Die wichtigsten neuen Alben 2013
Wird 2013 ein gutes Musikjahr? Man darf vermuten: ja. Reichlich neue Alben von spannenden Acts werden veröffentlicht, von Lady Gaga über Katy Perry bis hin zu (vielleicht) U2. Außerdem stehen wieder – wie schon im Vorjahr mit den 50. Jubiläen der Rolling Stones und der Beach Boys – wieder einige bedeutende Jahrestage an. Please Please Me, das Debütalbum der Beatles, wird 50 Jahre alt. Der Kassettenrekorder feiert ebenfalls ein halbes Jahrhundert. Und, ähm: Guildo Horn auch.
Mit Depeche Mode und Bon Jovi haben zwei der ganz großen Bands der vergangenen 30 Jahre neue Platten angekündigt, beide gehen zudem auf Tournee. Auch von Rod Stewart und Metallica darf man, zumindest gerüchteweise, im Jahr 2013 ein Album erwarten.
Dazu kommen einige Newcomer, die sich an ihren ersten Erfolgen messen lassen müssen: Hurts legen den Nachfolger für das Monster-Debüt Happinessvor, auch für die neuen Platten der Kings Of Leon, Tim Bendzko und Phoenix liegt die Messlatte hoch. Und Lady Gaga will mit Artpop im Frühjahr kein ganz normale CD veröffentlichen, sondern eine App. Hier ist der Fahrplan für die wichtigsten Alben 2013:
25.1. Tocotronic – Wie wir leben wollen
Das Jahr beginnt deutsch: Am 25. Januar erscheint das zehnte Studioalbum von Tocotronic. Wie wir leben wollen wurde mit ihrem langjährigen Produzenten Moses Schneider aufgenommen. Die Band zog dafür in ein Studio im ehemaligen Flughafen Tempelhof und nahm 17 Lieder in nur zehn Tagen auf. Es geht nach Auskunft der Band, die 2013 zudem ihr 20-jähriges Bestehen feiert, um die „miteinander verschränkten Themenkomplexe Körper und Befreiung“.
25.1. Prag – Premiere
Noch eine spannende Neuerscheinung aus Berlin: Prag zeigt, was Nora Tschirner als Musikerin drauf hat. Gemeinsam mit Erik Lautenschläger und Tom Krimi bildet sie die Band. Das Debütalbum Premiere wurde mit dem Tschechischen Filmorchester aufgenommen und verspricht cineastischen, anspruchsvollen Pop im Stile der 1950er und 1960er Jahre. Das Debütalbum erscheint am 25. Januar
25.1. Biffy Clyro – Opposites
Schon ihr sechstes Werk legen Biffy Clyro am selben Tag vor. Opposites ist sogar ein Doppelalbum geworden und dürfte die Fangemeinde der Schotten, die sich in den vergangenen Jahren als eine der kreativsten Rockbands ihrer Generation etabliert haben, sicher noch vergrößern.

Selig feiern 20. Geburtstag und haben diesmal in England aufgenommen. Foto: Universal Music/Thomas Rabsch
1.2. Selig – Magma
Nach dem erfolgreichen Comeback 2008 haben Selig noch lange nicht genug. Am 1. Februar liefern sie mit Magma zwölf neue Lieder ab. Das neue Album ist ein „wütendes wie introspektives, bisweilen clever ironisches, dann wieder klug den Zeitgeist analysierendes Monster“, verspricht ihre Plattenfirma. Sänger Jan Plewka umschreibt die neuen Lieder etwas weniger großspurig: „Die selige Innenpolitik ist intakt, also fragen wir uns nun: was passiert in der sonstigen Welt?“ Aufgenommen wurde Magma mit Produzent Steve Power (Blur, Robbie Williams) in England. Übrigens: Genau wie Tocotronic feiern auch Selig in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag.
8.2. Darwin Deez – Songs For Imaginative People
Kaum jemand hat in den vergangenen zwei Jahren für so viel Spaß auf Tanzflächen gesorgt wie Darwin Deez – und zwar sowohl mit seiner Musik als auch mit seinen seltsamen Verrenkungen, wenn er selbst auf der Bühne steht. Dem erfolgreichen Debüt folgt am 8. Februar Songs For Imaginative People. Darwin Deez hat alles daran im Alleingang gemacht, mit der Single Free (The Editorial Me) gibt es bereits einen Vorgeschmack auf den kurzweiligen Wahnsinn, der da ins Haus steht.
