Hingehört: Theme Park – “Theme Park”

Juni 9, 2013 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Mitmachen, mitsingen, mittanzen - diese wundersamen Effekte hat "Theme Park".

Mitmachen, mitsingen, mittanzen – diese wundersamen Effekte hat “Theme Park”.

Künstler Theme Park
Album Theme Park
Label Transgressive
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Okay, ich muss zugeben: Diese Platte ist schon im März erschienen (in England sogar schon im Januar). Aber die beste Zeit, um Theme Park zu entdecken, ist genau jetzt. Denn das Trio aus London hat ein Debüt hingelegt, das genau so klingt wie der Anfang des Sommers: hell, unbeschwert, sexy, verheißungsvoll.

“I find it interesting that people can write when they’re sad. I write when I’m in a wave of happiness and euphoria because I want to share this feeling. I’m looking for the moment where you find something that’s so great you want to loop it around, get up and dance to it. You’re happy because you’re dancing and you’re happy because you wrote it – it’s a double hit of happiness”, sagt Sänger Miles Haughton, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Marcus (beide sind Jahrgang 1989) und dem gemeinsamen Grundschulfreund Oscar diese Band bildet. Seinem sehr einleuchtenden und sehr überzeugenden Bekenntnis zur guten Laune lässt er auf Theme Park definitiv Taten folgen.

Der Auftakt Big Dream ist sehr schick, sehr tanzbar und eines von vielen Liedern, die von reichlich Percussion-Einsatz profitieren. Das herrliche Jamaica glänzt dann mit kreativen Gitarren und dem schönen Zusammenspiel der Stimmen, und passend zu diesem Songtitel ist „Sorgen“ da ein Begriff, der allenfalls im Wörterbuch existiert.

Two Hours basiert (wie die meisten Tracks auf diesem Album) auf einem einfachen, aber effektiven Schlagzeug, baut eine reizvolle Killers-Atmosphäre auf und gewinnt dann immer mehr an Tempo und Intensität. A Place They’ll Never Know setzt auf verzerrten Bass und eine sehr hohe Stimme, Still Life hat eine markante Orgel und einen nervösen Beat zu bieten, Blind entfaltet zum Schluss der Platte einen Groove, der niemals aufdringlich ist, aber doch unwiderstehlich.

Dass es manchmal die ganz einfachen Dinge sind, die am besten funktionieren, haben Theme Park offensichtlich längst gelernt, und das schlägt sich auch in den Texten nieder. „Let’s fly tonight / let’s get high tonight“, heißt die Aufforderung in Tonight. Der Track ist funky und majestätisch und klingt genau wie die Musik, die Jay-Z wahrscheinlich hört, wenn er am Pool liegt und sein Geld zählt. „We got the love / we got the light“, skandieren Theme Park in Wax, das von Franz Ferdinand stammen könnte, wenn die gerade frisch von einem sehr langen Karibikurlaub mit Bryan Ferry zurück kommen.

Miles Haughton hat kein Problem damit, wenn er auf das Offensichtliche setzt statt auf das Obskure. „I want it to be appreciated as a pop album, rather than the debut of a left field East London band. (…) It should all feel effortless and un-self conscious”, sagt er über diese Platte. Das gelingt meisterhaft: Theme Park ist ein Mitmach-Album, wie gemacht zum Mitsingen und Mittanzen, eine Einladung, das Leben zu genießen. Ghosts, der beste Song der Platte, verkörpert das am besten: Das Lied dürfte Prince stolz machen (und ihm beweisen, dass er ein Vermächtnis jenseits seltsamer Zeichensprache hinterlassen hat) und dürfte als die erste gelungene Kreuzung aus Lionel Richie und Vampire Weekend gelten.

Theme Park bieten aber auch die nötige Abwechslung, um ihr Debüt nicht eindimensional erscheinen zu lassen. Los Chikas zum Beispiel kommt kurz vor Ende der Platte ohne Schlagzeug aus, das Ergebnis klingt, als würden die Beach Boys versuchen, wie die Strokes zu klingen. Saccades (Lines We Delay) hört man an, dass der Track erst bei der Arbeit im Studio mit Produzent Luke Smith (Clor) entstanden ist. Das Lied beginnt mit einer verfremdeten Gitarre, Unterwassergesang und einem Drumcomputer, der das letzte bisschen Saft aus seiner Batterie herauszuholen scheint. Nach gut zwei Minuten verwandelt es sich dann allerdings in einen Blondie-Hit (wenn Blondie jemals so verrückt gewesen wären, ein Instrumental aufzunehmen).

Unterm Strich ist Theme Park ein wundervolles, intelligentes, mitreißendes Debüt ganz in der Nähe von Two Door Cinema Club, Bloc Party und Bombay Bicycle Club (mit denen das Trio durchweg schon auf Tour war). Nur ein Problem gibt es: Nach 39:20 Minuten ist die Platte viel zu schnell vorbei. Aber das ist mit dem Sommer ja auch immer so.

Die T-Shirts im Video zu Ghosts wären für die Garderobe von Prince definitiv zu langweilig gewesen:

Homepage von Theme Park.

Interview mit Shout Out Louds

Februar 21, 2013 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 1 Comment 
Astronomie ist eines der wichtigsten Themen auf der neuen Platte der Shout Out Louds. Foto: Shout Out Louds/Frode & Marcus

Astronomie ist eines der wichtigsten Themen auf der neuen Platte der Shout Out Louds. Foto: Shout Out Louds/Frode & Marcus

Dear English speaking fans! An English version of this Interview with Bebban Stenborg is available here.

