Ronin – „Bruto Minore“


Künstler Ronin

Ronin Bruto Minore Review Kritik

In neuer Besetzung haben Ronin „Bruto Minore“ aufgenommen.

Album Bruto Minore
Label Black Candy Records
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

„Alles, was zu dumm ist, ausgesprochen zu werden, wird gesungen.“

Vielleicht haben sich Ronin diesen Spruch von Voltaire besonders intensiv zu Herzen genommen. In jedem Fall macht die Band aus Italien seit ihrer ersten EP im Jahr 2003 rein instrumentale Musik. Das gilt auch für Bruto Minore, ihr heute erscheinendes sechstes Album, benannt nach einem Gedicht von Giacomo Leopardi, das aus der Sicht von Marcus Iunius Brutus erzählt ist, nachdem er Caesar ermordet hat.

Bandleader Bruno Dorella hat sich dafür eine komplett neue Besetzung an Bord geholt, bestehend aus Nicola Manzan (Gitarre, Geige), Roberto Villa (Bass) und Alessandro Vagnoni (Schlagzeug). Auch sonst hatte er für Bruto Minore einige Neuerungen im Sinn: Ronin sollten roher und kompakter klingen, zugleich sollte die Nähe zu klassischer Musik transparenter werden. Um die gewünschte Unmittelbarkeit zu erreichen, wurde mit komplett analogem Equipment auf 8-Spur-Tonband aufgenommen. Sieben dieser Spuren wurden live eingespielt, nur eine blieb frei für den Fall, dass dem Arrangement im Nachhinein noch etwas hinzugefügt werden sollte.

Was das für Resultate bringt, zeigt schon der Auftakt Capriccio: Das Zusammenspiel von Gitarre und Geige lässt tatsächlich an barocke Klänge denken, dann bekommt das Stück ordentlich Power, als das Schlagzeug einsetzt, später noch etwas mehr Spannung. Der Titelsong Bruto Minore bietet nicht nur energische Drums, sondern mit (Italo-)Western-Atmosphäre auch ein sehr vertrautes Motiv aus dem Katalog von Ronin. Sonst reicht die Bandbreite vom entspannten Groove in Oregon über das verschwörerische Wicked mit einer Klarinette als überraschender Garnitur bis hin zur Coverversion Tuvan Internationale (das Original ist von Hun-Huur-Tu), die dank Schlagzeug und Drone beinahe bedrohlich wird.

In der Mitte des Albums stehen Scherzo Quasi Maggiore mit einer verspielten, fast verschmitzten Gitarrenmelodie, und das unmittelbar daraus hervorgehende Scherzo, das sich die heitere Grundstimmung bewahrt und sie um einen packenden Rhythmus ergänzt. Ambush ist sehr typisch für die Dynamik, die Ronin auch ganz ohne Texte entfalten können: Es beginnt mit einer verträumten Gitarre und einem fast militärisch strengen Schlagzeug, dann bewegt es sich in Richtung Lounge, bevor es wieder Schwung bekommt und schließlich sehr entspannt endet. Wer eine kompakte Kostprobe der Italiener sucht, dem sei der Album-Schlusspunkt Bryson empfohlen: Hier zeigen Ronin ebenfalls, wie gekonnt sie mit Atmosphären spielen können, sodass das Ergebnis fast wie ein kleines Hörspiel wirkt.

Das Video zu Wicked betont ebenfalls die Live-Entstehung des Stücks.

Website von Ronin.

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