22.2. Shout Out Louds – Optica
Album Nummer vier präsentierten die Shout Out Louds am 22. Februar. Optica soll an die Anfänge der Band aus Schweden anknüpfen. Mehr als ein Jahr arbeiten Adam Olenius, Bebban Stenborg, Carl von Arbin, Ted Malmros und Eric Edman in Stockholm, das Ergebnis ist ebenso melodieselig wie tanzbar, verspricht die Band. „Für Optica haben wir uns von den sehr grau gehaltenen Szenerien des Vorgängeralbums Work verabschiedet, zugunsten von mehr Mut und Leuchtkraft. Und weil wir dieses Mal niemandem außer uns selbst gefallen wollten, haben wir zum ersten Mal ein Album selbst produziert“ so Bebban Stenborg.
22.2. Atoms for Peace – Amok
Supergroups? Das hatten wir schon lange nicht mehr. Bei Atoms For Peace kann man ohne Übertreibung davon sprechen, schließlich umfasst die Band unter anderem Mitglieder von Radiohead, R.E.M. und den Red Hot Chili Peppers. Am 22. Februar legen Thom Yorke, Nigel Godrich, Joey Waronker, Mauro Refosco und Flea ihr Debüt Amok vor.
26.2. 50 Cent – Street King Immortal
Ob es das Rap-Album des Jahres wird? In jedem Fall mussten die Fans lange genug auf King Street Immortal von 50 Cent warten. Die Veröffentlichung wurde mehrmals verschoben, am 26. Februar soll die Platte nun in den Läden stehen, kündigte 50 Cent auf Twitter an. Unter anderem soll Eminem mitgewirkt haben.
11.3. Hurts – Exile
Die Messlatte liegt gewaltig hoch für das zweite Album von Hurts. Mit dem Debüt Happiness haben Theo Hutchcraft und Adam Anderson einen Volltreffer gelandet. Am 11. März wird der Nachfolger Exile erscheinen. Neben der regulären Version mit 12 Liedern wird es auch eine Deluxe-Variante mit 14 Tracks und einer Bonus-DVD geben.
März: Bon Jovi – Because We Can
Auch nach 130 Millionen verkauften Alben haben Bon Jovi noch keine Lust auf den Ruhestand. Im März soll ihr neues Album Because We Can erscheinen, bereits Mitte Februar beginnt die Band die dazugehörige Welttournee. Im Mai und Juni werden Bon Jovi dabei auch in Deutschland Station machen.
März: Depeche Mode
“Ich bin sehr zufrieden, wie das Album geworden ist”, sagt Martin Gore zum kommenden Album von Depeche Mode. “Ich denke, die Songs zählen zu den besten, die wir je gemacht haben.” Ein Name steht noch nicht fest, das 13. Album der Band soll aber Ende März in den Läden stehen (Update 24.1.: Gerade hat Sony Music bekannt gegeben, dass die Platte Delta Machine heißen und am 22. März veröffentlicht wird). „Es ist keine Blues-Platte, aber sie hat definitiv einen Vibe, den man als ‘soulful’ bezeichnen kann”, sagt die Band, die zudem versucht hat, ihren Live-Sound mehr in die Studioarbeit einfließen zu lassen. Apropos: Im Juni und Juli sind Depeche Mode live in Deutschland zu erleben.
April: Phoenix
Mit Wolfgang Amadeus Phoenix haben Phoenix nicht nur einen echten Dauerbrenner erschaffen, sondern 2010 auch einen Grammy abgeräumt. Höchste Zeit für Nachschub ist es dennoch, und im April soll es soweit sein, kündigte Daniel Glass, der Chef ihrer Plattenfirma an. Dann soll das fünfte Studioalbum des französischen Quartetts fertig sein.
Frühjahr: Lady Gaga – Artpop
Dass Artpop das Album des Jahres werden wird, scheint schon jetzt beschlossene Sache: Das dritte Studioalbum von Lady Gaga ist für Frühjahr 2013 angekündigt. Den Albumtitel, den sie schon im August via Twitter verkündete, trägt Lady Gaga übrigens bereits als Tattoo auf dem Arm. Das Album soll als App erscheinen – man darf gespannt sein.