Viel höflicher könnte Bebban Stenborg in diesem Gespräch nicht mehr sein. Als sie ein paar Mal meine Frage nicht gleich richtig hört (was wahrscheinlich an meinem Telefon liegt), entschuldigt sie sich tausendfach, unter anderem mit dem Argument, sie sei „sowieso so gut wie taub“. Als sie etwas Gemeines über Per Gessle (Roxette) sagt, fügt sie sogleich hinzu, sie habe dieses Gerücht nur gehört, kenne den Herrn nicht persönlich und könne immerhin einige seiner alten Songs ganz gut leiden. Und sogar mein blödes Spiel am Ende des Interviews macht sie bereitwillig mit.

Natürlich reden wir aber auch über Optica, das neue Album der Shout Out Louds, das morgen erscheint. Bebban Stenborg verrät, was die Apokalypse damit zu tun hat, ob sie neidisch auf Lykke Li ist und ob sie sich Shout Out Louds auch noch in zehn Jahren vorstellen kann.

Shout Out Louds feiern in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag. Wird es eine große Party geben?

Stenborg: Ja, ich denke schon. Wir haben zwar noch nichts Genaues geplant. Aber das neue Album kommt zuerst in Deutschland auf den Markt. Ich denke deshalb, dass wir eine Party in Berlin schmeißen und alle einladen werden.

Wenn du auf die zehn Jahre in der Band zurückblickst: Was war der schönste Moment?

Stenborg: Das erste Mal beim Coachella-Festival. Das war 2005, und ich war wirklich stolz, dass wir es so weit gebracht hatten. Palmen und Sonnenschein rundum – das hat Spaß gemacht.

Die meisten Bands schaffen es nicht bis zu ihrem 10. Jubiläum. Gab es auch bei den Shout Out Louds mal einen Moment, in dem ihr euch beinahe aufgelöst hättet?

Stenborg: Wir hatten eine Krise nach der Tour zum ersten Album. Wir waren alle so unglaublich müde. Wir haben unser letztes Konzert in Brasilien gespielt, und niemand hat danach die Frage gestellt, wann wir uns wieder treffen, damit es weitergeht. Vielleicht hätte das das Ende der Band sein können. Aber letztlich waren wir alle bloß vollkommen ausgelaugt und brauchten eine Pause.

Dann lass uns doch ein wenig über die Gegenwart reden. Das neue Album Optica habt ihr ganz in Eigenregie gemacht. Ist man da nicht ein bisschen unsicher, ob es wirklich gut ist, wenn man keine Bestätigung oder Kritik von außen bekommt? Hast du, seit die Platte im Kasten ist, schon einmal den Wunsch verspürt, einen Song noch einmal zu überarbeiten?

Stenborg: Das ist wirklich ein schwieriges Problem. Es gibt ja immer Sachen, die man noch ändern kann. Normalerweise merken wir das erst eine ganze Weile nach den Aufnahmen, wenn wir auf Tour gehen und die Songs dann live verändern. Da bauen wir kleine Verbesserungen ein, das passiert einfach. Aber diesmal ist es anders. Wir haben uns richtig viel Zeit gelassen und wirklich intensiv an der Platte gearbeitet. Wir haben alle Fehler schon gemacht und sie dann ausgebessert. Das alles hat zwei Jahre lang gedauert, aber jetzt sind wir sehr glücklich mit dem Ergebnis. Es ist wirklich das erste Mal, dass ich nicht im Nachhinein noch etwas verbessern möchte.

Das Leitmotiv von Optica ist Licht. Eigentlich erstaunlich: Ihr habt in einem Keller in Stockholm aufgenommen – nicht unbedingt die erste Assoziation, die man beim Wort „Licht“ hat. Die Songs für das letzte Album Work hat Adam in Australien geschrieben – da hätte dieses Thema doch viel besser gepasst.

Stenborg: Diese ganze Sache mit Australien wird ein bisschen überbewertet. Adam war da, während die Band pausiert hat, und hat ein paar Sachen geschrieben. Aber den Hauptteil der Arbeit haben wir gemeinsam gemacht, im Studio in Seattle. Abgesehen davon ist Licht ein sehr passendes Thema für die neue Platte. Manchmal muss etwas erst weg sein, damit man erkennt, wie wichtig es ist. Genau das ist in diesem Keller passiert. Es gab keine Fenster, man konnte nicht einmal sehen, was draußen für eine Jahreszeit ist. Das Licht erfüllte deshalb unsere Gedanken – weil es im Studio fehlte.

Ihr wart also eingeschlossen wie in einer Zeitkapsel?

Stenborg: Genau.

Wenn ihr das Album Optica nennt und über Reflexionen, Lichtbrechungen und Astronomie singt, wart ihr bestimmt alle sehr eifrige Schüler in Physik, oder?

Stenborg (lacht): Nein, ich glaube nicht, dass irgendjemand in der Band ein besonderes Faible für die naturwissenschaftlichen Fächer hatte. Aber viele von uns, auf jeden Fall Adam und ich, haben nach der Schule ein Interesse an physikalischen Phänomenen entwickelt.

Bebban Stenborg ist mit “Optica” rundum zufrieden. Foto: Shout Out Louds

Optik ist trotzdem ein ziemlich ungewöhnliches Thema für eine Pop-Platte.

Stenborg: Vielleicht. Das Album basiert lose auf allem, was mit Licht zu tun hat. Das meint aber nicht nur die wissenschaftliche Seite, sondern wir haben Licht als eine Art Richtschnur betrachtet: Licht als physikalisches Phänomen, aber auch als Quelle allen Lebens. Und noch mehr den poetischen Aspekt. Wie kann der Lichteinfall einen Gegenstand verändern? Wie beeinflusst Licht unsere Stimmung? Wir reden sehr viel über solche Fragen, und wir kommunizieren oft mit visuellen Begriffen, wenn wir unsere Musik umschreiben. Im Studio sagen wir manchmal Sätze wie: Ich will, dass das mehr nach Nachmittag klingt.

