Durchgelesen: Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke – „Plattenspieler“ 1


Selten war ein „Plattenspieler“ so selbstgerecht.

Autoren Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke
Titel Plattenspieler
Verlag Edition Nautilus
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung **1/2

Unfassbar selbstverliebt erscheint die Idee zu diesem Buch: Drei Männer, alle Jahrgang 1955, setzen sich zusammen und reden. Über Musik und ihr Verhältnis zur Gesellschaft und den Generationen, also über Pop.

Das beginnt so selbstgerecht und egozentrisch, dass sich die Frage schnell stellt, wen (außer den Beteiligten) das eigentlich interessieren soll. Hat man sich an diese Herangehensweise und den dazu gehörigen Duktus gewöhnt (samt Fachausdrücken aus der damaligen Szene, die man als Nachgeborener nicht einmal im Lexikon nachschlagen kann), wird es aber schnell interessanter.

Gerade, als man sich so etwas wie eine Erkenntnis oder sogar ein Ergebnis der Diskussion erhofft, kippt das Buch aber wieder, schweift ab vom großen Ganzen und kehrt zurück zur persönlichen Biographie, in die Provinz.

Dafür sind ein paar nette Sticheleien enthalten und immerhin phasenweise entwickelt sich etwas wie Spannung zwischen den Gesprächspartnern. Toll natürlich auch, wie das Buch drei Eigenschaften aller Musikjunkies vor Augen führt: Humorlosigkeit, Intoleranz und Pedanterie. Wer auch aus der Generation von Witzel, Meinecke und Walter stammt, hat daran sicher seine Freude.

Beste Stelle: „Der Laden ist genau der Punkt, es suggeriert einerseits Distinktion, hebt auf der anderen Seite Distinktion auf, das heißt alle, die sich in diesem Laden bewegen, laufen mit einem Augenzwinkern rum. ‚Wir verstehen ja diese Ironie. Alles ist Camp.‘ Wenn alles Camp ist, ist Camp nicht mehr da.“


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