Marcus Marr – „Familiar Five“


Künstler Marcus Marr

Marcus Marr Familiar Five Kritik Rezension

Drei neue und einen bekannten Track enthält die EP von Marcus Marr.

Album Familiar Five
Label DFA
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Drei ziemlich ungewöhnliche Eigenschaften sind nicht schlecht für eine EP, die nur vier Tracks umfasst. Die erste: Marcus Marr, sonst durchaus als geselliger Kollaborateur bekannt, etwa durch seine Zusammenarbeit mit Chet Faker, seine Rolle als DJ-Stammgast im Berghain oder die gemeinsame Tour mit Hot Chip, hat alles auf Familiar Five in Eigenregie gemacht. Die Tracks entstanden größtenteil nachts in seinem Studio in Brixton. Das führt zum zweiten überraschenden Charakteristikum: Im Vergleich zu den vorherigen Veröffentlichungen des Produzenten aus London ist die neue EP zwar nicht schwermütig, aber doch recht düster geworden.

Das zeigt schon der Titeltrack, der Familiar Five eröffnet. “Als ich daran gearbeitet habe, wurde mir klar, dass es ziemlich unheimlich klingt. Deshalb dachte ich mir, dass eine Stimme vielleicht gut dazu passen würde“, erzählt Marcus Marr. Diese Stimme ist nun seine eigene, und sie singt (oder besser gesagt: spricht): „Yes, I’m ugly / ugly but unique.“ Natürlich kann man keinem der beiden Teile in dieser Aussage zustimmen, der Sound ist zu schön und zu wenig expressiv dafür. Seine Botschaft bringt Marcus Marr trotzdem sehr gut rüber: „Es geht darum, ein Freak zu sein, und das zu akzeptieren – froh darüber zu sein, dass man ein Freak ist.“

Dieser Charakterzug tritt in Rocketship noch deutlicher hervor. Man kennt das Stück schon als Single, hier ist es als Abschluss der EP noch einmal platziert, mit einem Gitarrensample als Mittelpunkt, verfremdeter Stimme und ziemlich irrer Orgel: Am Fenster dieses Raumschiffs scheinen jede Menge interessante Objekte vorbeizusausen.

Außerdem gibt es auf Familiar Five das knapp achtminütige Love Release, sehr clever aufgebaut und mit vielen Vintage-Synthie-Sounds. Seine Liebe zu Funk und Seventies-Disco lebt Marcus Marr in High Times aus. „Ich habe da eindeutig ein paar Bezüge zu Nile Rodgers circa 1979, 1980 drin… Ich habe wirklich ein großes Faible für diese Ära zu Beginn der Achtziger, bevor die Drumcomputer langsam die Dance Music übernommen haben“, sagt Marr. Freilich erweist er sich hier nicht als Analog-Purist, sondern gönnt sich in diesem Track auch noch ein paar Elemente von French House und aus etwas härteren elektronischen Gefilden. So etwas klappt wohl mühelos, wenn man einen zusätzlichen Finger neben den üblichen fünf hat – und ein so gutes Händchen für Beats und Stimmungen.

Das Video zu Familiar Five erklärt, was man mit sechs Fingern pro Hand erleben kann.

Website von Marcus Marr.

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