Auf dem Cover von Optica ist die Silhouette eines Mädchens zu sehen. Wer ist das – und was ist die Idee dahinter?

Stenborg: Solche Fragen sind eher die Baustelle von Adam und Carl. Aber ich denke, die Idee ist es, mithilfe von Licht bestimmte Formen auf einen Körper zu projizieren. Es ging bei dem Mädchen darum, eine symmetrische Figur zu finden. Es sollte nicht erkennbar sein, wer das ist.

Wenn du die Zukunft der Musik betrachtest, die Zukunft der Welt und die Zukunft deiner Band – welche davon ist am hoffnungsvollsten?

Stenborg: Wahrscheinlich die Zukunft der Musik.

Wow, das überrascht mich.

Stenborg: Ja. Mir wäre auch lieber, wenn es die Zukunft der Welt wäre. Aber wenn ich mich jetzt für eine der drei Möglichkeiten entscheiden müsste, wäre es die Zukunft der Musik. Ich denke, dass sich die Branche gerade wieder ein bisschen berappelt. Alles war so kompliziert und chaotisch in den letzten Jahren, die ganze Download-Sache hat da finanziell alles auf den Kopf gestellt. Aber nach allem, was ich höre, finden die Plattenfirmen jetzt wieder festen Boden unter den Füßen.

Ihr wart mit Bands wie den Strokes oder Kings of Leon auf Tour, die jetzt Megastars sind. Lykke Li hat auf einer euren Platten mal im Hintergrund gesungen – und jetzt hatte sie eine der erfolgreichsten Singles des Jahres in Deutschland. Wirst du da ein bisschen neidisch? Vergleicht ihr euren Erfolg mit solchen Künstlern?

Stenborg: Manchmal denke ich wirklich, dass es schön wäre, wenn wir finanziell ein bisschen besser dastünden. Vor allem aus praktischen Gründen. Wenn man von einer Tournee kommt und dann sagen könnte: „Jetzt leiste ich mir erst einmal einen Urlaub“ – das wäre schon schön. Weil wir jetzt schon so lange im Geschäft sind, denken viele Leute, wir wären reich und würden ganz luxuriös durch die Welt reisen. Aber wir haben uns eben eher langsam entwickelt, und ich denke, das hat uns gut getan. Wir sind ganz gemächlich gewachsen, und deshalb gibt es uns noch. Wenn wir Senkrechtstarter gewesen wären wie Lykke Li, die praktisch aus dem Nichts kam und dann ganz schnell riesig groß wurde, hätten wir damit vielleicht gar nicht umgehen können. Wir sind ja zu fünft, und wir sind Freunde. Ich denke, wir sind alle ziemlich zufrieden damit, wie es gelaufen ist.

Okay, zum Schluss würde ich gerne noch ein kleines Assoziationsspiel spielen. Die Idee: Shout Out Louds werden zehn Jahre alt, und „Shout Out Louds“ sind drei Wörter. Deshalb nenne ich zehn Stichwörter, und du antwortest mit höchstens drei Wörtern. Einverstanden?

Stenborg (zögerlich): Versuchen wir es.

Erstes Thema: Shout Out Louds im Jahr 2023.

Stenborg: Scheint schwer vorstellbar.

Null Punkte für Schweden beim Eurovision 2013.

Stenborg: Ist mir egal.

Weil Astromonie auf Optica ja so ein wichtiges Thema ist: der schönste Nachthimmel, den du je gesehen hast?

Stenborg: War in Kenia.

Und der schönste Sonnenuntergang?

Stenborg: Pacific Coast Highway.

Die drei wichtigsten Einflüsse für Optica.

Stenborg: Kometen. Sonnenlicht. Apokalypse.

Drei Acts, die man 2013 im Auge behalten sollte.

Stenborg: Solange. Ducktails. David Bowie.

Wir sind schon bei Nummer sieben angekommen: Videodrehs.

Stenborg: Chaotisch und lustig.

Das Comeback von Gyllene Tider?

Stenborg: Nichts für mich.

Die Aussicht, im Frühjahr 27 Konzerte innerhalb von nur acht Wochen zu spielen.

Stenborg: Ist echt aufregend.

Okay, das letzte Stichwort: Zlatan Ibrahimovic.

Stenborg: König von Schweden.

Das hat Spaß gemacht, du hast dich echt gut geschlagen. Danke für das Gespräch!

Hingehört: Kilians – “Lines You Should Not Cross”

Oktober 30, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Eine Band ganz bei sich selbst - so klingen die Kilians auf "Lines You Should Not Cross".

Eine Band ganz bei sich selbst – so klingen die Kilians auf “Lines You Should Not Cross”.

Künstler Kilians
Album Lines You Should Not Cross
Label Grand Hotel von Cleef
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Thees Uhlmann war schon immer ein Freund und Förderer der Kilians. Mit dem dritten Album Lines You Should Not Cross ist die Band aus Dinslaken nun auch bei seinem Label Grand Hotel von Cleef gelandet. Es muss sich, nachdem sich die Kilians mit Universal nicht auf einen gemeinsamen Weg in die Zukunft einigen konnten, für beide Seiten irgendwie wie eine Heimkehr anfühlen.

Dass sie ganz bei sich und ganz mit sich im Reinen sind, ist die unverkennbarste Erkenntnis nach dem Hören von Lines You Should Not Cross. „Die jüngsten alten Hasen im deutschen Pop-Geschäft“, wie sie die neue Plattenfirma zur Begrüßung gleich mal nennt, klingen unfassbar einig, sehr wie eine Band. Keiner spielt sich auf, und die Songs dazu sind so inspiriert, dass Protzen niemals notwendig wird.

