Springtime – „Springtime“


Künstler*in Springtime

Springtime Review Kritik

Springtime sind Experiment und Supergroup.

Album Springtime
Label Joyful Noise
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

Satirisch, vielseitig, schillernd. So wird das lyrische Werk des vielfach ausgezeichneten britischen Dichters Ian Duhig häufig beschrieben. „Seine Gedichte sind intellektuell anspruchsvoll, zuweilen geheimnisvoll, aber oft in populistischen Formen wie Balladen, Volksliedern oder gereimten Vierzeilern geschrieben“, kann man beim British Council lesen. Da ist die Idee, einen Teil seines Werkes vertonen zu lassen, nicht allzu überraschend. Noch naheliegender wird sie, wenn man weiß, dass sein Neffe Gareth Liddiard nicht nur ebenfalls ein Händchen für starke Texte hat, sondern auch in Bands wie The Drones und Tropical Fuck Storm aktiv ist.

In der Tat sind Springtime aus dieser verwandtschaftlichen Beziehung entstanden. Als die Idee mit den vertonten Gedichten aufkam, holte Liddiard zwei befreundete Musiker dazu, nämlich Jim White (Xylouris White, Dirty Three, PJ Harvey) und Chris Abrahams (The Necks). Das Trio widmete sich dann der akustischen Interpretation von Duhligs Poesie, Anfang des Jahres gab es die Ergebnisse erstmals live in Melbourne zu sehen und ab heute auch in Albumform zu hören. Es handelt sich also wohl eher um ein (temporäres) Experiment als um eine neue australische Supergroup.

Springtime enthält sieben Lieder mit einer Durchschnittslänge von fast sieben Minuten, den stärksten Song gibt es dabei gleich zu Beginn: Die Single Will To Power ist eindringlich, ungezügelt und wirkt, als könne sie jeden Moment in Chaos und Tumult münden, oder als habe Nick Cave endgültig seine Zurechnungsfähigkeit abgegeben. Ähnlich kraftvoll ist auch der Abschluss des Albums: The Killing Of The Village Idiot wird auf gute Weise abenteuerlich, wie ein Film, in dem man weder die Handlung noch die Optik fassen und dem man sich doch nicht entziehen kann.

The Viaduct Love Suicide ist einer von zwei Songs, der auf Gedichten von Ian Duhig beruht, von Springtime umgesetzt als reduzierte Klavierballade mit Besenschlagzeug. Der zweite ist Jeanie In A Bottle, das wirkt als Lied fragil, aber nicht beiläufig, wird behutsam, aber spannend, nach rund sechs Minuten sogar wie ein Aufruhr, wozu auch der Gesang von Fiona Kitschin beiträgt, einer Bandkollegin von Liddiard sowohl bei The Drones als auch bei Tropical Fuck Storm.

Mit fremdem Material arbeitet das Trio auch in West Palm Beach. Das live aufgenommene Stück stammt im Original von Will Oldham. Zuerst staunt man dabei, wie gut sie es in ihre Ästhetik integrieren. Dann staunt man, dass es nach nur fünf Liedern zuvor überhaupt schon so etwas wie eine Springtime-Ästhetik gibt, einen Sound, der ihnen ganz und gar zueigen ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Den kann man auch in She Moved Through The Fair erkennen, in dem Liddiard, White und Abrahams fast wie im Halbschlaf ein Lied zu erschaffen scheinen, das vom leisesten Windhauch weggeweht werden könnte. Auch The Island kann man als sehr typisch für dieses Album betrachten: Springtime klingen hier so ähnlich wie Tom Waits, wenn er alle seine Instrumente nur aus einer halben Meile Entfernung spielen könnte.

Das Video zu Will To Power ist eher gruselig als poetisch.

Beat.com.au stellt Springtime vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.