Popp dich schlank


Film Popp dich schlank!

Popp dich schlank Kritik Rezension

Paul (Jochen Schropp) nach dem Training mit Paula (Theresa Scholze).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2005
Spielzeit 92 Minuten
Regie Christoph Schrewe
Hauptdarsteller Theresa Scholze, Jochen Schropp, Dirk Bach, Martin KlempnowCheyenne Rushing
Bewertung

Worum geht’s?

Als Abiturient hat sich Paul unsterblich in die Austauschschülerin Maria verliebt. Er traute sich aber nie, sie anzusprechen, weil er sich für pummelig hielt. Knapp zehn Jahre später läuft es mit den Frauen auch nicht besser, unter anderem, weil Paul alle potenziellen Partnerinnen mit seiner Fokussierung auf Maria nervt. Auch der Bauch ist nicht flacher geworden, weil Paul sich vor lauter Frust in die Arbeit als Drehbuchautor für eine Serie im Kinderfernsehen stürzt und dazu neigt, bequem, unregelmäßig und ungesund gleich am Set zu essen. Als Maria ankündigt, zurück nach Deutschland zu kommen und bei ihm unterkommen will, beschließt Paul eine Diät. Er hat einen Monat lang Zeit und verspricht sich große Erfolge, denn seine Kollegin Paula hat ihm von einer sagenhaft erfolgreichen Abnehm-Methode erzählt: Kalorienverbrennen durch Sex. Keine Gefühle, keine Intimität, bloß körperliche Betätigung. Praktischerweise stellt sie sich, frisch von ihrem Freund getrennt, auch gleich als Abnehm-/Trainingspartnerin zur Verfügung. „Wir arbeiten schon seit sechs Jahren zusammen. Da sollten wir doch so ’ne Kleinigkeit wie Sex locker hinkriegen“, meint sie. Natürlich liegt sie falsch.

Das sagt shitesite:

Wie bei so vielen deutschen Komödien im Auftrag von ProSieben wünscht man sich auch hier, die Macher des Films hätten so viel Geschmack bewiesen wie die Menschen, die den Soundtrack bestückt haben. Das Beste an Popp dich schlank ist nämlich eindeutig die Musik, unter anderem von Nirvana, Sam & Dave, Bil Withers, Marvin Gaye, All Saints, Percy Sledge, Bryan Adams, John Paul Young und Sixpence None The Richer.

Mit diesem Niveau können Schauspiel, Drehbuch und Regie insgesamt nicht annähernd mithalten, auch wenn der Film immerhin ein paar gute Momente hat. Halbwegs lustig wird etwa die Verkrampftheit der ersten Trainingseinheit, als Paul und Paula sich zunächst vor dem Nacktsein zieren und dann beim anschließenden Gang auf die Waage offensichtlich noch größere Glücksgefühle haben als zuvor während des eigentlichen Akts. Auch Dirk Bach ist als exzentrischer Kinderfernseh-Star ein Highlight und genießt die eigene Rolle offensichtlich immens.

Der Rest von Popp dich schlank krankt vor allem an Klischees und Inkonsequenz. So ist die Idee, Figurterror und Übersexualisierung in unserer Gesellschaft auf die Schippe zu nehmen, indem man beides ironisch kombiniert, gar nicht schlecht. Sie wird aber hier nicht einmal halbherzig umgesetzt. Denn erstens geht es natürlich auch hier um Sex als Symbol von Erfolg und Anerkennung, das zeigt schon der Titel. Zweitens unterwerfen sich die Macher selbst dem medialen Schlankheitswahn. Weder Paula, die mit dem angeblich exorbitanten Ausmaß ihres Hinterns hadert, noch Paul, der wahlweise als „Paul der Pottwal“ oder „Pummelbär“ bespöttelt wird, sind auch nur annähernd übergewichtig. Und gerade Paul bedient alle Vorurteile, die mit einem hohen BMI einhergehen: Dicke sind willensschwach, naschen die ganze Zeit und haben wegen ihres Übergewichts natürlich zwangsläufig keine Möglichkeit, selbstbewusst zu sein.

Das ist selbst im Rahmen einer seichten Fernsehkomödie höchst fragwürdig, zumal der Film mit seiner Ausgangsidee das Potenzial gehabt hätte, anders mit dieser Thematik umzugehen. Wie oberflächlich, dumm und bigott das Ergebnis hier aber geworden ist, macht am besten ein Gedanke deutlich: Man muss sich mal vorstellen, wie es sich als wirklich Dicker, der täglich echter Stigmatisierung ausgesetzt ist, anfühlen muss, diese angeblichen Pummelchen beim Kampf mit ihren angeblichen Problemen zu beobachten.

Bestes Zitat:

„Ich möchte der sein, der ich bin, wenn du an meiner Seite bist.“

Szenen aus dem Film.

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