„Durch das Vertrauensverhältnis zu Grand Hotel van Cleef hat sich die ganze Produktion angenehm unaufgeregt angefühlt“, sagt Sänger Simon den Hartog. Und er hat auch noch ein Lob für seinen Buddy Simon Frontzek übrig, der die Platte produziert hat. Der sei ein „wahnsinnig musikalischer Produzent, der einfach auch verstanden hat, was die Idee an dieser Platte ist. Nämlich, dass jeder Song für sich kompakt dasteht“, sagte den Hartog beim Highfield-Festival im Interview mit Noisey.

Die Qualität dieser Lieder ist ebenso beeindruckend wie der Sound von Lines You Should Not Cross. In Deutschland ist man ja immer noch ein bisschen überrascht, wenn Rockmusik plötzlich nach internationalem Standard klingt. Die Kilians hatten freilich reichlich Gelegenheit für Anschauungsunterricht, spielten sie doch unter anderem schon im Vorprogramm für Babyshambles oder Coldplay. Die Erfahrungen haben durchaus den Sound des dritten Kilians-Albums beeinflusst, erklärt Simon den Hartog im Noisey-Interview: „Ich denke schon, dass man sich gerade da, wo die Gitarren viel Delay und viel Hall haben, an die große Stadionband geschmiegt hat. Wir haben immer viel gegengehört, versucht zu vergleichen. Das Interessante war, im Studio zu erkennen, dass am Ende wirklich nur man selbst seine eigene Referenz ist. Immer da wo es abgehen sollte, haben wir versucht, uns in Richtung Arctic Monkeys oder Strokes zu orientieren. Mussten dann aber feststellen, dass der Sound, den die auf ihren Platten machen, grundlegend anders ist, als der, den wir machen wollen. Wir sind eigentlich ziemlich gerade, ziemlich clean, sehr akustisch.“

Der Opener Start Again (hübscher Titel übrigens nach drei Jahren Pause, die die Kilians nach eigenen Angaben genutzt haben „fürs Studium, um zu arbeiten, nebenbei Familien zu gründen et cetera. Musikalisch neu ausgerichtet sind wir eigentlich nicht. Wir haben einfach versucht, das, was wir erlebt haben, zu verarbeiten.“) klingt dann trotzdem/tatsächlich nach den Strokes (in der rotzigen Strophe) und den Arctic Monkeys (im funky Refrain) und hat herrlich viel Hedonismus und Herzblut. Die feine Single Dirty Love ist danach ein bisschen softer, wandelt also eher in den Fußstapfen von Phoenix oder den Kooks. Walk Behind, das ebenso luftig wie komplex daherkommt und die Titelzeile „There are lines you should not cross / you try to pay the loss“ enthält, würde wunderbar zu Incubus passen.

In Just Like You lauert eine brodelnde Leidenschaft unter dem lässigen Klanggewand. Do It Again könnte man fast eine Ballade nennen, wenn nicht so viel Power darin stecken würde. Auch Not Today hat einen tollen Punch und ganz viel Dringlichkeit. Coconut ist eines von vielen Liedern auf dieser Platte, die man sich auf dem letzten Strokes-Album gewünscht hätte oder die ganz nah an dem Wunschtraum dran sind, Madsen würden irgendwann einmal auf Englisch singen.

Dem verspielten Places fehlt ein wenig die Linie und die Idee mit dem oho-Refrain in Never Go To Work Again zündet auch nicht. Für solche kleinen Fehltritte wird man aber entschädigt mit massenweise Liedern wie dem extrem coolen (und gut tanzbaren) In It For The Show, die beweisen, was Simon den Hartog für ein famoser Sänger ist. Und durchweg schaffen es die Kilians auf Lines You Should Not Cross, knackige Songs abzuliefern, an denen kein Gramm Fett ist.

Nach drei Jahren Pause sieht das Video zu Dirty Love nun wirklich nicht aus:

Homepage der Kilians.

Hingehört: Two Door Cinema Club – “Beacon”

Oktober 20, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
Keine Frage: Two Door Cinema Club wollen mit "Beacon" durch die Decke.

Keine Frage: Two Door Cinema Club wollen mit “Beacon” durch die Decke.

Künstler Two Door Cinema Club
Album Beacon
Label Kitsuné
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Seien wir ehrlich: Two Door Cinema Club ist ein ziemlich beknackter Bandname. Auch dann noch, wenn man um das Wortspiel mit „Tudor“ und das Kino in ihrer Heimatstadt Bangor in Nordirland weiß. Tourist History ist ebenfalls ein reichlich schräger Titel für ein Debüt. Und jetzt kommt Beacon als zweites Album hinterher, auch ein wenig sperrig.

Es ist ziemlich erstaunlich, dass Two Door Cinema Club mit brauchbaren Album- und Bandnamen so ihre Probleme haben (in seinen Anfangstagen nannte sich das Trio „Life Without Rory“). Denn mit ihren Liedern ist es ihnen noch immer problemlos gelungen, eingängig bis unwiderstehlich zu klingen. Tourist History ist mittlerweile zum Millionenseller avanciert, Hits wie I Can Talk oder What You Know zaubern jedem jungen Menschen mit etwas gutem Geschmack noch immer ein Lächeln ins Gesicht und ein Zucken in die Füße.

Beacon macht genau da weiter. Aufgenommen mit Produzent Jacknife Lee (Bloc Party, U2, Snow Patrol) in Los Angeles verströmt die Platte reichlich gute Laune, ohne platt oder anbiedernd zu sein.

