So finster die Nacht


Film So finster die Nacht

So finster die Nacht Review Kritik

Oskar (Kåre Hedebrant) freundet sich mit Eli (Lina Leandersson) an.

Originaltitel Låt den rätte komma in
Produktionsland Schweden
Jahr 2008
Spielzeit 110 Minuten
Regie Tomas Alfredson
Hauptdarsteller Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar
Bewertung

Worum geht’s?

Oskar ist 12 und wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter im Stockholm der 1980er Jahre auf. In der Schule wird er drangsaliert, sein Interesse für Kriminalfälle teilt kaum ein Gleichaltriger und auch in der Hochhaussiedlung am Stadtrand findet er keine Freunde. Das ändert sich, als Eli in die Nachbarschaft zieht. Das Mädchen erscheint zunächst suspekt, weil in ihrer Wohnung die Fenster verdunkelt sind und weil sie bei Eiseskälte im Winter im T-Shirt und barfuß unterwegs ist. Oskar fühlt sich dennoch schnell zu ihr hingezogen, die beiden freunden sich an und Eli ermuntert ihn, sich gegen die Schikanen seiner Peiniger zu wehren. Auch sonst kommt eine ungeahnte Dynamik, sogar Dramatik in sein Leben: Ein Mitschüler wird umgebracht, wenig später gibt es weitere mysteriöse Verbrechen in der Gegend. Oskar ahnt, dass Eli etwas damit zu tun hat, und kommt schließlich hinter ihr Geheimnis: Das Mädchen ist ein Vampir und der Mann, den er für ihren Vater gehalten hat, versorgt sie mit Menschenblut, damit sie nicht selbst töten muss.

Das sagt shitesite:

Ein Film, in dessen Soundtrack die grandiosen Gyllene Tider zu hören sind, kann natürlich nicht schlecht sein. So finster die Nacht wäre aber auch ohne dieses Detail ein Horror-Meisterwerk, denn in erstaunlich behutsamem Tempo werden hier große Themen und vielfältige Konflikte erzählt. Der Film, der auf einem Roman von John Ajvide Lindqvist beruht und 2010 in Form von Let Me In ein US-Remake bekam, ist dabei eher schaurig als blutrünstig und bleibt auch dann noch hoch spannend, als die Vampir-Pointe bereits enthüllt ist.

Zum einen ist da die Rolle der beiden Hauptfiguren als adoleszente Außenseiter, die Oskar und Eli so eng verbindet. Sie sind alt genug, um Schaden anzurichten, aber sie sind weiterhin abhängig von Erwachsenen und hochgradig verletzlich. Sie kennen Sadismus, Verstellung und Tapferkeit, und sein Schmerz lässt sich ebensowenig unterdrücken wie ihr Blutdurst. Seine Wut richtet sich dabei nicht nur gegen die Jungs, die ihn in der Schule mobben und im Mittelpunkt seiner Rachefantasien stehen, sondern unterschwellig auch gegen seine getrennten Eltern. Immer wieder zeigt der Film sehr subtil, wie leicht Erwachsene an der Aufgabe scheitern können, für ihre Liebsten da zu sein, und auch dieses von Oskar und Eli sehr deutlich wahrgenommene Versagen stärkt das Band zwischen ihnen. Verstärkt wird das durch die romantische Komponente, ohne dass So finster die Nacht die erste Verliebtheit, die Oskar an sich beobachtet, und die sexuelle Konnotation, die im Blutsauger-Genre stets präsent ist, effektheischend überbetont. Der Reiz erwächst dabei natürlich auch aus dem Erfahrungs-Ungleichgewicht zwischen dem tatsächlich 12-jährigen Jungen und dem Mädchen, das schon seit Jahrhunderten in diesem Alter gefangen ist. Eli will sich offenbaren, um ehrlich mit ihm umzugehen, kann aber nicht sicher sein, wie weit sein Vertrauen (oder bloß seine Einsamkeit) reicht. Und sie weiß: Zu viel Nähe könnte für Oskar lebensgefährlich werden.

Zum anderen bietet der Film immer wieder beinahe absurd anmutende Passagen, deren emotionale Wirkung nicht zu unterschätzen ist, weil sie in ihrer Beiläufigkeit den Eindruck stützen, hier habe man es nicht mit Fantasy-Wesen zu tun, sondern eben mit echten Menschen. Das trifft zu, wenn Elis Beschützer seine Mordutensilien vorbereitet, als würde er bloß mal eben tanken gehen, oder mit ihr schimpft, weil sie wieder zu viel Blut getrunken hat. Auch die Szenen voller kindlicher Unschuld inmitten des Gemetzels zählen dazu. Damit verbindet So finster die Nacht tatsächlich Komik und Liebesgeschichte, Coming of Age und Horror. Selten hat man eine so originelle, spannende und feinfühlige Variation des Vampir-Themas gesehen.

Bestes Zitat:

„Weggehen heißt Leben, hierbleiben wäre Tod.“

Der Trailer zum Film.

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