Rick Ross – „Hood Billionaire“


Künstler Rick Ross

Rick Ross Hood Billionaire review Kritik

Rick Ross legt mit „Hood Billionaire“ eine Ehrenrunde hin.

Album Hood Billionaire
Label Def Jam
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Als Rick Ross einen Monat vor dem Heiligabend des Jahres 2014 Hood Billionaire veröffentlichte, war es schon sein zweites Album in diesem Jahr. Erst im März hatte er Mastermind vorgelegt und damit wieder einmal Platz 1 der US-Charts erreicht. Schon damals hatte er angedeutet, noch reichlich Material zu haben, und natürlich will ein HipHop-Mogul wie er frei nach dem Motto „Ross is Boss“ das Eisen weiter schmieden, solange es heiß ist.

Egal, ob man Hood Billionaire nun als Gegenstück zu Mastermind sieht und hinter diesem Doppelpack ein größeres Konzept akzeptiert, oder die Platte einfach als das siebte Studio-Album des damals 38-jährigen Künstlers aus Miami betrachtet, bleibt festzuhalten: Der selbsternannte „Teflon Don“ klingt hier trotz extrem prominenter Gäste (unter anderem Jay-Z, R.Kelly und Snoop Dogg) kompetent, aber nirgends spektakulär. Das Album, das auch kommerziell nicht an die vorigen Erfolge anknüpfen konnte, ist kein Glanzstück seiner Laufbahn, sondern ein Schwachpunkt.

Schon das Intro ist schon viel zu lang und belanglos, der folgende Titelsong zeigt früh die 808-Vorliebe, die man auf Hood Billionaire immer wieder findet. Die Zeilen „I’m already rich / I’m tired of being famous“ darin verweisen zugleich auf das Problem der Platte: Es geht im Rap natürlich häufig ums Protzen und Feiern des eigenen Erfolgs. Rick Ross betrachtet das Album, als habe er zu einer großen Party eingeladen und würde nun selbst ein bisschen an der Wand lehnen und den anderen beim Feiern zuschauen, hat er in einem Interview gesagt. Aber niemand hat Lust, den anderen beim Feiern zuzuschauen, und schon gar nicht denen, die selbst dabei nur bequeme, satte Betrachter sind.

Trap Luv (feat. Yo Gotti) bringt dieses angestrebte, entspannte und luxuriöse Party-Gefühl am ehesten zum Ausdruck, auch Movin‘ Bass (feat. Jay-Z) gefällt: Den Track hat Timbaland produziert und damit für einen der seltenen Momente von Eleganz und Überraschung gesorgt. Auch If They Knew (feat. Michelle) stammt von Timbaland, ist für seine Verhältnisse zwar eher B-Ware, dafür tut aber die Stimme von Michelle dem nicht allzu strammen Spannungsbogen des Albums sehr gut. Der Album-Abschluss Brimstone ist ebenfalls gelungen, Big K.R.I.T. sammelt darin Pluspunkte nicht nur als Gaststar, sondern auch als Produzent des Tracks, der hier gemeinsam mit Rick Ross den G-Funk von der Westküste nach Miami holen zu wollen scheint. Phone Tap wird einer der interessanten Momente, weil es eine geisterhafte Frauenstimme im Hintergrund gibt und weil der Mann, der zwei Jahre zuvor von MTV als „Hottest MC in the Game“ gepriesen wurde, hier plötzlich Zweifel hat, sogar Angst: Sein Telefon wird möglicherweise abgehört. Dieser Verdacht ist für jeden Menschen beunruhigend, erst recht für einen hauptberuflichen Drogendealer. Auch die Single Nickel Rock (feat. Boosie Badazz) schafft es auf die Habenseite, denn da steckt deutlich mehr Leben drin als man es sonst auf Hood Billionaire erleben kann.

Der Rest klingt oft nicht nur nach Schnellschuss, sondern nach Ehrenrunde – Rick Ross scheint dabei vergessen zu haben, dass die Fans nicht ins Stadion kommen, um die Ehrenrunde zu sehen, sondern die Competition, die Klasse und den Kampf zuvor, mit der man sich die Ehrenrunde im besten Falle verdient. Von all dem gibt es aber diesmal praktisch nichts. Coke Like The 80s hat eine originelle Pianofigur als Basis, die wird danach aber überstrapaziert – auch, weil im gesamten Song keine weiteren guten Ideen mehr hinzukommen. Die Box-Bezüge in Heavyweight (feat. Slab) von Don King über den „Thriller in Manila“ bis zu Mike Tyson passen natürlich gut zur Attitüde, hat man aber schon origineller gehört.

In der Single Elvis Presley Blvd. (feat. Project Pat) klingt er noch ein bisschen aggressiver, auch arroganter als sonst – natürlich auch, weil er sehr genau weiß, wo der Lebensweg von Elvis geendet ist. Es bleibt trotzdem rätselhaft, warum dieser Vergleich gleich 6 Minuten lang sein muss (und warum der Bonustrack Wuzzup dann erneut ein paar Bausteine daraus neu zu arrangieren scheint). Burn ist nicht halb so gefährlich wie es gerne wäre, für den zweiten Bonustrack Headache gilt: Er ist auch nicht besser oder schlechter als das reguläre Material auf Hood Billionaire.

Natürlich ist Qualitätsgefälle keine Neuigkeit im Rap, auch für Größen des Genres. Hier muss man sich trotzdem fragen, warum Rick Ross schon acht Monate nach seinem letzten Album dieses Material für veröffentlichungswürdig hielt, denn es gibt neben viel Durchschnitt auch etliche Tracks, die richtig ärgerlich sind. Neighborhood Drug Dealer ist erschreckend gewöhnlich, in Family Ties scheint sich der Maybach-MC fast selbst ein bisschen zu langweilen. Quintessential ist genau das Gegenteil von dem, was im Titel versprochen wird, was sogar den Gastauftritt von Snoop Dogg einschließt: überflüssig. Die Single Keep Doin‘ That (Rich Bitch) (feat. R. Kelly) reimt „Bugatti“ auf „Versace“ und versucht, immer mehr schillernde Schnipsel auf seine Inhaltslosigkeit zu schütten, aber keiner dieser Schnipsel ist gut genug, um wirklich von dieser Leere ablenken zu können.

Mit Hood Billionaire zeigt Rick Ross damit letztlich, wie schnell der klassische HipHop rund um Materialismus und Machismo abgeschmackt wirken kann, wenn er nicht mit der nötigen Raffinesse betrieben wird. Dieses Rappen über Geld, Chicks und Drogen (und, auch auf Albumlänge, praktisch sonst nichts) klang schon anno 2014 ein bisschen, als würden Rockbands noch immer über das Mädchen im Petticoat singen, das man im Cadillac zum Abschlussball fahren will.

Das Video zu Hood Billionaire bietet auch nur langweiliges Protzen.

Website von Rick Ross.

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