Es muss allerdings gesagt werden: Als Album funktioniert Beacon nicht sonderlich gut, was vor allem daran liegt, dass ein eindruckvoller Schluss fehlt (Pyramid ist überambitioniert und Beacon dann für einen Rausschmeißer und Titelsong erstaunlich unspektakulär). Ein paar kleine Schwachpunkte kann man auch zwischendurch ausmachen: Wake Up droht zu formelhaft zu werden, wird dann aber vom mutigen „When you wake up“-Teil gerade noch gerettet. Sleep Alone ist ebenfalls komplett berechenbar, aber dann doch so toll, dass das kein Problem ist – erst recht nicht, wenn am Ende der Chor vor Augen führt, wie elegant dieses Lied trotz seines stumpfen Beats ist. Settle zeigt besonders gut auf, wie Two Door Cinema diesen Trick hinbekommen: Frontmann Alex Trimble spielt Gitarre, als hätte er bloß Finger, aber keine Arme: Statt eines satten Akkords schlägt er fast immer bloß eine einzelne Saite an und das macht – nicht nur – dieses Lied so filigran.

Next Year steht am Anfang der Platte und beginnt, als versuche der Mars-Roboter “Curiosity” einen alten Hit von Mumm-Ra mitten durch einen heftigen Meteoritenschauer hindurch zu übertragen. Dann kommen die straighten Drums von Sam Halliday dazu und die Stimme von Sänger Alex Trimble, die längst zu einem Markenzeichen geworden ist. Ein famos melodieseliger Refrain und ein Strokes-Gitarrensolo machen die Sache rund – das ist herrlich unschuldig, aber niemals naiv.

Handshake, das beste Lied der Platte, ist danach einer dieser Songs, den man sich nicht nur liebend gerne wünscht, wenn man gerade auf der Tanzfläche ist, sondern sogar umgekehrt: Sobald man dieses Lied hört, wünscht man sich eine Tanzfläche um sich herum. Sun wird mit Orgel, Fuzz-Gitarre, dem tollen Bass von Kevin Baird und am Ende sogar Bläsern beinahe funky, das großartige Someday ist ein einziges Glücksversprechen. The World Is Watching wird durch die Stimme einer gewissen Valentina äußerst reizvoll. „Blondie trifft auf die Wombats“, heißt hier das Prinzip, und obwohl alles gen Himmel strebt, bewahrt sich das Lied eine zauberhafte Melancholie. Auch Spring hat diese gute Balance aus Kraft und Verletzlichkeit.

Ohnehin ist auf Beacon trotz des optimistischen Sounds längst nicht alles eitel Sonnenschein. Sehnsucht und Heimweh sind dominierende Themen. „I don’t know where I am going to rest my head tonight“, sind die ersten Zeilen des Albums. In Wake Up verabschiedet sich Sänger Alex Trimble dann in eine Gegen-, Schatten- oder Unterwelt: “Goodnight, daylight / I won’t remember you for long.” Noch deutlicher wird das Heimweh in Sun (“Drawn apart / New York and London / All I see now / are distant drumlins / The roads I knew / became a city / and I wonder will you wait for me”) und in Settle (“When I get home / When I get home / I need to feel / less alone”). Dieses Leuchtfeuer soll der Band wohl am liebsten den Weg nach Hause nach Nordirland weisen, muss man angesichts solcher Texte vermuten. Aus dieser Hoffnung wird wohl nichts werden: Beacon ist viel zu gut, um Two Door Cinema Club in absehbarer Zeit zu nicht mehr gefragten Stubenhockern zu machen.

Angesichts des Videos von Sun könnte man über den englischen Sommer witzeln. Der Clip wurde aber in Le Havre gedreht.

Two Door Cinema Club sind in den nächsten Wochen live zu sehen:

19.11.2012 Köln, E-Werk (ausverkauft)

20.11.2012 München, Tonhalle

21.11.2012 Offenbach, Capitol

23.11.2012 Berlin, Astra (ausverkauft)

24.11.2012 Hamburg, Große Freiheit 36 (ausverkauft)

04.03.2013 Münster, Skaters Palace

05.03.2013 Hamburg, Docks

07.03.2013 Berlin, Astra

08.03.2013 Stuttgart, Longhorn

09.03.2013 Bremen, Modernes

Homepage von Two Door Cinema Club.

Hingehört: The Vaccines – “The Vaccines Come Of Age”

September 29, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Hits und Humor sind wichtige Zutaten für "The Vaccines Come Of Age".

Hits und Humor sind wichtige Zutaten für “The Vaccines Come Of Age”.

Künstler The Vaccines
Album The Vaccines Come Of Age
Label Sony
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Als Albumbands bezeichnet man ja normalerweise solche Gruppen, die brauchbare Musik machen, aber keine Hits schreiben können. Radiohead meinetwegen. Oder Element Of Crime. Oder neuerdings auch Arcade Fire. Schaut man auf die Charts, dann muss man auch die Vaccines dazu rechnen. Das Quartett bringt es gerade mal auf vier Top-40-Hits in England. Platz 32 ist die bisher höchste Position, was nicht gerade berauschend ist, wenn man von NME und MTV gehypt wird. Im Albumformat läuft es allerdings blendend für die Jungs. Ihr Debüt What Did You Expect From The Vaccines verkaufte sich weltweit mehr als 400.000 Mal. Der jetzt erschienene Nachfolger The Vaccines Come Of Age schoss im UK auf Platz 1.

Dabei sind die Vaccines natürlich problemlos in der Lage, Hits abzuliefern. An erster Stelle ist da der Opener No Hope zu nennen. „Well I could bore you with the truth / about an uneventful youth“, lauten die grandiosen ersten Zeilen des Albums. Sie läuten einen Kracher ein, der die Wildheit und den Freigeist der Libertines enthält, ebenso wie die rotzige Arroganz der Strokes und das Beschwören von Gemeinschaftssinn inmitten der Trostlosigkeit wie das auch The Enemy mal konnten.