Sommer: Katy Perry
Viel erfolgreicher als Teenage Dream, das letzte Album von Katy Perry, kann eine Platte nicht sein. Glaubt man den Gerüchten, legt die Pop-Prinzessin im Sommer nach. Angeblich könnte es etwas weniger sonnig im Sound (schließlich hat Katy Perry eine Scheidung hinter sich) oder sogar eine Unplugged-Platte werden. Als Mitstreiter soll Katy Perry angeblich bereits Greg Wells (Adele) und Bonnie McKee (Britney Spears) gewonnen haben.
Sommer: Kings Of Leon
Kaum eine Rockband war im vergangenen Jahrzehnt so erfolgreich wie die Kings Of Leon. Seit Anfang Dezember 2012 sind Caleb, Jared, Nathan und Matthew Followill im Studio, um an Album Nummer sechs zu basteln. Ein Name steht noch nicht fest, ein Veröffentlichungstermin auch nicht. Aber im Sommer werden die Kings Of Leon auf Tour gehen – und man darf vermuten, dass sie dann die neuen Songs bereits im Gepäck haben wollen.
Herbst: U2
Offiziell ist noch nichts, aber viele U2-Fans gehen davon aus, dass es im dritten Quartal ein neues Album der Band aus Irland geben wird. Zum einen stammt das letzte Album No Line On The Horizon schon aus dem Februar 2009. Zum anderen hatten U2 bereits angedeutet, dass während der Sessions für diese Platte genug neue Lieder für ein weiteres Album entstanden sind. Angeblich plant auch die Plattenfirma Mercury Records mit einer U2-Veröffentlichung in der zweiten Jahreshälfte. Als Produzent ist Danger Mouse im Gespräch.
Herbst: Blink 182
Ebenfalls im Herbst darf man Nachschub der Spaß-Punks von Blink-182 erwarten. Nach der Reunion im Jahr 2011 arbeitet die Band bereits am siebten Studioalbum, sagte Bassist Mark Hoppus in einem Interview. Wie das Trio aus San Diego sein neues Werk nennen wird, hat er aber noch nicht verraten.
Winter: Metallica
Seit 2008 sehnen sich die Fans von Metallica nach neuem Material der Metal-Könige. Wenn es gut läuft, könnte die Wartezeit noch in diesem Jahr enden. Ab September will die Band aus Los Angeles an einer neuen Platte arbeiten, kündigte Schlagzeuger Lars Ulrich in einem Interview an. „Ich würde sagen Ende 2013 oder Anfang 2014 wird das Album fertig sein. Man kann es sich schlecht vorstellen, aber ich würde sogar sagen, dass 2013 noch optimistisch gedacht ist. Realistischer ist es, dass wir das Album Anfang 2014 rausbringen werden.“
noch ohne Termin: Rod Stewart
Ruhig war es nicht gerade um Rod Stewart, der zuletzt unter anderem mit einem Weihnachtsalbum von sich reden machte. Doch als Songwriter ist der 66-Jährige schon lange nicht mehr in Erscheinung getreten. Das soll sich 2013 ändern, wie er in seiner Autobiographie ankündigt. „Definitiv weiß ich, dass ich seit Gasoline Alley nicht mehr von einem Album so überzeugt war wie von diesem – als Songschreiber wie auch als Produzent“, schwärmt er da. Wann die Platte erscheint und wie sie heißen wird, ist allerdings noch offen.
noch ohne Termin: Eminem
Die Neuigkeit, dass es 2013 ein neues Album von Eminem geben wird, wurde nicht per Twitter verkündet, auch nicht bei einer Pressekonferenz oder durch einen Vorab-Gratissong. Sondern auf einer Baseballmütze. Im Eminem-Fanshop gibt es nämlich ein Cap, auf dem all die Jahreszahlen eingestickt sind, in denen der Rapper eine Platte herausgebracht hat. Die 2013 ist auch mit dabei. Das achte Studioalbum von Eminem entsteht angeblich in Zusammenarbeit mit Dr. Dre und 50 Cent. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.
noch ohne Termin: Arcade Fire
2010 erschien The Suburbs, das bisher letzte Album von Arcade Fire, und erreichte unter anderem in England, den USA und ihrer Heimat Kanada die Spitze der Charts. Angeblich bereitet sich Mercury Records, ihre Plattenfirma, für 2013 auf die Veröffentlichung einer neuen Platte vor.
