Nicht willkommen


George W. Bush ist nicht nur der mächtigste Mann der Welt, sondern auch einer der unbeliebtesten. Mehr als 30 Organisationen werden gegen den US-Präsidenten und seine Politik demonstrieren, wenn er heute Abend in Mecklenburg-Vorpommern landet und dann drei Tage lang Gast im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel sein wird. 13.000 Sicherheitskräfte werden Bush schützen – auf jeden Einwohner von Heiligendamm, wo der US-Präsident residieren wird, kommen damit 44 Polizisten. Keine Frage: George W. Bush ist nicht willkommen.

Das liegt nicht daran, dass Bush angeblich nur der Stargast einer „CDU-Fete“ sein soll, wie die anderen Parteien kurz vor der Landtagswahl kritisieren. Es liegt auch nicht daran, dass für den Privatbesuch eines einzelnen Mannes praktisch das gesamte öffentliche Leben in Nordvorpommern lahmgelegt werden soll. Es liegt auch nicht daran, dass – legt man die Erfahrungen von Bushs letzter Stippvisite in Mainz zu Grunde – für die Sicherheitsmaßnahmen Kosten in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro entstehen werden, für die der Steuerzahler aufkommen muss. Es liegt daran, dass Bush für viele Deutsche noch immer eine schlimme Politik verkörpert: den unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geführten Irak-Krieg, die Menschenrechtsverletzungen in Guantánamo, Willkürakte wie Abhöraktionen oder die CIA-Flüge.

Und es liegt daran, dass sich der Sinn dieses Besuchs nicht erschließt. Wenn man einen Test für den G-8-Gipfel in Heiligendamm im kommenden Jahr im Auge hat, dann ist George Bush ein ziemlich prominenter Dummy und dann ist der Probenaufwand in jeder Hinsicht überzogen. Wenn Angela Merkel dem US-Präsidenten zeigen will, wie der deutsche Osten 17 Jahre nach der Wende aussieht, dann vergisst sie, dass Bush bei einem solchen Maß von Abschirmung und Vorbereitung nichts anderes zu sehen bekommen wird als potemkinsche Dörfer. Wenn die Kanzlerin ihren Wahlkreis in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rücken will, dann ist ein derart umstrittener Gast erst recht nicht die klügste Wahl – sollten die Proteste gegen Bush eskalieren, wäre das eine denkbar schlechte Werbung für Nordvorpommern.

Und sollte Merkel das Ende der Eiszeit in den deutsch-amerikanischen Beziehungen illustrieren wollen, dann schätzt sie die Stimmung im Land völlig falsch ein. Beim Anblick von George W. Bush ist wohl nach wie vor den wenigsten Deutschen nach begeistertem Fähnchenschwenken zumute.

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