Rikas – „Showtime“


Künstler Rikas

Rikas Showtime Review Kritik

Rikas haben „Showtime“ in Spanien aufgenommen.

Album Showtime
Label Sony
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

„A good song needs some good preparation“, singen Rikas in Wes Anderson Theme, dem etwas protzigen Finale ihres Debütalbums. Die Sache mit der Vorbereitung haben Ferdinand (Schlagzeug), Sam (Bass), Chris (Gitarre) und Sascha (Gitarre und Keyboard) durchaus berücksichtigt: Sie kannten sich schon als Kinder, machten gemeinsam Musik, sobald sie das Teenageralter erreicht hatten und spielten dann zusammen in der Schulband. Seit 2016 trat das Quartett als Rikas zusammen auf und entdeckte die Straßenmusik für sich, zunächst zuhause in Stuttgart, dann nach dem Abitur bei Reisen durch Europa mit Stationen etwa in Zürich, Mailand, Nizza, London und Paris. Es folgten größere Shows beispielsweise im Vorprogramm von Bilderbuch, die EP Swabian Samba, und nun eben das erste Album.

Das klingt ein bisschen nach „Von der Pieke auf gelernt“ und ziemlich sehr nach Überzeugungstätern. Showtime bestätigt leider nur den ersten Teil davon. Der Soul-Pop dieses Albums ist kompetent gespielt. Aber was Rikas mit ihrer Musik wollen (außer Bewunderung dafür, dass sie in einer Band spielen), wird in keinem Moment klar. Dr. Strangelife ungefähr in der Mitte des Albums ist typisch dafür: Der Song ist okay, aber viel zu wenig zwingend, besonders oder überzeugend für ein Debütalbum. Statt ein Statement abzugeben oder einen eigenen Sound zu definieren, probieren Rikas auf der in Spanien aufgenommenen Platte mal dies, mal jenes – und wenig davon funktioniert.

Der Titelsong zum Auftakt von Showtime ist dezent funky, vor allem aber schmierig (was schlimme Erinnerungen an Color Me Badd weckt) und wird langweilig, obwohl es nicht einmal zwei Minuten lang ist. Movie versucht, mit Selbstverliebtheit diverse Elemente zusammenzufügen, die einfach nicht zusammenpassen. New York ist selbst für Fahrstuhlmusik ausnehmend hohl (Textprobe: „Girl, show me love, ooohooohoo“), der Schwung von Back In My Life lässt an einen kastrierten Tom Jones denken, der Kitsch von Crazy sogar an David Haselhoff.

Man mag Rikas zugute halten, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen, etwa ihren Videos kann man einen Hang zum Klamauk entnehmen, der vielleicht aus der Erfahrung als Straßenmusiker kommt, wo man die Aufmerksamkeit des Publikums ja möglichst schnell und mit allen Mitteln erlangen muss. Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn vier junge Typen bloß Spaß haben oder Witze machen wollen. Aber wenn für eine Band im Presseinfo Phoenix, Stevie Wonder und gar „die Selbstironie eines Jarvis Cocker“ als Referenzen angeführt werden, dann braucht es doch deutlich mehr Eigenständigkeit und Stil, um nicht lächerlich zu wirken.

Dieses Problem illustriert Fanny Pack Party. Das Lied hat, wie Showtime insgesamt, ein paar nette Ideen, aber einfach keine Substanz. Alles ist Show und Pose, und Rikas haben nicht einmal richtig Vergnügen dabei, weil sie so sehr darauf achten müssen, in der Rolle zu bleiben, damit nicht plötzlich die verklemmten Jamiroquai-Fans zum Vorschein kommen, die sie wahrscheinlich sind. Sie scheinen diese Musik eben nicht aus Spaß an der Sache zu machen, sondern vor allem zur Selbstdarstellung.

My Tired Shoulder ist ebenfalls typisch: Das ist funky im Stile etwa von The Flames (diese Combo aus Mannheim hatte einst dank Afri-Cola-Werbung den Hit Everytime), aber blutleer, zur Krönung wird auch noch ein pseudo-cooles Telefonat in schlechtem Englisch eingebaut. Venice baut viele kleine Effekte ein, die aber Selbstzweck sind. Détestable ist angenehm, kann aber in keinem Moment die Frage verdrängen: Warum singt eine Band aus Stuttgart auf Französisch? Was soll das? Wer braucht das? Birds In The Sky ist der einzige Lichtblick von Showtime: Der Song überrascht mit mehrstimmigem Barbershop-Gesang und liefert auch danach ein hübsches Arrangement. Vor allem aber klingen Rikas hier (und leider nur hier), als würden sie wirklich genießen, was sie tun, ohne Kalkül, und etwas entdecken, das nur sie als Band besitzen, niemand sonst.

Klamauk darf sein: Das gilt auch im Video zu Crazy.

Website von Rikas.

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