Letzteres ist womöglich der Schlüssel zum Erfolg der Vaccines, und die Leute, die man damit anspricht, sind im Zweifel eher Albenkäufer als Radiohörer. „Ich will, dass ich irgendjemandem etwas bedeute“, sagt Sänger Justin Young passend dazu. Er will eine Identifikationsfigur sein, Frontmann einer Band, an die man sein Leben haften kann. „Es ist ganz einfach: ich will, dass wir eure Lieblingsband sind!“ Wie gut das klappt, konnten die Vaccines vor allem beobachten, als sie erstmals bei Festivals in England auftraten. „Wir hatten schon überall auf der Welt bei Festivals gespielt, aber noch nicht wirklich zuhause“, sagt Young. „Ich weiß noch, wie ich bei unserem ersten UK-Festival hinter der Bühne unseren Tour-Manager fragte: ‚Und, ist da draußen irgendwer?’ Er sagte nur, ‚Hör zu!’ Und ich konnte ungefähr 20.000 Leute unseren Bandnamen rufen hören. Das Gefühl war größer als alles, was irgendwer hätte beschreiben können.“

Auch Always Knew (dessen Strophe verdächtig an Angel Interceptor von Ash erinnert) hat dieses hymnische Element und genug Pathos und tolle Theatralik, um als Track von Glasvegas durchzugehen. Teenage Icon ist ein weiterer Hit, der zunächst mit den wilden Drums und der Zwei-Akkord-Gitarre noch primitiv wirkt, dann aber im Refrain große Klasse offenbart. Das famose Aftershave Ocean verbreitet später eine sehr hübsche Sixties-Psychedelik, Change Of Heart Pt. 2 hat das Feuer und die Melodieverliebtheit von The Jam.

An Hits besteht also kein Mangel, und das ist auch kein Wunder, wenn man auf Ethan Johns (Kings Of Leon) als Produzenten setzt. Das Schönste an The Vaccines Come Of Age, das komplett live eingespielt wurde, ist aber, dass die Platte auch als Album gut funktioniert. Mehr als 150 Songs haben Justin Young (Gitarre/Gesang), Árni Hjörvar (Bass), Freddie Cowan (Gitarre) und Pete Robertson (Schlagzeug) angeblich alleine im Jahr 2011 geschrieben, und die Auswahl daraus sorgt für einen sehr gelungenen Spannungsbogen.

Die unverkennbare Begeisterungsfähigkeit, die die Engländer noch immer für einzelne Sounds wie eine Twang-Gitarre in Always Knew oder die Ramones-Punkpower von Bad Mood entwickeln können, ist ein wichtiges Element dabei. Ein weiteres ist die Tatsache, dass sich The Vaccines Come Of Age auch ruhigere Momente gönnt. Den Grund dafür sieht die Band auch in den drei Stimmbandoperationen, denen sich Justin Young im vergangenen Jahr unterziehen musste – jeweils mit anschließendem Sprech- (drei Wochen) und Singverbot (fünf Wochen) „Es war emotional und sozial ein ziemlich interessantes Experiment. Aber meine Stimme hat durch das Ganze an Charakter gewonnen. Die Sanftheit auf der neuen Platte ist ein Resultat davon, denke ich“, meint der Sänger.

I Wish I Was A Girl ist ein Ergebnis davon, mit faszinierendem Edwyn-Collins-Flair, und auch der an Travis erinnernde Rausschmeißer Lonely World, der ganz viel Leidenschaft zu bieten, aber es gar nicht nötig hat, dabei allzu hymnisch zu werden. Auch Weirdo ist ungewohnt zurückhaltend, zählt neben Ghost Town (kraftstrotzend, aber blutleer wie die blödesten Momente der Arctic Monkeys) aber zu den beiden einzigen Schwachpunkten dieser Platte.

Dass man den Vaccines solche Passagen gerne verzeiht, liegt auch daran, dass sie trotz reichlich Kritikerlob und Fanbewunderung kein bisschen selbstverliebt wirken. Diese Band hat sich ihren Humor bewahrt. Das Cover von The Vaccines Come Of Age ist ein gutes Beispiel dafür. Darauf lässt sie die Band von vier androgynen Mädchen im Teenie-Alter namens Andrea, Chanie, Cassie und Fiona ersetzen. „Einige Leute haben behauptet, dass The Vaccines nicht aussehen wie Rockstars, also dachten wir: Nehmen wir stattdessen diese Mädchen“, erklärt Justin Young die Idee dahinter. Auch selbstironische Texte wie in Teenage Icon oder kleine Spielereien mit dem Gesang wie in Aftershave Ocean sprechen dafür, dass sie sich im Zweifel gerne für ein unbekümmertes „Scheiß drauf, versuchen wir’s einfach“ entscheiden. Werden die Vaccines also wirklich erwachsen, wie der Albumtitel verheißt? Hoffentlich nicht.

Zane Lowe ist ein Fan, da spielen die Vaccines gerne No Hope für ihn:

 Homepage der Vaccines.

Interview with The Wombats

September 2, 2012 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 1 Comment 
Er fühlt sich nach wie vor ein bisschen missverstanden, gestand mir Wombats-Sänger Murph im Interview.

Er fühlt sich nach wie vor ein bisschen missverstanden, gestand mir Wombats-Sänger Murph im Interview.

A couple of weeks ago I talked to Matthew Murphy, singer in the Wombats, backstage at Highfield festival near Leipzig in Germany. Just before the American tour, which starts today, he reveals his worst festival experience, labels his own band “schizophrenic” and tells us what the next album might sound like.

We’ve met at Highfield before: Three years ago I saw you playing table tennis backstage. For me it was one of those moments when I realised that being a rock star can be quite a boring job sometimes. Do you agree?

Matthew Murphy: I would, first of all, never describe myself as a rock star. I don’t feel like it.

So what’s on your business card, if it is not “Matthew Murphy – Rock Star”?