noch ohne Termin: Placebo
Enorm lange hatten Placebo auf eine neue Veröffentlichung warten lassen, bis im Oktober 2012 die EP B3 erschien. Das siebte Studioalbum soll 2013 folgen. Die neuen Songs „klingen durchaus anders als alles, was Placebo bislang gemacht haben. Aber genau das passt ja wieder zu unserem für uns neuen, ungewöhnlichen Ansatz, Dinge einfach geschehen zu lassen“, gibt Sänger Brian Molko einen Ausblick. Einen Termin für die Veröffentlichung gibt es noch nicht, das Album soll aber wahrscheinlich im zweiten Quartal herauskommen.
noch ohne Termin: Clueso
Ob seine Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg ihm auch als Solist zusätzlichen Rückenwind verschafft? Das wird sich für Clueso beweisen, wenn sein neues Album erscheint. Titel und Termin sind noch nicht bekannt, seine Plattenfirma hat aber offiziell bestätigt, dass es 2013 neues Material des Erfurters geben wird.
noch ohne Termin: Tim Bendzko
Gleich auf Platz vier der deutschen Charts schaffte es Tim Bendzko mit seinem Debüt Wenn Worte meine Sprache wären. Für 2013 ist sein zweites Album angekündigt, Details sind noch nicht bekannt.

Beyoncé kommt wohl schon 2013 mit einer neuen Platte zurück aus dem Mutterschutz. Foto: Sony BMG/Ellen von Unwerth
noch ohne Termin: Beyoncé
Die Elternzeit nutzt Beyoncé Knowles offensichtlich sehr produktiv: Gemeinsam mit Ehemann Jay-Z und Kanye West soll sie an einem neuen Album arbeiten. Mit dem fünften Studioalbum der R&B-Queen darf man offensichtlich noch im Jahr 2013 rechnen.
noch ohne Termin: Miley Cyrus
Miley Cyrus will 2013 endlich auch wieder musikalisch Schlagzeilen machen. “Ich schreibe Songs für mein neues Album“, verriet sie im September in Las Vegas und versprach den Fans ein tolles Ergebnis: „Ich arbeitete wirklich hart daran, dass es perfekt wird.“ Als Produzenten für das vierte Album des Teeniestars soll unter anderem Pharrell Williams an Bord sein.
Die wichtigsten Alben 2013 als Fotostrecke gibt es auch bei news.de.
Der kritische Blick: Lady Gaga ist bloß Verpackung
Auch mit dem gerade erschienenen Born This Way wird Lady Gaga die Charts erobern. Kaum zu glauben: Es ist erst ihr zweites Album, trotzdem ist sie seit drei Jahren quasi omnipräsent. Auch das zeigt: Musik spielt bei Lady Gaga so gut wie keine Rolle. Wegen ihrer Lieder wird Lady Gaga nicht in Erinnerung bleiben. Das Unverwechselbare an ihr ist die Oberfläche – und sonst nichts.
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Rockstar ist nur noch ein Nebenjob
Art Brut? Jennifer Rostock? Virginia Jetzt!? Kennt man, wenn man sich ein wenig für Musik interessiert. Die einen waren schon auf dem Twilight-Soundtrack vertreten. Die anderen haben das Cover der deutschen Rolling Stone-Ausgabe geziert. Doch um von der Musik leben zu können, reicht das nicht.
Von einer zum normalen Preis verkauften CD bleiben dem Künstler im besten Falle rund 2,80 Euro, von einem Download im Schnitt nur etwa 6 Cent. Wenn überhaupt CDs verkauft oder Lieder legal heruntergeladen werden.
Immer mehr Musiker müssen deshalb Nebenjobs annehmen, die in Wirklichkeit ihre Hauptjobs sind. Ich habe mit einigen von ihnen über die Frage gesprochen, wie sie damit umgehen – und ob die romantische Idee vom Rockstar-Leben in Saus und Braus gestorben ist.
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Durchgelesen: Daniel Price – “Hype”
| Autor | Daniel Price |
| Titel | Hype |
| Originaltitel | Slick |
| Verlag | S. Fischer |
| Erscheinungsjahr | 2004 |
| Bewertung | **** |
PR ist eine schlimme Sache. Man muss nicht allzu sehr übertreiben, um darin die Geißel der Menschheit zu erkennen. Und das sage ich nicht nur als Journalist, für den PR per se so etwas wie der Erzfeind ist. Es gilt auch als Verbraucher, als Bürger, als Mensch.
