen die wahre Liebe, sind also vielleicht gar nicht so unsympathisch. Wohltätigkeitsorganisationen sind korrupt, verdienen also unsere Solidarität nicht. Und warmherzige Frauen, die sich für die Schwächsten der Gesellschaft aufopfern, wollen auch nur mal ordentlich gebumst werden, wie die zumindest halbwegs interessante Figur der Josefine illustrieren soll, die spröde, streng und beherrscht ist, aber zugleich unsicher und scheu – nicht nur wegen Tristans Aggressivität, sondern ebenso wegen der Ahnung, dass auch sie selbst gerne hemmungslos wäre. Das ist das Weltbild in Liebe deine Nächste! – für das hier eigentlich zugrundeliegende Narrativ vom durchtriebenen Teufel, der durch das Gute bekehrt wird, ist das denkbar unpassend.

Bestes Zitat:

„Weißt du, was der einzige Unterschied zwischen uns beiden ist? Du reitest ein weißes Pferd und ich ein schwarzes.“

Der Trailer zum Film.

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