Pretty Woman


Film Pretty Woman

Pretty Woman Filmkritik Rezension

Edward Lewis (Richard Gere) kauft sich die Dienste von Vivian Ward (Julia Roberts).

Produktionsland USA
Jahr 1990
Spielzeit 119 Minuten
Regie Garry Marshall
Hauptdarsteller Richard Gere, Julia Roberts, Hector Elizondo
Bewertung

Worum geht’s?

Von einem Geschäftsessen bei Freunden will der Finanzmanager Edward Lewis in sein Hotel in Beverly Hills fahren. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt: Weil er sonst einen Chauffeur hat, kommt er am Steuer nicht allzu gut zurecht. Zudem kennt er den Weg nicht, weil er aus New York kommt und in Los Angeles bloß für ein paar Tage ist, um eine marode Firma aufzukaufen. Als er nach dem Weg fragen muss – ausgerechnet auf dem Straßenstrich – gibt ihm die Prostituierte Vivian Ward bereitwillig Auskunft und bietet sogar an, ihn selbst zu seinem Hotel zu fahren. Unterwegs entdeckt der Manager, wie fasziniert er von dieser ebenso dreisten wie lebensfrohen Person ist. Kurzerhand lädt er sie ein, ihn in seine Hotelsuite zu begleiten, denn er gesteht: „Es gibt nicht sehr viele Menschen, die mich noch überraschen können“ – und erkennt in Vivian eine dieser seltenen Ausnahmen. Am nächsten Morgen bietet er ihr sogar an, sie für eine ganze Woche zu engagieren. Sie soll für die Zeit des Aufenthalts in L.A. seine Begleiterin sein und für die nötige Unterhaltung in seinem ansonsten monotonen Alltag sorgen. „Ich werde so nett zu dir sein, dass du nicht willst, dass ich jemals wieder gehe“, verspricht sie – und dieser Schwur bringt nicht nur Vivians Leben gehörig durcheinander.

Das sagt shitesite:

Einen sehr viel stilvolleren Abschluss für die 1980er Jahre als Pretty Woman hätte man sich kaum denken können. Von den Kostümen (Nino Cerruti) über den Soundtrack (inklusive des Grammy-prämierten It Must Have Been Love von Roxette) und die Autos (ein Lotus Esprit) bis hin zur Positionierung im Finanzmilieu bringt der Film viele klassische Elemente dieses Jahrzehnts zur Vollendung. Auch der immense finanzielle Erfolg der Komödie passt zur Mentalität der Zeit, kurz bevor Grunge plötzlich Independent-Filme ins Rampenlicht bringen sollte: In Deutschland war Pretty Woman der erfolgreichste Kinofilm des Jahres, im weltweiten Ranking belegte er Platz 3, insgesamt wurde das 30-fache der Produktionskosten wieder eingespielt. Nicht zuletzt erleben wir hier den Durchbruch von Julia Roberts ebenso wie eine Initialzündung für das Revival der romantischen Komödie. Beide sollten die beiden folgenden Jahrzehnte sehr erfolgreich verbringen, oft in Kombination miteinander.

Der Charme von Julia Roberts ist ein wichtiger Faktor für das Besondere in diesem Film, ebenso die Chemie zwischen ihr und Richard Gere in diesem Aufeinandertreffen von prollig und kultiviert: Sie ist direkt, unbedarft und dennoch abgebrüht, er ist es gewohnt, dass alles nach seinem Willen geschieht, smart und abgestumpft, aber warmherzig. Diese Konstellation trägt einen gehörigen Teil dazu bei, die schon so oft gesehene Cinderella-Story, die letztlich auch hier zugrunde liegt und sogar zum Urtyp aller romantischen Mädchenfantasien mit dem Ritter auf dem weißen Pferd stilisiert wird, sehenswert zu machen. Dazu kommen sehr witzige Dialoge, ein guter Soundtrack und viele feinfühlige Details wie die immer schneller werdenden Klaviertöne bei der Verführung in der Hotelbar, die zickigen Boutiquen-Verkäuferinnen oder die zuschnappende Schmuckschachtel, als Vivian ein Geschenk von Edward entgegennehmen will.

Auch dadurch wird Pretty Woman, erst recht für eine RomCom, erstaunlich facettenreich. Zu keinem Zeitpunkt herrscht zwischen Edward und Vivian das übliche Dienstleistungsverhältnis zwischen Freier und Hure. Er will eigentlich etwas anderes als Sex von ihr (nämlich Abwechslung und Authentizität), für sie wird der Einblick in eine neue Welt schon bald lohnender als das Geld, das sie für ihre Dienste bekommen soll. Auch deshalb werden die Kräfte und Machtpositionen in dieser Beziehung ständig neu verteilt, was problemlos eine Spielzeit von fast zwei Stunden trägt.

Nicht zuletzt liefert Regisseur Garry Marshall hier einen für die Liga von Hollywood-Blockbustern recht mutigen Film ab. Das gilt für den offenen Umgang mit Prostitution, die hier als selbstverständlich hingenommen wird, für die sanfte Kritik an der Oberflächlichkeit und Kälte der Upper Class, ob beim Polo, beim Shopping oder in der Oper, und nicht zuletzt für das Aufzeigen sehr offensichtlicher Parallelen zwischen der Finanzbranche und dem ältesten Gewerbe der Welt. Man muss das nicht politischen Aktivismus nennen, aber es passt sowohl zum moralischen Appell des Films als auch zur überbordenden Romantik von Pretty Woman, die in der Figur des Hotelmanagers Barney vielleicht am besten zusammengefasst ist: Grundlage für die Bewertung eines Menschen sollte sein Charakter sein, nicht seine Brieftasche.

Bestes Zitat:

„Wir beide legen für Geld Leute aufs Kreuz.“

Der Trailer zum Film.

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