PR macht nichts anderes als: lügen. Nicht immer im strengsten Sinne des Wortes, sondern oft auch in abgewandelter Form, durch Auslassungen, Ablenkungsmanöver, Agenda Setting. Aber niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass es die Aufgabe von PR ist, von der Wirklichkeit abzulenken, also von der Wahrheit.
In Form von Marketing setzt sie die (an sich wunderbar fairen und transparenten) Spielregeln des Marktes außer Kraft. Marketing gibt denen Macht, die schon groß oder besonders clever sind und hilft ihnen so, kleinere oder unscheinbarere Konkurrenten aus dem Blickfeld (und somit letztlich vom Markt) verschwinden zu lassen. Marketing generiert zudem eine Nachfrage, die es ohne Marketing gar nicht gebe (also für Sachen, die kein Mensch braucht). Unterm Strich heißt das: Es schadet dem Verbraucher bei seinem Versuch, das beste Produkt oder die beste Dienstleistung zum besten Preis für sein Geld zu bekommen.
In Form von Spindoctors wird mit PR in der Politik systematische Augenwischerei betrieben. Es werden Debatten gelenkt oder abgewürgt, Themen gesetzt oder ignoriert, Experten erfunden und Statistiken so zurechtgebogen, wie man sie braucht. Unterm Strich heißt das: Sie schadet dem Bürger bei seinem Versuch, sich eine objektive Meinung zu bilden.
Mit Hype wirft Daniel Price einen schonungslosen, sehr erhellenden Blick auf die Macht und Machenschaften der PR. Er tut das nicht in Form eines investigativen Sachbuchs (wie beispielsweise Sheldon Rampton und John Stauber, die mit ihren Werken sehr deutlich gemacht haben, wie mit PR gezielte Desinformation betrieben wird), sondern als Roman. Das entspricht nicht nur besser seinen Fähigkeiten (der gebürtige New Yorker hat unter anderem Drehbücher geschrieben). Es ist auch in punkto Marketing ein cleverer Schachzug.
Denn statt einer langweiligen Betrachtung über die durchaus komplexe Materie hat Price hier ein hoch unterhaltsames Buch voller irrer Wendungen vorgelegt. Er erzählt die Geschichte des PR-Profis Scott Singer. Der ist mit allen Wassern gewaschen, was ihm den Spitznamen “Slick” einbringt (wie der Originaltitel des Romans lautet). Doch diesmal hat er einen besonders heiklen Auftrag: Nach einem Amoklauf an einer Schule soll er Hunta, einen berühmten HipHop-Star, vom Vorwurf reinwaschen, mit seiner Musik für das Massaker verantwortlich zu sein.
Das Buch könnte also kaum mehr Pop sein, zumal der Autor sich auch auf echte Ereignisse (Columbine und die anschließende Hexenjagd auf Marilyn Manson) und echte Personen (Hunta wird als Zögling von Tupac Shakur eingeführt) bezieht.
Price versteht es (ebenso wie seine Hauptfigur Scott Singer) nicht nur geschickt, mit den Ängsten und Vorurteilen der Öffentlichkeit zu spielen. Er seziert auch das Musikbusiness, seine skrupellose Gier, seinen unbarmherzigen Konkurrenzkampf, seinen eklatanten Mangel an Loyalität. Und natürlich die perfiden Methoden der PR-Branche. Damit wird Hype enorm doppelbödig und findet so die perfekte Form für die Materie. An einer Stelle erklärt Scott Singer recht eindrücklich seine Philosophie: „Das ist der Unterschied zwischen einem Zyniker und einem Skeptiker. Zyniker glauben blind jede Information, die ihr mangelndes Vertrauen in die Menschheit bestätigt. Skeptiker stellen alles infrage, sogar die schlechten Nachrichten. Zyniker sind von den Medien leicht zu kontrollieren. Skeptiker nicht.“
Gelegentlich wird die Abgewichstheit der Charaktere zwar nervig (und vor allem unglaubwürdig), denn kein Mensch hat in jeder Situation einen derart passenden coolen Spruch auf den Lippen wie Scott Singer. Das macht Price aber wett, indem er eine Parallelhandlung inszeniert, die schließlich ebenso spannend wird wie Singers dienstlicher Auftrag. Der Mann, der in seinem Job nicht nur die Medien, sondern quasi eine ganze Nation manipuliert, ist in seinem Privatleben selbst in höchstem Maße anfällig für Manipulation. Das Buch gewinnt am Ende seine enorme Spannung gerade dadurch, dass Scott Singer immer stärker schwankt zwischen Vernunft und Gefühl. Das macht ihn menschlich – und Hype zu einem enormen Vergnügen.
