Lindsey Stirling – „Artemis“


Künstler Lindsey Stirling

Lindsey Stirling Artemis Review Kritik

Virtuose Gitarre und plumpe Beats dominieren auf „Artemis“.

Album Artemis
Label BMG
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Das Presseinfo zum fünften Studioalbum von Lindsey Stirling liest sich, als solle man Aktien von ihr kaufen. Chartplatzierungen, Spins auf Pandora, YouTube-Abonnenten, Konzertbesucher: Überall werden dort eindrucksvolle Zahlen genannt. In der Tat ist die 32-Jährige mega-erfolgreich, nicht nur im Dance/Elektronik- und Klassik-Bereich, sondern auch in den regulären Charts. Zudem ist sie äußerst geschäftstüchtig: Neben ihrem eigentlichen Metier als Violinistin ist sie auch als Tänzerin und Motivationsrednerin aktiv, gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie zudem den Roman The Only Pirate At The Party verfasst, der es auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte.

Ein paar weitere Fakten ihrer Karriere unterstreichen, dass sie kein Problem mit Kommerz hat: Den Durchbruch erlebte Lindsey Stirling nach einem Auftritt in America’s Got Talent, später machte sie bei Dancing With The Stars mit (und belegte Platz 2), auch ein (selbstverständlich höchst erfolgreiches) Weihnachtsalbum findet sich bereits in ihrer Diskografie.

Artemis zeigt unmissverständlich, dass sie diesen Massenappeal unbedingt bewahren will, und verdeutlicht auch, warum im Begleittext von der Musik fast gar keine Rede ist. Denn ihr Sound ist sehr schnell zusammengefasst: Ihr Prinzip heißt Overkill. Schon die Single Underground, die am Beginn der Platte steht, ist klassisch, rasant, verträumt und pompös – alles in einem Lied. Darkside ist unerträglich kalkuliert, Guardian klingt wie die akustische Entsprechung eines Rosamunde-Pilcher-Filmchens. Love Goes On And On verbreitet großes Drama und wird schnell nervtötend, nicht nur durch Stimme von Gastsängerin Amy Lee von Evanescence (mit denen war Lindsey Stirling zuletzt auf Tour), sondern auch durch die aufdringlichen Beats.

Gelegentlich kann man arabische, keltische oder afrikanische Elemente ausmachen, immer wieder aber dominiert hier die Kombination aus dem gekonnten Geigespiel und sehr konventionellen Elektroklängen, was schnell ermüdend wird (zwei Bonustracks steigern diesen Effekt der Übersättigung noch). Als in Foreverglow, dem fünften Stück auf Artemis, endlich einmal Gesang zu hören ist, erweist sich das als wohltuende Abwechslung. Aurora hat ein paar schöne Momente, die werden aber durch einen David-Guetta-Bumsbeat kaputt gemacht. In The Upside hat man das Gefühl, man habe diese Melodie schon hundert Mal gehört, und zwar alleine auf diesem Album – passenderweise gibt es den Song später tatsächlich noch einmal, diesmal angereichert um den Gesang von Elle King.

In Summe zeigt Artemis, warum Lindsey Stirling mit ihrem Sound so erfolgreich ist: Sie macht Musik, die in erster Linie zuverlässig das bei ihrem Publikum triggert, was es erwartet. Das ist die Illusion von Virtuosität, die Reise in eine vermeintlich fantastische Traumwelt, das Versprechen von Pseudo-Emotion auf Knopfdruck, ohne die Gefahr von Überraschungen. Mit anderen Worten: Kitsch.

Im Video zu The Upside wird Lindsey Stirling zur Anime-Figur.

Website von Lindsey Stirling.

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