Murphy: I don’t have one. If I did, I’d go for “Songwriter”, maybe. The idea of a rock star to me is one of leather jackets, Ray Bans and Hollywood.

But isn’t that idea part of the myth that makes young people grab a guitar? Didn’t you dream of stadium gigs or number-1-records when you started out? Or at least of, er, Girls And Fast Cars?

Murphy: I mean, we wanted success. We wanted acclaim, we wanted fans screaming. Obviously, money is nice as well. But we never bothered about becoming famous, really. I never really thought about that, to be honest.

And you probably never thought about having to spend your afternoons playing table tennis in Germany.

Murphy: Of course there are some times when you really need to kill a few hours. I used to kill a lot of hours by smoking. I’ve stopped smoking now, so now I’ve got to try and find new avenues. This can feel really strange because I get this huge buzz when I am onstage, it is a massive adrenalin rush. And then the rest of the day is very boring. And it is like that every day: There is a huge downtime and a very short peak of energy.

At festivals it is a bit like that for your audience as well: You have to spend the biggest part of the day in your tent or wherever before the action on stage starts or your favourite band is about to play. Have you ever been to a festival us a punter?

Murphy: No. I’m not a camper. I’ve had a horrendous experience in school when I was camping. Dogs came into the tent and shat all over me. That was pretty scary. The first festival I went to was as a band. Although at our first Glastonbury we did camp, and I lost the tent. I had to walk around the whole site just shouting people’s names until one of them heard me. And then I made the vow that I was never going to camp again.

Are you sometimes nostalgic about the old days, when The Wombats started out?

Murphy: That was a lot of fun, when you think about it. Driving yourself to a venue, setting up your own stuff.

That does not sound very funny to me.

Murphy: Yeah, but it is, I think. I look back with fun memories. I probably fucking hated it at the time. But I loved the struggle of all that stuff.

You have spent almost as much time in The Wombats before the release of your debut album as you have spent since then. Which part do you prefer?

Murphy: My favourite time was just before our first album came out. We were being signed, had a record deal, we did South by Southwest, and something exciting was happening. That was an amazing part in all of our lives.

It seemed to me that there was some downtime afterwards, that you felt misunderstood after A Guide To Love, Loss & Desperation. Would you agree?

Murphy: Possibly, yeah.

Was This Modern Glitch, which was slightly darker and had a bit more depth, a deliberate effort to change that?

Murphy: Every bands second albums are a rebellion against their first. I don’t know what the others in the band think about this. But I think that we were perceived just like a party band. But although our music is quite dancey and fast, the lyrics are quirky and deal with some quite heavy subjects, even on the first album. For This Modern Glitch I kind of wanted to keep that fun side, but also do songs like Anti-D to show that we are not a one horse jockey.

Matthew Murphy has got a full on rock record in mind.

Matthew Murphy has got a full on rock record in mind.

Since you mention quirky lyrics, I can’t let you go without asking if you really do own a penguin suit that you wear from time to time, running around East London, as you claim in Techno Fan?

Murphy: No, I don’t. But a few fans have turned up in penguin costumes to our gigs, which I always like. There was a gig in New Orleans when our drummer Tord took it off one of the fans and wore it for the whole gig.

Did you ever regret some of the songs or the lyrics you wrote?

Murphy: No. I think I’m proud of everything. Maybe Backfire At The Disco feels a bit too young for me now, personally. That’s why we haven’t played that for a while. But we probably will do it again in the future.

It is one of your acclaimed dancefloor fillers. What kind of music makes you dance?

Murphy: I don’t dance. I can’t dance. I have to be really, really, really fucked to dance. And if I’m not fucked, it doesn’t really matter what kind of music is playing.

And if you are, it probably doesn’t matter as well.

Murphy: Yeah.

Are you at ease now with who The Wombats are and how The Wombats are received?

Murphy: Er, probably not.

Why not?

Murphy: I think we’re a very kind of schizophrenic band. I don’t think we know what kind of band we are. Whether we are a pop band or an indie band or a rock band.

That is the inward perspective. What is your impression of the outward perspective? What is your image nowadays?

Murphy: That’s something I always think about. It’s hard for me to look objectively out on the band. I mean, I could sit here and tell you how amazing we are and stuff. But there is no point. But at the same time I don’t really care, either. I like the idea that hopefully in our career we make different albums. I know that we love big pop songs with weird lyrics. Weird, maybe clever lyrics. And so that’s just all we’re going to do, I think. It doesn’t matter how we dress the songs up, whether we dress them up in Converse or as Electro.

If you are not sure about people getting your message right – why don’t you use your songs as a medium to set the record straight? Wouldn’t that be the perfect way to tell people who you are?

Murphy: Of course. But I would never want to tell anyone: We are this band that should be placed here, somewhere between Busted and The Strokes. I would never say that.

That really doesn’t sound like a comfortable place to be in.

Murphy (laughs): I agree. But obviously I have messages that we want to get across, how we feel about certain topics and how our outlook on life is.

Will there be more of this on the next album? What can we expect?

Murphy: I want to do a really guitar driven album, a full on rock album. Whether that’ll actually happen, I don’t know. We recorded four new songs and there’s another couple in the pipeline. At the moment it’s quite rocky. One of the songs is quite Band Of Horses. One of them, my favourite at the moment, is just a big, massive ballad basically.

Do you write new material on the tour bus or during rehearsals and soundchecks?

Murphy: I’m pretty bad at working on the road. There’s something embarrassing about it to me. I prefer to work on it in seclusion, until I know that it’s ready to go out, which is a slower process of working, unfortunately, but that’s just the way it happens. I need to kind of lock myself in a cave somewhere and then write. Then I play it to Dan and Tord and we arrange it or work on things together.

I had a look on your schedule for this summer and it seems that you take quite a lot of time off between festivals, especially in comparison to other bands. Is that on purpose?

