Mewithoutyou – „Untitled“


Künstler Mewithoutyou

Mewithoutyou Untitled Review Kritik

Parallel zum Album „Untitled“ veröffentlicht die Band eine gleichnamige EP.

Album Untitled
Label Big Scary Monsters
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

„Es ist eine ewige Frage in der Band, wie weit man ins Unbekannte vordringen kann“, sagt Sänger Aaron Weiss über eines der zentralen Themen bei Mewithoutyou. „Natürlich ist es schön, etwas Neues zu machen. Aber in welchem Umfang und zu welchem Zweck?“

Auch auf ihrem siebten Album seit der Gründung 2001 finden Aaron Weiss, sein Bruder Mike (Gitarre), Brandon Beaver (Gitarre), Dominic Angelella (Bass, er ersetzte im Studio den wegen eines Sabbaticals abwesenden und nun wieder zurückgekehrten Greg Jehanian) und Rickie Mazzotta (Schlagzeug) ein paar erstaunliche Antworten darauf. Der Auftakt 9:27 a.m., 7/29 ist gleich das erste Beispiel: Der Song scheint ganz behutsam Spannung aufbauen zu wollen, wird dann aber viel eher brutal als man das (wenn überhaupt) erwartet hätte, schließlich wieder mysteriös. Am anderen Ende von Untitled steht der Schlusspunkt Break On Through (To The Other Side) Pt. Two, der fast akustisch bleibt (und keinerlei Verwandtschaft zu den Doors erkennen lässt). 2,459 Miles wird verschwörerisch und theatralisch, Dormouse Sighs erweist sich als gebremster Stoner Rock, Flee, Thou Matadors ist sehr clever, auch wegen des Refrains, der lange im Ohr bleibt.

Die Band aus Philadelphia veröffentlicht parallel zum Album, das mit Produzent Will Yip aufgenommen wurde, auch eine gleichnamige EP mit sieben weiteren Songs. Auch das darf man als Zeichen für eine kaum zu bändigende Kreativität werten, die sich bei Mewithoutyou offensichtlich gerade Bahn bricht. Tortoises All The Way Down braucht als Beleg dafür nur ein paar Gitarrenakkorde und wie beiläufig geflüsterten Gesang, dann scheint es völlig davon zu driften, bleibt aber über die gesamte Zeit sehr kontrolliert. Bei Julia (or, ‚Holy To The Lord‘ on the Bells of Horses) lässt nicht nur der Titel an Prog Rock denken, Wendy & Betsy wird noch etwas härter als der Rest von Untitled, ohne dabei plump zu geraten.

„Ich dachte zunächst, ich würde ein Album über die steigende politische Anspannung schreiben, aber das ist nicht passiert“, sagt Aaron Weiss über die neue Platte. Schnell wurde ihm aber klar, dass ihn stattdessen andere Themen noch viel mehr umtreiben: Persönliches, sogar Intimes, Beziehungen und vor allem Selbstfindung. „Ich denke, ich muss meinen persönlichen Tiefpunkt erreichen und ein Quasi-Trauma durchleben. Es wird meine Sinne schärfen und alles, was überflüssig ist, von mir nehmen. Es wird mich mit einem klareren und simpleren Verständnis von mir selbst zurücklassen“, lautet seine Überzeugung, und diesen Mix aus Introspektion, Leid, Arbeit und Katharsis hört man den Liedern sehr deutlich an – zugleich sorgt dieser Zugang dafür, dass Untitled sehr individuell und unverwechselbar klingt.

Ein paar Bezugspunkte zu finden, ist dennoch möglich. Die ersten Momente im vergleichsweise konventionellen Another Head For Hydra könnten von den Foo Fighters sein, Winter Solstice klingt gleichzeitig retro und futuristisch, sodass man beispielsweise an ELO denken kann. New Wine, New Skins ist erst beschaulich, dann kommt eine Eruption, die man nicht hat kommen sehen, Muse könnten ein Vorbild sein, nicht nur für diese Dramaturgie, sondern auch für die Soundästhetik, die problemlos Hartes mit Filigranem zusammenführt. Michael, Row Your Boat Alone bringt den Charakter von Mewithoutyou vielleicht am besten auf den Punkt und weckt den Verdacht: Sie hätten wohl nichts dagegen, die Pink Floyd fürs 21. Jahrhundert zu werden.

Für einen Abschlussball spielen Mewithoutyou im Video zu Julia.

Mewithoutyou bei Bandcamp.

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