Sure – „20 Years“


Künstler Sure

Sure 20 Years Review Kritik

Pathos und Selbstmitleid sind wichtige Zutaten bei Sure.

Album 20 Years
Label Weyrd Son Records
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Sure präsentieren auf ihrem ersten Album eine unheilvolle Kombination: Selbstmitleid + Selbstüberschätzung + Talentlosigkeit + die Hoffnung, vielleicht doch ein paar Mädels (oder Jungs) mit Helfersyndrom ins Bett zu kriegen, wenn man eine Band gründet. Den Ausgangspunkt für diese sehr schlechte Entscheidung darf man vielleicht im Oktober 2001 vermuten. Damals spielten Depeche Mode, bei denen genau dieselbe fatale Melange zugrunde liegt und denen hier überdeutlich nachgeeifert wird, in Paris, der Heimatstadt von Nicolas Di Vincenzo, Gregory Hoepffner und Michael Szpiner. Ein paar der Sounds dieses Konzerts sind vielleicht zu den damals sicherlich noch sehr jungen Bandmitgliedern von Sure durchgedrungen und haben sie für den Rest ihres Lebens kontaminiert. Vielleicht erfolgte die Verseuchung auch mittels einer Konserve, nämlich der DVD One Night in Paris, die Depeche Mode zu ihrer Exciter-Tour veröffentlichten. Darauf dokumentiert sind die beiden Konzerte vom 9./10. Oktober 2001 (Zählen ist wohl noch so eine Sache, in der Depeche Mode nicht allzu gut sind) in der französischen Hauptstadt.

20 Years beginnt mit What’s Left und führt sogleich mitten in die Achtziger, den Darkroom und das Frühwerk von Depeche Mode. Morrows schließt sich an mit simplem Computerbeat, Anfängergitarre und pseudo-bedeutendem Gesang mit viel Hall, das folgende Tasting Revenge offenbart dann dasselbe Rezept und soll womöglich auf Suicide verweisen mit dem extra-garstigen Bass und extra-motorischen Beat.

Lying Dead wirkt wie die White Lies ohne Talent, der Album-Abschluss Sinking Story ertrinkt in Pathos. Wenn das Tempo etwas anzieht wie in Precious Words, sind die instrumentalen Passagen zwar zu ertragen, die Attitüde bleibt aber ähnlich prätentiös und verweist auf Knallköppe wie die Editors. „I shouldn’t feel so sad”, heißt die erste Zeile, später bezeichnet sich der Sänger als „the master of being a fool“. Der Titelsong Twenty Years holt weit aus und lässt sich drei Minuten lang Zeit, bis der Gesang einsetzt, aber diese Phase ist eher ereignislos als bedeutungsvoll. Another Girl bietet Pomp und sonst nichts – im Ergebnis klingt es wie irgendetwas, das selbst Leichtgewichte wie Republica als zu substanzlos für eine B-Seite verworfen hätten. In Relief halten sich die Synthies weitgehend zurück, was allerdings auch nicht hilft.

Warum die Platte 20 Years heißt, bleibt ebenso im Dunkeln wie weitere Hintergründe zu Sure, die sich im Begleittext zur Platte und im Web mit biografischen Details sehr zurückhalten. Vielleicht ist das besser so, denn dieses Machwerk sollte dem Trio peinlich sein: (Mindestens) 20 Jahre dürften die Zeit sein, die sie noch brauchen, bis sie halbwegs vernünftige Musik machen.

Große Gesten, die letztlich leer sind, bietet auch das Video zu Morrows.

Website von Sure.

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