Beste Stelle: „Als ich die Tür schloss, schaltete Jean die Innenbeleuchtung ein. Sie trug eine ärmellose weiße Bluse, eine türkise Caprihose und alte weiße Turnschuhe. Ihr kurzes schwarzes Haar hatte sie mit einem grünen Plastikband zurückgebunden. Sie war eher für den Frühjahrsputz als für einen Abend in der Stadt gekleidet. Okay, sie war also nicht gerade modebewusst, aber die Art, wie sie in ihrem eigenen Kontinuum lebte, völlig außer Reichweite von Marie Claire oder Laura Ashley, hatte was Wunderbares. Keine ihrer Unsicherheiten, keine ihrer Neurosen wurde von den Medien genährt. Sie war eine ganz eigenständige Chaotin.“
Hingehört – The Charlatans – “You Cross My Path”
| Künstler | The Charlatans |
| Album | You Cross My Path |
| Label | Cooking Vinyl |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Bewertung | *** |
Manchmal ist es eben ganz entscheidend, dass man der Erste ist. Elisha Gray kann ein Lied davon singen: Er hatte 1876 die geniale Idee, Töne über elektrische Signale zu übermitteln. Leider hatte zwei Stunden vorher auch Alexander Graham Bell ein Patent für diese Methode angemeldet – und seitdem gilt Bell als Erfinder des Telefons, und Elisha Gray kennt keine Sau mehr.
Eberhard Köllner ist auch nicht gerade eine Berühmtheit geworden. Dabei hat nicht viel gefehlt, und er wäre der erste Deutsche im All gewesen. Doch aus Gründen, die sie nicht näher erläuterten, wählten die russischen Raumfahrt-Chefs dann Sigmund Jähn aus.
Und seit You Cross My Path kennen auch die Charlatans das Gefühl, dass es eben nicht dasselbe ist, wenn man nicht der erste ist. Dabei war die Idee sehr gut: Sie boten You Cross My Path komplett kostenlos im Netz an. Die Band hatte keinen Plattenvertrag mehr, tat sich mit dem Radiosender XFM zusammen und auf dessen Seite konnte man im März 2008 alle neuen Charlatans-Songs kostenlos bekommen.
In Zeiten, in denen quasi jeder über die Zukunft der Musikindustrie diskutierte, hätte das ein veritabler Marketing-Coup für die Veteranen werden können. Womöglich sahen die Charlatans schon die Schlagzeilen vor sich: “Revolution!” “Ich habe die Zukunft gesehen – und sie ist kostenlos!” Oder aber auch “Tim Burgess beerdigt die Musikindustrie”.
Es gab da nur ein Problem: Die Charlatans waren zu spät dran. Radiohead hatten fünf Monate vorher genau dieselbe Idee – und generierten so den Hype um ihr Gratis-Album In Rainbows. Als das dann auch als physischer Tonträger erschien, wurde es Nummer 1 in England und den USA. Für You Cross My Path reichte es nur zu Platz 39 im UK.
Ein ordentliches Album ist es trotzdem. Wenige Bands können auf ihrem zehnten Longplayer noch eine Energie entfachen wie die Charlatans im Opener Oh! Vanity. Das Bass-Riff von Bad Days klingt verdammt danach, als ob es Krist Novoselic feuchte Träume beschert. The Misbegotten macht dann einen Ausflug in elektronische Gefilde, genauer gesagt: ins New-Order-Land. My Name Is Despair spielt mit Krautrock-Einflüssen und weist in etwa in die Richtung, die The Horrors (deren Faris Badwan hier das Cover gestaltet hat) mit ihrem zweiten Album eingeschlagen haben. Irgendwo zwischen Air und Primal Scream bewegt sich das irre A Margin Of Sanity. Der Rausschmeißer This Is The End ist lupenreiner Stadionrock mit einem Intro, das nicht allzu weit von Summer Of ’69 entfernt ist.
