Durchgelesen: Erhard Scheibe – „Die Philosophie der Physiker“


Wenn Physiker zu Metaphysikern werden.

Autor Erhard Scheibe
Titel Die Philosophie der Physiker
Verlag C.H. Beck
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung **1/2

Zum Glück ist dies kein Buch über das politische Programm von Angela Merkel. Stattdessen liefert Erhard Scheibe, Professor für Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Heidelberg, den ersten umfassenden Überblick über philosophische Fragestellungen, Probleme und Anregungen, die aus der Physik hervorgegangen sind.

Das meint Weltbilder der Antike, erkenntnistheoretische Fragen und schließlich die Phase der Disziplin, in der die Physiker fast zwangsläufig zu Philosophen werden mussten: den Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinen entscheidenden Umwälzungen des Fachs durch Relativitätstheorie und Quantenmechanik.

Man sollte mit diesen Begriffen schon etwas anfangen können, um wirklich Gewinn aus Scheibes Buch zu ziehen, für Laien ist „Die Philosophie der Physiker“ nichts. Doch wie sehr die aktuellen Fragen des Fachs fast ebensosehr geistes- wie naturwissenschaftliche sind, macht Scheibe eindrucksvoll deutlich.

„Feindschaft sei zwischen euch“, hat Schiller einst mit Bezug auf diese beiden Bereiche gesagt, doch die Zeit ist nicht nur reif für ein Bündnis – ohne philosophischen Überbau wäre die moderne Physik nichts weniger als unvollständig. Für Einstein hat hier „stets der eigentliche Zauber wissenschaftlichen Nachdenkens gelegen; es ist sozusagen die religiöse Basis des wissenschaftlichen Bemühens.“

Dass gerade die rationalsten Betrachtungen schnurstracks zu Gott führen, dass Einstein, Mach oder Heisenberg bei ihren Forschungen auf Fragen stießen, für die es nur metaphysische Antworten gab, das ist die Erkenntnis dieses Überblicks. Scheibes Darstellung macht diese aber nicht deutlich genug. Dafür ist sein Buch zu sehr Zusammenstellung und zu wenig Synthese.

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