Pedro The Lion – „Phoenix“


Künstler Pedro The Lion

Pedro The Lion Phoenix Review Kritik

Für „Phoenix“ kehrte Pedro The Lion wieder zu seiner ursprünglichen Arbeitsweise zurück.

Album Phoenix
Label Big Scary Monsters
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

„My Phoenix still shines / my Phoenix will rise“, singt David Bazan in My Phoenix gegen Ende dieser Platte. Er tut das mit großer Entschlossenheit, und es hat eine doppelte Bedeutung für das in einer Woche erscheinende Album: Erstens bezieht es sich auf seine Heimatstadt Phoenix, Arizona.Vor zweieinhalb Jahren kam er, als er auf einem Selbstfindungstrip in einem Minivan kreuz und quer durch die USA fuhr, nach langer Zeit mal wieder dort vorbei. Er besuchte seine Großeltern, warf auch einen Blick auf sein Elternhaus und erkannte, wie viel ihm dieser Ort noch immer bedeutet, auch wenn er sich stark (und nicht unbedingt zum Besseren) verändert hat.

Zweitens bezieht es sich auch auf seine künstlerische Identität. Phoenix ist sein erstes Album als Pedro The Lion seit Control (2002). Drei Jahre später hatte er das Projekt vollends beerdigt und seitdem nur noch unter anderen Namen Musik gemacht. Mit dieser Platte findet er nicht nur zu seiner ursprünglichen Inkarnation zurück, sondern auch zu der Arbeitsweise, mit der er als Musiker begonnen hat. Dazu gehörte, alles selbst zu schreiben und die meisten Instrumente auch selbst einzuspielen. Als er später versuchte, gemeinsam mit einer Band zu arbeiten, erwies sich das als Sackgasse – und nun setzt er wieder auf seine eigenen Stärken als Pedro The Lion.

„Ich hatte meine natürliche Arbeitsweise aufgegeben, in der Hoffung, Platz für eine Band zu schaffen, die Bestand haben würde, mit der ich zusammen Songs schreiben konnte. Doch es wollte einfach nicht funktionieren“, sagt Bazan. „Also mietete ich mir einen Proberaum, spielte Schlagzeug, Bass und Gitarre und lehnte mich voll und ganz wieder in meinen ursprünglichen Prozess hinein. Es fühlte sich sofort wie Zuhause an. Nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass es sich auch wie Pedro The Lion anfühlte.“

Das auffälligste Resultat dieser doppelten Heimkehr ist die Kraft, die in Phoenix steckt. Erik Walters (Gitarre und Gesang) und Sean Lane (Schlagzeug) halfen bei den Aufnahmen im Studio mit, unter Leitung von Produzent Andy Park. Das Album setzt sehr betont auf geradezu klassischen Rock, von den Emo-Spuren ist jenseits der Texte wenig verblieben. So geht ein wenig Feinfühligkeit verloren, dafür ist das Werk im besten Sinne solide. Clean Up wird eingängig, sogar ein bisschen plakativ. Tracing The Grid ist im Kern ein Blues, Powerful Taboo siedelt sich nicht weit weg von Americana etwa im Stile der Drive-By Truckers an.

Bezeichnend ist zudem, wie sehr die Kehrtwende hier auch dem Inhalt entspricht: Der (oft vergebliche) Versuch, mit anderen Menschen klar zu kommen, und das Bewusstsein, vielleicht zu denen zu gehören, denen man im Englischen den romantisierenden Namen „Loner“ gibt, prägen nach wie vor die Musik von Pedro The Lion, und die Texte auf Phoenix machen das an vielen Stellen klar, ohne dass daraus jemals Selbstmitleid würde.

Yellow Bike ist eine Kindheitserinnerung an Weihnachten 1981, an die Freude über das Geschenk und den dann entdeckten Gedanken: Noch schöner als dieses Fahrrad wäre ein Begleiter, mit dem man gemeinsam durch die Gegend fahren kann. „I want to live with someone else / give them my whole self / I want to not be lonely“, singt Bazan in Model Homes, auch über den Irrglauben, dass Häuser, andere materielle Erwerbungen oder ein Umzug in eine andere Stadt dieses Problem beseitigen könnten. Quietest Friend ist das vielleicht typischste Beispiel für den Ansatz von Phoenix: Der Text erzählt vom Vorsatz, ein besserer Mensch zu werden, um auch die Mitmenschen künftig besser behandeln zu können, im Sound wird die Lust auf große Gesten wie bei Tom Petty oder Neil Young erkennbar.

Wie gut Bazan vor allem als Storyteller mittlerweile ist, belegen beispielsweise Circle K (über eine Scham, die er als Kind empfunden hat, und die wohl noch immer nicht überwunden ist) und Black Canyon (mit einer skurrilen Geschichte über einen Selbstmord und die Beobachtungen und Rituale der Rettungskräfte, die zum Schauplatz eines solchen Suizids kommen). Wenn er ganz am Ende des Albums in Leaving The Valley, das auch zu Cracker passen könnte, die Fragen stellt „How do you stop a rolling stone? How will you know you’re finally home?“, dann darf man wohl davon ausgehen, dass er den Antworten darauf mit Phoenix einen Schritt näher gekommen ist.

Seinem Sohn Nils hat David Bazan die Hauptrolle im Video zu Yellow Bike gegeben.

Website von Pedro The Lion.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.