St. Michael Front – „End Of Ahriman“


Künstler St. Michael Front

End Of Ahriman St. Michael Front Kritik Rezension

Nach einer EP ist „End Of Ahriman“ das erste Album der St. Michael Front.

Album End Of Ahriman
Label Staatsakt
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Fangen wir mit den Büchern an. Auf Goethes Faust und Miltons Paradise Lost beziehen sich St. Michael Front laut der Pressemitteilung zu ihrem Debütalbum. Außerdem ist das Duo nach eigenem Bekunden stark von den Schriften des Anthroposophen Rudolf Steiner beeinflusst. Als ob das nicht alles schon überkandidelt genug wäre, kommt beim End Of Ahriman (gemeint ist damit „das Ende der zerstörerischen Kräfte im spirituellen Sinne“, wohlgemerkt) noch ein weiteres Buch hinzu, das kein Mensch im Zusammenhang mit Musik braucht: das Wörterbuch.

Schon dem Album-Auftakt Lucky Prince hört man überdeutlich an: Das ist ein Text, der in einer anderen Sprache als Englisch erdacht wurde, und bei dem ein Langenscheidt oder Pons aushelfen musste, als es galt, diese Gedanken ins Englische zu übertragen. Gegen Ende des Songs spielt die Gitarre auch noch ein Stück der Melodie von O du fröhliche – und man darf sich völlig zu Recht fragen, was das alles soll.

Fakten sind rar bei der Suche nach einer Antwort: St. Michael Front haben sich nach dem Erzengel Michael benannt (der Satan besiegt hat, no less), sind ein Duo aus Hamburg und haben 2016 die EP In The Wake Of A New Dream veröffentlicht. Passend zu diesem Titel sagen sie auch jetzt: „Wir stehen am Anfang einer Spirituellen Revolution!“ Weitere Statements gibt es nicht, und so muss man sich wohl auf die Musik beschränken. Die zeigt einen ziemlich kruden Genre-Mix und legt schnell die Vermutung nahe: Das Einzige, was Sascha (Gesang) und Matthias (Musik) zu bieten haben, ist der Wunsch, die Klangmöglichkeiten alter Synthesizer auszuloten, und ein sehr schlechter Geschmack.

„Let’s be doomed for a while“, singt Sascha in Rifles And New Gods wie jemand, der die Smiths mag, aber nicht verstanden hat, und zugleich Unheilig verehrt, obwohl er weiß, dass die bloß schlimmen Schmonzes machen. In Doom Of Your Living Room gibt er zu Marsch-Rhythmus, Mariachi-Trompete und Synthie-Chören den Leidensmann mit Zeilen wie „alone in the dark“ und „you treat me like a dog“. Womöglich sind es die Eltern, mit denen hier abgerechnet wird.

Wenn Sunrise Avenue sich in den Kopf gesetzt hätten, einen Tarantino-Film zu vertonen, könnte ein missglücktes Ergebnis wie Once mit seinen spanischen Gitarren dabei herauskommen. Death And His Son hat ebenfalls diese Lonesome-Cowboy-Attitüde, mit einer zweiten Stimme, die sogar noch dünner und schiefer ist als die erste. I’m Fine setzt auf Heimorgel-Sounds und ein paar Anspielungen im Text auf Bands, die man nicht unbedingt im Universum der St. Michael Front vermutet hätte, etwa The Doors und The Who.

White Lights Shine erweist sich als das einzige Lied, in dem man Saschas Stimme anhört, dass er tatsächlich von einem Glauben an irgendetwas beseelt ist, so abseitig es auch sein mag. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Musik hier etwas analoger und organischer ist. Sonst hat das Duo eine Eigenschaft, die in jedem Genre zum Problem werden würde, vor allem aber im von ihnen gepflegten Darkpop: End Of Ahriman hat keine Atmosphäre, keine Intensität und keine Bedrohlichkeit.

Drones Block My Way zeigt das mit viel Synthie-Schwurbel, aber ohne brauchbare Melodie, Beat oder gar Tiefgang. They Burn beinhaltet nur eine akustische Gitarre, ein winziges bisschen Trommel und den Gesang und zeigt in diesem reduzierten Arrangement umso mehr, wie untalentiert dieser Sänger ist. Der Sound von Higher Source gemahnt an frühe OMD, im Text geht es wieder um den Wunsch nach Erlösung und einem paradiesischen Zeitalter – dabei wäre die Gegenwart schon viel besser, wenn es solche Musik nicht gäbe.

Thank You For Nothing sucht irgendwo zwischen Country, Chanson und Darkwave seinen Platz, der Gesang klingt, als hätte es Robin Gibb doch noch geschafft, 200 Jahre alt zu werden. Nach Bootlicking For A Dream hat man es dann überstanden, es ist noch ein sehr typischer Moment für End Of Ahriman: pathetische Kackscheiße, die vielleicht erklingen wird, wenn eines Tages das Wave Gotik Treffen in Leipzig zu Grabe getragen werden sollte.

Ist das vielleicht alles ironisch gemeint? Das Video zu Lucky Prince legt diesen Verdacht nahe.

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