Oasis – „Definitely Maybe“ (DVD)


Künstler Oasis

Definitely Maybe Oasis DVD Kritik Rezension

zum 10. Jubiläum gibt es „Definitely Maybe“ als Special Anniversary Edition.

DVD Definitely Maybe (Special Anniversary Edition)
Label Sony
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung

Es gibt auf dieser Veröffentlichung zum zehnten Jubiläum des Debütalbums von Oasis, die aus zwei DVDs besteht, als ein Feature eine Diashow. Man hört die Lieder von Definitely Maybe und sieht dazu Fotos der Bandmitglieder von Oasis aus den Jahren 1993/94. Es sind aus heutiger Sicht erstaunliche Bilder dabei, auf denen selbst Noel Gallagher – den man zuletzt sehr bereitwillig als Elder Statesman wahrgenommen hat – noch jung aussieht, sogar Bonehead, der schon in den Anfangstagen der Band aus Manchester (und, wie sein Spitzname vermuten lässt, sogar noch deutlich eher) eine Halbglatze hatte. Man kommt aber trotz der durchaus interessanten Bildauswahl nicht um die Feststellung herum, dass so eine „exclusive montage of images“, wie es auf der Packung heißt, dann doch ein bisschen langweilig daher kommt. Wäre sie nicht mit dieser wahnsinnigen Musik unterlegt.

Was Oasis mit ihrem Debütalbum ins Rollen brachten, war nicht nur ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte. Definitely Maybe bedeutete einen mehrfachen Paradigmenwechsel: Weg vom Fokus auf amerikanische Künstler, hin zu dem, was bald „Britpop“ heißen sollte. Weg von der Chartdominanz von Dance-Acts, hin zu einem Revival der Gitarrenband. Vor allem aber: Weg von der Introspektion, der Wut und der Verweigerungshaltung, die Grunge als die Standard-Mentalität für glaubwürdige Rockmusiker geprägt hatte. Hin zu Wir-Gefühl, Selbstbewusstsein, Spaß. Oasis „geben uns den Glauben an unser Recht auf Aufregung zurück“, hat der NME damals geschrieben.

Was das für Folgen hatte, zeigen diese beiden DVDs durch einen sehr gekonnten Mix aus zeitgenössischen Aufnahmen, einer Song-für-Song-Analyse und rückblickenden Statements von Marc Coyle, Alan McGee, Owen Morris, ein paar Journalisten oder Wegbegleitern wie The Real People (die in Liverpool das erste Demo der Band produziert hatten) und Mani von den Stone Roses (als Vertreter der Manchester-Musikszene, die von Oasis genauso umgepflügt wurde wie der Rest des Landes). Steve Lamacq schreibt in den Liner Notes sehr treffend, wie wichtig die tief sitzende Frustration für Oasis als Quelle ihres enormen Ehrgeizes war, wie erfrischend dabei ihre Authentizität wirkte. Was sie allerdings wirklich von anderen Bands unterschied, war der völlige Verzicht auf Indie-Elitismus. Genau diese Attitüde machte den Triumph dieses Debütalbums möglich, stellt er fest: „As statements of intent go, this was in a class of its own. You can point to all sorts of references on Definitely Maybe (from the speed of punk to the spliff of psychedelia), but the fact is that within months of its release it has surpassed its influences.“

Es gibt in den insgesamt vier Stunden Spielzeit ein paar mittlerweile fast vergessene Anekdoten wie den Zwischenfall in Newcastle, als ein Fan auf die Bühne kam und Noel schlug, woraufhin die gesamte Band ins Publikum sprang, um den Übeltäter zu finden. Fast bizarr wirkt die Erinnerung an einen Auftritt in Leeds in einem komplett leeren Venue, unmittelbar vor Beginn des Hypes. Recht ausführlich wird das bereits bestens dokumentierte Verschwinden von Noel Gallagher auf der ersten richtigen USA-Tour der Band thematisiert, das Oasis (zum ersten und nicht zum letzten Mal) an den Rand der Auflösung brachte.

Besonders erhellend sind die dokumentarischen Passagen mit der Band (inklusive Tony McCarroll) über den Entstehungsprozess. So erfahren wir etwas über die tatsächlich politische Botschaft in Up In The Sky („It’s actually about establishment figures who didn’t have a clue about how people were living in England at that time and what people had done to the country“, sagt Noel Gallagher) und auch in Cigarettes & Alcohol, über die Renaissance-Einflüsse bei der Gestaltung des Albumcovers und auch die Antwort auf die Frage: Wie findet Digsy eigentlich Digsy’s Diner?

Ebenfalls vertreten sind sämtliche Videoclips zu den Singles des Albums, die etwa in Erinnerung rufen, wie psychedelisch ein Song wie Shakermaker war und wie sehr spätestens ab Live Forever die öffentliche Wahrnehmung von Oasis auf Liam Gallagher fokussiert war. Fast putzig wirken die Mitschnitte von diversen Fernsehauftritten und Konzerten. So nah wie in der Studiokulisse von Naked In The City kam Noel wahrscheinlich nie mehr in seinem Leben an einen Basketballkorb heran. Supersonic bei The Word wird als erster Fernsehauftritt der Band angekündigt, und sieht trotzdem bereits aus wie die Definition der Britpop-Ära.

„I think a lot of what we’ve achieved has come about because we’ve caught the spirit of what was missing in a lot of people’s lives“, stellt Noel Gallagher sehr treffend in einem der Interviews fest. Das Zitat ist so pointiert wie fast alles, was er hier äußert, zugleich weist es auf die zwei vielleicht wichtigsten Effekte dieser DVDs hin: Zum einen wird klar, dass – so sehr Definitely Maybe heute als Instant Classic gilt – die Aufnahmen keineswegs so ein unmittelbarer Triumph waren. Stattdessen gab es gleich mehrere Fehlversuche, musste die Band ein neues Studio beziehen und unzählige Mixes ausprobieren, bevor man den ultimativen Sound gefunden hatte, der heute so selbstverständlich und nach wie vor umwerfend klingt. Zum anderen stellt sich angesichts des Endes der Band eine beinahe rührende Nostalgie ein, wenn man auf all diesen Bildern von Fußball, Bier und Grimmassen sieht, wie verdammt viel Spaß Oasis daran hatten, Oasis zu sein.

Legendär, nichts weniger: Supersonic bei The Word.

Website von Oasis.

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