Die Lust, alle möglichen Stile auszuprobieren und der Drang, ständig allen zu beweisen, was sie alles können, waren es vielleicht (neben Krebs, Tod und Gefängnisstrafen), die der Band um Frontmann Tim Burgess im Wege standen, als es galt, eine wirklich ganz große Nummer zu werden. Auch auf You Cross My Path schlägt das Pendel zwischen Muso und Glamour zu oft in die falsche Richtung aus. Aber gegen kompetenten Rock mit viel Verzweiflung und einem Hang ins Düstere ist trotzdem nichts einzuwenden. Wenn sie so weitermachen, werden es die Charlatans wohl einst von Madchester-Mitläufern zu respektierte UK-Größen gebracht haben. Und damit wären sie dann wirklich die ersten.
Hier sind sie definitiv mehr Glamour als Muso – der Clip zur Single Oh! Vanity:
Hingehört: Ash – “A – Z, Vol. 1″
| Künstler | Ash |
| Album | A-Z, Vol. 1 |
| Label | Atomic Heart |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Bewertung | **** |
Eigentlich wollten Ash nie wieder eine CD veröffentlichen. Morgen erscheint trotzdem A – Z, Vol. 1. Das Album ist nicht nur eine Freude für alle, die gekonnte Rockmusik mit tollen Melodien lieben. Es führt Ash auch zu ihren eigentlichen Stärken zurück. Und es zeigt, wie eine spannende Veröffentlichungspolitik in Zeiten von sterbenden Plattenfirmen aussehen kann.
Die komplette Rezension gibt es auf news.de.
Der Clip zum unschlagbaren Joy Kicks Darkness (die Leute in dem Club müssen taub sein, so reserviert wie sie bleiben):
“Sweet 7″ kommt erst einmal nicht
Nichts als Ärger bei den Sugababes. Erst stieg mit Keisha das letzte Gründungsmitglied aus. Dann zettelte Mutya einen Namensstreit an. Und nun wird auch das für diese Woche angekündigte Album “Sweet 7″ nicht als physischer Release in Deutschland erscheinen, wie ich exklusiv erfahren habe.
Den kompletten Artikel gibt es bei news.de.
Kanada – die heimliche Musik-Supermacht
Von Justin Bieber hatte ich zwar bis eben noch nie etwas gehört. Aber trotzdem habe ich die Olympischen Spiele genutzt, um mich mal mit dem Phänomen “Musik aus Kanada” zu beschäftigen. Schnell führte die Recherche zu vielen großen Namen, die man oft für US-Künstler hält. Und zur Tatsache: Dass Kanada zur heimlichen Musik-Supermacht geworden ist, ist kein Zufall.
Den kompletten Artikel samt Bilderstrecke gibt es bei news.de.
Und für alle, die Bryan Adams ebenso wie die Spice Girls zu ihren guilty pleasures zählen, hier noch ein nettes Fundstück (YouTube ist echt ne fiese Sache).
Interview mit Wolfgang Doebeling
Ein Fan von ihm bin ich spätestens, seit er es geschafft hat, “Be Here Now” höchst gekonnt zu feiern. Nun, da sich führende deutsche Musikmagazine in Jubiläumsfeiern ergehen, habe ich mit Musikjournalist Wolfgang Doebeling über die Branche gesprochen. Er lässt kein gutes Haar an seinen Kollegen und attestiert dem Musikschreiberlingstum hierzulande einen “jämmerlichen Zustand”.
Das komplette Interview gibt es bei news.de.
Alte Männer, alte Männer, alte Männer
“Rolling Stone” und “Musikexpress” feiern in diesen Tagen runde Geburtstage. Es gibt ein bisschen Selbstbeweihräucherung, Sonderausgaben und viele Rückblicke. Dabei hat der deutsche Musikjournalismus keinerlei Grund zu feiern: Es gibt kaum Recherche, kaum Kompetenz und kaum Perspektive. Vor allem der “Rolling Stone” hat die Hoffnungen, die der Start vor 15 Jahren wecken konnte, nie erfüllt. Die Diagnose heute lautet: Alte Männer schreiben für alte Männer über alte Männer.
Und ich habe dazu natürlich auch noch ein Interview mit Wolfgang Doebeling geführt.






