METZ – „Atlas Vending“


Künstler METZ

METZ Atlas Vending Review Kritik

Haltbarkeit und Atmosphäre haben METZ auf „Atlas Vending“ betont.

Album Atlas Vending
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

METZ ist bekanntlich nicht nur ein Noiserock-Trio aus Kanada, sondern (wenn man nur den ersten Buchstaben groß schreibt) auch eine Stadt im Nordosten Frankreichs. Die Klänge auf Atlas Vending, dem morgen erscheinenden vierten Album von Alex Edkins (Gesang, Gitarre), Hayden Menzies (Schlagzeug) und Chris Slorach (Bass) löst jedoch schnell Assoziationen zu einem Ort aus, die noch knapp 80 Kilometer weiter östlich liegt: Verdun.

Dort tobte eine der längsten und blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Durchschnitt prasselten dort zwei Bomben und Granaten pro Quadratmeter auf das Schlachtfeld, die Lebenserwartung an der Front betrug 14 Tage, am Ende gab es 300.000 Tote. Wenn Edkins nun in Hail Taxi singt „I’m sending messages to you“, dann scheinen sich diese Botschaften durch allerlei Attacken aus fiesen Geräuschen hindurchkämpfen zu müssen. Draw Us In ist ein ähnlicher akustischer Tumult, hinterhältig, brutal, explosiv, machtvoll, blutig – und einer Quelle entstammend, die eindeutig das Werk von Menschen, aber nicht unbedingt menschlich ist. Blind Youth Industrial Park klingt wie ein endloses Armdrücken zwischen den einzelnen Elementen, auch The Mirror vermittelt solch eine Schonungslosigkeit: Es gibt darin keine Sekunde, die nicht im roten Bereich wäre. In Parasite bildet das Schlagzeug die Vorhut für die Attacke, der Rest der Band folgt und veranstaltet ein Gemetzel

Natürlich wissen METZ, dass Härte zwar zu ihrem Markenkern gehört, aber nicht ausreicht, um über die Dauer von zehn Songs ein gelungenes Album abzuliefern. Atlas Vending kennt deshalb durchaus aus Abwechslung. No Ceiling rückt nicht nur wegen seiner Spielzeit von nur 97 Sekunden in die Nähe von Punk. Den mehr als 7 Minuten langen Album-Abschluss A Boat To Drown In könnte man hingegen als Stoner Rock mit einer Extra-Portion Drive betrachten. So wie Sugar Pill hätten die Pixies vielleicht geklungen, wären sie noch ein Stückchen wahnsinniger gewesen. Framed By The Comets Tail hätte gut auf Nirvanas In Utero gepasst und ist eines der Stücke, die beweisen, dass METZ diesmal mehr auf Tiefe, Atmosphäre und Haltbarkeit gesetzt haben statt auf Unmittelbarkeit und Wucht.

„Wenn es gut für uns läuft, werden wir uns immer weiter verändern“, beschreibt Alex Edkins seinen Blick auf die Band. „Unser Ziel ist es, beweglich zu bleiben und auf natürliche Weise zu wachsen, Schritt für Schritt. Wir haben immer darauf geachtet, die Musik, die wir lieben, nicht zu über-intellektualisieren. Trotzdem haben wir den Anspruch, etwas zu erschaffen, das uns vorwärts bringt.“ Wie gut diese Balance aus Bewahren des METZ-Charakters und Weiterentwicklung auf Atlas Vending geklappt hat, zeigt schon der Opener Pulse: Ein unbarmherziges Schlagzeug, eine Alarm-Gitarre, ein Berserker-Bass und Psychopathen-Gesang treffen da aufeinander, und von dem Moment an, wo dieses Ensemble komplett ist, wird die Platte immer aggressiver und immer intensiver.

Der Schauplatz im Video zu Pulse könnte ebenfalls ein Schlachtfeld sein.

Website von METZ.

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