Rollendes Ausrufezeichen


Space-Mobil: Der Materia würde gut auf die Straßen von Gotham City passen. Foto: Daihatsu

Space-Mobil: Der Materia würde gut auf die Straßen von Gotham City passen. Foto: Daihatsu

Es braucht dazu gar nicht allzu viel Fantasie. Wenn es draußen dämmert, wenn man die Augen nur so weit geöffnet lässt, dass man gerade noch erahnen kann, was um einen herum geschieht, und wenn man dann noch den „Illumi“-Knopf drückt, der ein faszinierendes blaues Licht erstrahlen lässt, dann sieht das zackige Daihatsu-D auf dem Lenkrad aus, als gehöre es eigentlich auf die Brust eines Superhelden.

Beim Materia ist diese Assoziation gar nicht so falsch. Denn der Kompakt-Van der Japaner ist ein echtes Space-Mobil. So ein Auto scheint tatsächlich eher in die Welt des Silver Surfers oder nach Gotham City zu passen als in den grauen automobilen Alltag der Gegenwart. Junge Männer und alte Frauen (keine Sorge: umgekehrt auch) drehen sich verblüfft nach dem Auto um, so sehr fällt der Materia auf – ein Effekt, den man normalerweise nur mit Autos erzielt, die deutlich mehr kosten als 15.490 Euro. Extrem kurze Überhänge, seine kantige Frontansicht und das markante Heck machen klar: Hier geht es um Präsenz und Individualität. Dieser Wagen ist ein rollendes Ausrufezeichen.

Was den Materia aber erst wirklich erstaunlich macht, ist etwas anderes: Optik spielt hier zwar eine entscheidende Rolle, doch nirgends muss die Alltagstauglichkeit des Autos darunter leiden. Für einen Kleinwagen – der Japaner ist knapp zwanzig Zentimeter kürzer als beispielsweise ein Polo oder Corsa – bietet der Viertürer erstaunlich viel Platz. Jeder Kubikzentimeter scheint hier sinnvoll genutzt zu sein. Auch dank des langen Radstands haben selbst groß gewachsene Passagiere in alle Richtungen genug Bewegungsfreiheit.

Der Kofferraum ist – bedingt durch die Kastenform – mit 294 Litern zwar nicht riesig, aber groß genug, um Getränkekästen oder zwei Trolleys verstauen zu können, wobei auch die niedrige Ladekante gefällt. Mit umgeklappter Rückbank wächst das Ladevolumen zudem auf 619 Liter.

Auch das Mehrzonen-Cockpit ist harmonisch in das Erscheinungsbild integriert und gibt dem Fahrer keine Rätsel auf. Der 103-PS-Motor und das enorm kurz übersetzte Getriebe (die beiden ersten der fünf Gänge braucht man praktisch nicht) verleihen dem Wagen zudem die nötige Sprintstärke für den Stadtverkehr. Dazu kommt bei der Toyota-Tochter eine Verarbeitung, die für diese Preisklasse vorbildlich ist und eine Ausstattung, die etwa Klimaanlage, Leichtmetallfelgen und MP-3-CD-Player serienmäßig enthält.

Und schließlich begeistern kleine Details, die ja bekanntlich entscheidend sein können: Die breite Chromleiste im Heck ist ein Augenschmaus. Eine Vertiefung im Blinker gibt dem Finger angenehmen Halt. Und die Illuminierung von Türgriffen und Lautsprechern ist zwar nur eine Spielerei, aber durchaus spektakulär.

Seine Schwächen offenbart der Materia erst auf großer Fahrt: Für lange Distanzen auf der Autobahn eignet er sich nur bedingt. Ab Tempo 130 wird es nicht nur mächtig laut, denn dann ist man mit mehr als 5000 Touren unterwegs. Das zeigt sich auch am Verbrauch: Mit sanftem Gasfuß begnügt sich der Wagen mit sieben Litern Normalbenzin. Doch wer es wirklich eilig hat, der ist mit zwölf Litern pro 100 Kilometer unterwegs. Für einen Kleinwagen ist das deutlich zu viel – zumal es bei einem 40-Liter-Tank eine Reichweite von nur knapp über 300 Kilometer bedeutet. Aber in Gotham City gibt es wahrscheinlich ohnehin ein Tempolimit. Und in Japan auch.

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