Draufgeschaut: Inglorious Basterds

Februar 4, 2013 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Nazis töten: Das ist der Auftrag von Donny Donowitz (Eli Roth, links) und Aldo Raine (Brad Pitt).

Nazis töten: Das ist der Auftrag von Donny Donowitz (Eli Roth, links) und Aldo Raine (Brad Pitt).

Film Inglorious Basterds
Produktionsland USA/Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 154 Minuten
Regie Quentin Tarantino
Hauptdarsteller Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Til Schweiger, Diane Kruger, Michael Fassbender, Daniel Brühl, Gedeon Burkhard, Sylvester Groth, August Diehl, Martin Wuttke, Mike Myers, Christian Berkel, Ken Duken, Jana Pallaske, Bela B.
Bewertung ****

Worum geht’s?

Sie sind die Vorhut Amerikas im Kampf gegen Hitler: 1941 gründet das US-Militär eine Spezialeinheit aus jüdischen Soldaten, die in Deutschland durch Guerilla-Krieg für Angst und Schrecken in der Wehrmacht sorgen sollen. Das Markenzeichen der Inglorious Basterds ist ihre Grausamkeit: Sie prügeln ihre Feinde mit einem Baseballschläger nieder und skalpieren sie dann. Als sie Unterstützung vom britischen Geheimdienst und einer französischen Widerstandskämpferin bekommen, winkt den Basterds sogar der ganz große Coup: Sie planen einen Anschlag auf die gesamte Nazi-Führungsriege.

Das sagt shitesite:

Was Inglorious Basterds fehlt, ist Subtilität: Die Gewalt ist hier unerbittlich, die Fronten verlaufen überall schnurgerade und auch alle denkbaren Klischees über Deutschland (vom Sauerkraut über Schnitzel bis hin zur Bockwurst) sind präsent.

Man kann das bemängeln. Man kann aber auch feststellen: Krieg ist nicht der Platz für Subtilität, und darauf reagiert Quentin Tarantino in seinem ersten Kriegsfilm lediglich angemessen. Rund um diesen Gedanken führt er alles vor, was ihn ausmacht: höchst clevere Zitate, einen wunderbaren Soundtrack, augenzwinkernde Cameo-Auftritte, eine alles durchdringende Liebe zum Film (es ist ein Kino mit seiner Anziehungskraft, das es in Inglorious Basterds vermag, Krieg, Besatzung und Holocaust zu beenden) und vor allem ein Rachedurst, wie er unstillbarer nicht sein könnte, und in dem Erwägungen wie Moral, Menschlichkeit oder historische Realität keine Rolle spielen.

Die Unterteilung des Films in fünf Kapitel hätte es zwar nicht gebraucht, trotzdem sind die verschiedenen Handlungsstränge passabel zusammengefügt. Vor allem aber ermöglichen sie es Tarantino, seine Coolness in ganz verschiedenen Facetten auszuspielen. Und er setzt, vor allem dank des groß aufspielenden Brad Pitt und des noch besseren Christoph Waltz, immer wieder auf einen Kontrast, der letztlich noch heute wie ein riesiges Fragezeichen über der deutschen Geschichte schwebt: das theoretisch unvereinbare, in der Praxis aber immer wieder erlebte Zusammenspiel von ausgemachter Kultiviertheit und äußerster Brutalität.

Bestes Zitat:

“Es gibt in der Hölle einen Extraplatz für Leute, die guten Scotch vergeuden.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Zweiohrküken

April 14, 2012 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Anna (Nora Tschirner) und Ludo (Til Schweiger) sind dabei, sich auseinanderzuleben.

Anna (Nora Tschirner) und Ludo (Til Schweiger) sind dabei, sich auseinanderzuleben.

Film Zweiohrküken
Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 124 Minuten
Regie Til Schweiger
Hauptdarsteller Til Schweiger, Nora Tschirner, Matthias Schweighöfer, Ken Duken, Jasmin Gerat, Thomas Heinze, Heiner Lauterbach, Denis Moschitto, Uwe Ochsenknecht
Bewertung **

Worum geht’s?

Endlich haben Ludo und Anna zueinander gefunden. Doch nach zwei Jahren Beziehung sind bei ihnen eher Streitereien um das Aufräumen der gemeinsamen Wohnung angesagt als Schmetterlinge im Bauch. Als Marie wieder auftaucht, die Ex von Ludo, und sich dann auch noch Ralf, der Ex von Anna, bei dem Pärchen einquartiert, steht die Beziehung auf der Kippe.

Das sagt shitesite:

Til Schweiger mag Kritiker nicht, und im Falle von Zweiohrküken untersagte er sogar Presservorführungen, bei denen sonst die Journaille vorab einen Blick auf die neusten Filme werfen darf. Man möchte ihm sagen: Er bräuchte Pressevorführungen nicht zu fürchten, wenn er weniger schlechte Filme als Zweiohrküken machen würde.

Im Gegensatz zum sehr gelungenen Vorgänger Keinohrhasen hat diese Komödie fast keinen Charme, keine Spannung und nur wenige brauchbare Gags (für die dann auch eher die Nebenhandlung um Ludos besten Freund Moritz als verhindertem Aufreißer verantwortlich ist). Mehr als zwei Stunden sind deutlich zu lang für eine derart dünne Story, und selbst die in Keinohrhasen noch sehr putzigen Kinder aus der Schweiger-Kita nerven hier nur noch.

Das größte Problem an Zweiohrküken (neben der lahmen Ausgangssituation) ist, wie sehr sich der Film als Fortsetzung versteht. Es gibt viele Szenen (wie das Toiletten-Malheur, den Taxifahrerwitz oder die Chameo-Auftritte von Wladimir Klitschko und Yvonne Catterfeld), die 1:1 auf den Vorgänger anspielen. Das mag als liebevolle Referenz und Insider-Gag für die vielen Keinohrhasen-Fans gedacht sein, steht einer schlüssigen und dynamischen Entwicklung einer eigenständigen Handlung aber im Weg.

Wenn dann am Ende auch noch der Schluss von Knockin’ On Heaven’s Door nachgestellt wird, dann wird vollends klar, was hier schief gelaufen ist: Til Schweiger, der lieber den Geschmack des Publikums als die Meinung der Kritiker über seine Filme urteilen lassen möchte, hat hier zu sehr als Filmemacher (also an die Kritiker) und zu wenig als Fan (also an das Publikum) gedacht.

Bestes Zitat:

“Oh, du bist so ein schlechter Schauspieler.”

Der Trailer zum Film: