Little Britain Abroad


Little Britain Abroad Kritik Rezension

Lou (David Walliams, hinten) und Andy (Matt Lucas) wollten eigentlich nach Disneyworld.

In Deutschland, Österreich und Russland gibt es mittlerweile mehr oder weniger erfolgreiche (und mehr oder weniger gelungene) Ableger von Little Britain. Gemein ist ihnen allen: Im Mittelpunkt der Sketche stehen recht brachiale Gags, oft auf Kosten sozial Benachteiligter, vor allem aber werden die (vermeintlichen) Eigenheiten der jeweiligen Bevölkerung überzeichnet und so ins Lächerliche gezogen. Matt Lucas und David Walliams haben dieses Konzept für die BBC erfunden und ab 2003 riesige Erfolge damit gefeiert. Mit Little Britain Abroad schickten sie ihre Helden, nach drei vorangegangenen Staffeln und insgesamt 20 Folgen, im Jahr 2006 ins Ausland. Zwei Jahre später erschien das Ganze bei uns als DVD – und ist auch heute noch ein großartiger Spaß.

Dafyyd Thomas, der „einzige Schwule im Dorf Llandewi Breffi“ soll in Mykonos bei der Vermarktung einer Homosexuellen-Bar helfen. Andy hat eine Reise nach Disneyworld gewonnen, landet gemeinsam mit seinem Betreuer Lou aber nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Vickie Pollard sitzt im Thai-Knast, weil sie beim Drogenschmuggel erwischt wurde, Bubbles DeVere ist in der Schweiz auf Shopping-Tour und Carol Beer muss sich in Spanien mit Touristen aus der Heimat herumschlagen. Die Idee, die Charaktere aus dem britischen Biotop herauszuholen, das so essentiell für den Humor von Little Britain ist, erscheint nur auf den ersten Blick gewagt: Die beiden Folgen von Little Britain Abroad spielen natürlich auch mit Klischees über die Zielländer, viel mehr aber tritt gerade vor dem nunmehr exotischen Hintergrund die Exzentrik der Figuren zutage, auch ihre ausgesprochene Britannität (also: Britishness, für alle Feinde von Wortschöpfungen). Das Anspruchsdenken der ehemaligen Kolonial-Weltmacht gehört ebenso dazu wie eine herrlich verkrampfte Sexualität und die seltsamen Folgen des Klassensystems, das Resultate wie Vickie Pollard ebenso hervorbringen kann wie Bubbles DeVere.

Normalerweise braucht man einen Vergleich, um sich selbst als anders zu erkennen. Man benötigt eine Referenz, um sich der eigenen Individualität bewusst zu werden. Bei einem Aufenthalt im Ausland sollte beides naturgemäß unumgänglich sein. Dass Vergleichen und Referenzieren hier aber durchweg nicht geschehen, sondern sich selbst die skurrilsten Figuren für vollkommen normal halten und sich vor allem stets vollkommen im Recht finden – daraus erwächst der Humor von Little Britain Abroad. Nicht zuletzt zeigen die beiden Folgen, wie stark die Figuren von Matt Lucas und David Walliams auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung und eines ausnehmend britischen Settings wahlweise im Sozialbau, beim Pferderennen oder im Buckingham Palace sind.

Als Bonusmaterial bietet die DVD eine sehr ausführliche (und bei einer Spielzeit von knapp einer Stunde mitunter etwas langatmige) Dokumentation der Tournee von Little Britain durch Australien, zudem den großartigen Mitschnitt ihres 2007er Liveauftritts bei Comic Relief, inklusive Gastauftritten von Kate Moss, Russell Brand, Patsy Kensit, Chris Moyles, Jonathan Ross und Dennis Waterman.

Bestes Zitat:

„Ah, Switzerland. Not so helpful in a war, but wonderful fondue.“

Ein Sketch aus der Serie.

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