Sarajane – „Fuel“


Künstler Sarajane

Sarajane Fuel Review Kritik

Zwischen London und Hamburg entstand „Fuel“.

Album Fuel
Label McNificent Music
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Elegant, stark und innig klingt Guess Who’s Back In Town, das vorletzte Lied auf dieser Platte. Man könnte diese Klavierballade für ein Stück von Adele oder Emeli Sandé halten. Auf jeden Fall klingt es kein bisschen nach einem kleinen Dorf in der Nähe von Wolfsburg. Denn genau dort, wo Sarajane als eines von sechs Kindern in einer britisch-deutschen Patchwork-Familie aufgewachsen ist, hat es seinen Ursprung. Das Gefühl von „Ich bin anders, ich bin nicht richtig, ich gehöre hier nicht her“, das ihr in der niedersächsischen Provinz vermittelt wurde, hat nicht nur ihr Leben geprägt, sondern auch ihre musikalische Agenda. Auf dem heute erscheinenden Fuel ist ihr wichtigstes Anliegen deshalb: Mut machen.

„I’m not bossy / no, I’m the boss“, heißt es nun in The Boss, mit dem sich Sarajane gleich mehrere Schritte in Richtung Club bewegt. Die Vorab-Single Bullets Out Of Love verströmt die pure Zuversicht und wird nicht nur mit viel Energie artikuliert, sondern auch mit viel Glaubwürdigkeit. On Top, das die Platte eröffnet, hat einen fast ebenso kraftvollen Refrain, der auch ganz ohne Kenntnis des Texts die Botschaft vermittelt: Sie ist obenauf, so sehr, dass sie den Himmel berühren kann.

Der Weg zu diesem zweiten Album führte die Britin von frühen Einflüssen wie Lauryn Hill, Missy Elliott, TLC, India Arie und Destiny’s Child, die für etwas Abwechslung, Glamour und Trost im schwierigen Provinzalltag sorgten, über ein Musikstudium in Hamburg bis hin in ihre Zweit-Heimat London, wo ein großer Teil der Texte dieser Platte entstand. Aufgenommen wurde Fuel, wie der Vorgänger #StepOne, in Hamburg, teilweise live im Studio.

Fuel zeigt sehr gut, wie weit der musikalische Horizont von Sarajane ist. In der faszinierenden Atmosphäre von Kaleidoscope kann man ein paar Spuren von Massive Attack finden. I Like You lässt nicht nur wegen der Reggae-Elemente an Lily Allen denken. Pieces wird deutlich elektronischer als der Rest des Albums, Do It Again Now hat ein sehr cleveres und originelles Arrangement.

Die Songs sind sehr modern, originell und international, auch wenn einige Stücke eher solide als spektakulär sind. Diamonds & Pearls ist ein Beispiel dafür: Der Beat besteht weitgehend aus Fingerschnipsen, was eine nette Idee ist, aber das Gefühl von Taumel, das Sarajane dazu besingt, bringt der Sound nicht rüber. Auch wenn es kein triumphales Album ist, kann es doch eindeutig als persönlicher Triumph über die vermeintlichen Grenzen, Konventionen und Vorschriften gelten, die Sarajane damals bei Wolfsburg begegnet sind. Wenn sie zum Abschluss des Albums in Get Up 10 noch einmal zeigt, was sie als Songwriterin und Sängerin kann, darf man sicher sein: Vielen von denen, die ihr damals erzählen wollten, wer sie sein und wie das Leben verlaufen soll, werden da den Mund nicht mehr zu bekommen vor lauter Staunen.

Im Video zu Bullets Out Of Love hat Sarajane den Mut schon gefunden, denn sie legt sich mit Nazis an.

Homepage von Sarajane.

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