So ist Paris


Film So ist Paris

So ist Paris Review Filmkritik

Élise (Juliette Binoche) kümmert sich um ihren Bruder Pierre (Romain Duris).

Originaltitel Paris
Produktionsland Frankreich
Jahr 2008
Spielzeit 130 Minuten
Regie Cédric Klapisch
Hauptdarsteller*innen Juliette Binoche, Romain Duris, Fabrice Luchini, Albert Dupontel, Julie Ferrier, François Cluzet, Mélanie Laurent
Bewertung

Worum geht’s?

Pierre muss nicht nur um seine Karriere als Tänzer bangen, sondern um sein Leben: Eine seltene Krankheit setzt seinem Herzen zu, die Ärzte sehen eine Transplantation als einzigen Ausweg. Um sich während der Wartezeit auf ein Spenderherz zu schonen, verlässt er kaum noch die Wohnung, schaut stattdessen aus dem Fenster und beobachtet die Menschen auf der Straße, zu denen er sich dann Geschichten ausdenkt – seien es die Fischhändler auf dem Markt, die neue Verkäuferin in der Bäckerei oder der Mann von der Müllabfuhr. Nur seine Schwester Élise steht ihm bei, die als Sozialarbeiterin und alleinerziehende Mutter allerdings schon genug Sorgen hat. Auch ihr Alltag ist dabei fest mit dem Leben im Viertel verbunden, manchmal sogar intensiver, als sie selbst es ahnt.

Das sagt shitesite:

Auf fast plakative Weise ist Jazz im Vorspann von So ist Paris zu hören, und genauso improvisiert und assoziativ wie die Musik in diesem Genre wirken auch die ersten Minuten des Films. Es dauert eine Weile, bis man halbwegs die Erzählweise verstanden, die wichtigsten Protagonisten ausgemacht und die Zusammenhänge zwischen ihnen erkannt hat. Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch springt von einer Figur zur nächsten, die zunächst scheinbar nur zufällig im Bild ist, und begleitet deren Leben dann eine Weile, bis auf unmittelbare oder eher indirekte Weise die nächste Verknüpfung sichtbar wird.

So entsteht beinahe ein Episodenfilm oder ein Kaleidoskop, noch besser sollte man wohl von einem Potpourri sprechen, denn So ist Paris ist so französisch wie Balzac, Baudelaire und Baguette (die im Film übrigens alle erstaunlich prominente Bedeutung haben). Die hier porträtierten Menschen sind sehr stolz darauf, besonders zu sein, und zu diesem Status gehört auch, dass sie ein Teil dieser Stadt sind. Unverkennbar ist dabei das Bemühen, verschiedene soziale Schichten und auch neue Bilder (entweder durch ungewöhnliche Orte wie einen nächtlichen Lebensmittel-Großmarkt oder durch einen mitunter ironischen Blick auf die sattsam bekannten Wahrzeichen wie Sacre Coeur) zu zeigen. Zugleich soll die französische Hauptstadt offensichtlich keineswegs verklärt werden. Die recht derbe Sprache der Dialoge sorgt dafür, auch Rassismus, Sexismus, schlecht bezahlte Jobs und (etwas halbherzig) die Herausforderungen von Migration und Integration werden thematisiert. Und natürlich wird deutlich, dass auch in der Stadt der Liebe genug Raum für Verzweiflung, Peinlichkeiten oder Missverständnisse in romantischen Beziehungen ist.

Die Verbindung zwischen all diesen Ideen (und Figuren) wirkt manchmal zufällig, manchmal konstruiert, sodass So ist Paris als Ganzes nicht komplett überzeugen kann. Vielleicht ist es mit dem Film so, wie mit der Stadt selbst: Sie kann charmant und lebendig sein, aber auch überdreht und künstlich.

Bestes Zitat:

„Der Vorzug einer alten Stadt ist, dass sie Modernität permanent neu erschafft, gerade durch den Konflikt zwischen dem Alten und dem Modernen.“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.