Murphy: Yeah, that was a conscious decision.

Why did you decide to do it like that?

Murphy: Because after the first album we all lost the plot. I was fucked. We felt like a cover band. And then making the transition from touring into writing the next album was weird. Because all of a sudden everything is dead. We have learned something from it. This time we wanted to play a couple of festivals, and then we wanted to focus on album number three. But that’s all being fucked up now because we’re going to the US for two months (laughs).

What do you do when you have got time off in between festivals?

Murphy: Trying to do stuff that hasn’t got anything to do with the band.

Life.

Murphy: Yeah: Trying to do life. Trying to get some stuff from life and then put it back into the band.

Have you got a release date in mind for the next album?

Murphy: This time next year will be our 10 year anniversary. So if it came out then, that would be very, very good. The last album felt like rushed. So this time I am trying not to churn them out but to take my time and make sure that it is nice and the quality of the songs is really good.

When you started out with The Wombats, could you imagine still being in that band ten years later? Has it turned out the way that you hoped for?

Murphy: Yeah, it has turned out brilliantly. We were very, very lucky. We never thought we would get to this. We always wanted to be comfortable, make enough money to rent a flat, get played on the radio occasionally. But obviously it has gone much better for us. I was wondering what it will be like for another ten years.

I was just about to ask that.

Murphy: I don’t know. We have only released two albums, but to us it feels like we have released four. That’s pretty mad. I think we will just concentrate on the next album and see where we go from there.

Hingehört: Here We Go Magic – “A Different Ship”

Juni 4, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
Erst zum Ende hin kommt "A Different Ship" von Here We Go Magic richtig in Fahrt.

Erst zum Ende hin kommt "A Different Ship" von Here We Go Magic richtig in Fahrt.

Künstler Here We Go Magic
Album A Different Ship
Label Secretly Canadian
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung **1/2

”To me the best music can transport you spiritually, take you to a wild, open place, (…) like direct access to a whole other experience. It can make you forget that we’re living in two-thousand and whatever the fuck and give you a more universal, longer view of things.”

So hat Dave Sitek vor zwei Jahren im Interview mit dem NME den Reiz seiner Lieblingsplatte umschrieben. Mit diesem Anforderungsprofil wird ihm eindeutig auch A Different Ship gefallen, das dritte Album von Here We Go Magic. Das liegt womöglich nicht nur daran, dass die New Yorker eine Platte gemacht haben, die oft klingt, als sei sie nicht von dieser Welt. Es könnte auch damit zu tun haben, dass bei A Different Ship ein Produzent seine Finger im Spiel hatte, der mindestens so angesagt ist wie Dave Sitek: Nigel Godrich.

Der Haus-und-Hof-Produzent unter anderem von Radiohead und U2 war begeistert vom Auftritt des Quartetts in Glastonbury 2010 und wollte genau diesen hypnotischen Livesound von Here We Go Magic auf Platte bannen. Das war allerdings etwas schwieriger als gedacht: Nach ersten Sessions in LA ging es in New York weiter, aufgenommen wurde A Different Ship dann im Herbst 2011 in London. Der Produzent hatte einen gewichtigen Anteil am Gelingen des Werks, schwärmt Gitarrist Michael Bloch: „Darin war Nigel so fantastisch: Er wusste einfach, wo er uns aufhalten musste, kannte die Limits unserer Soundpalette und konnte genau sagen, wie man sich Raum zum Atmen lässt.“

In der Tat ist es diese Luftigkeit, die einen großen Teil des Reizes des Albums ausmacht, das nach Auskunft der Band die „unausgeglichene Spannung zwischen dem Wunsch, allein zu sein, und dem Wunsch, Verbindungen einzugehen“ behandelt. Das Intro klingt noch gefährlich, mit metallischen Fabrikgeräuschen, die beinahe wirken, als sei man hier inmitten der Werft gelandet, in der dieses Different Ship gebaut wird. Doch sofort danach gehen Here We Go Magic mit dem zurückhaltenden Gesang und pulsierenden Bass von Hard To Be Close auf eine elegante, neblige, manchmal ruppige Reise.

Make Up Your Mind beschwört mit einem harten Beat und einer nervösen Gitarre ein bisschen CCR-Atmosphäre herauf, bis dann reichlich reizvoller Synthesizer-Zuckerguss dazukommt. Dasselbe Rezept nutzt Alone But Moving, bloß zwei Gänge langsamer und ganz laid back. Die erste Hälfte des Albums schließt I Believe In Action ab, mit einer Disco-Gitarre, einem Beat, der daran nicht recht den Anschluss findet und verfremdetem Gesang, der ebenfalls nach einem ganz anderen Song zu suchen scheint.

Es ist der erste von drei Tracks in Folge, die Sänger Luke Temple für die Höhepunkte auf A Different Ship hält: „Ich denke, das Beste an der Platte sind die Dinge, über die wir erst am Ende nachdachten. Songs wie Over The Ocean, I Believe In Action oder Made To Be Old wurden morgens geschrieben und am Nachmittag bereits aufgenommen.“

Letztgenanntes ragt in der Tat heraus und klingt wie die Strokes im Chill-Out-Modus. Auch Over The Ocean hat diese Stimmung: Der Beginn ist verträumt, man muss an einen Strand bei Mondschein denken, und dann plätschert das Lied sehr hübsch und majestätisch immer weiter. Überhaupt ist die zweite Hälfte des Albums deutlich stimmiger als die mitunter wirre und ereignislose A-Seite. How Do I Know hat vergleichsweise viel Drive und Heiterkeit, das entspannte Miracle Of Mary ist zumindest von der Idee her ein Neil-Young-Countrysong und im Titelsong am Ende der Platte klingen Here We Go Magic mehr als acht Minuten lang so sanft, als wollten sie sich selbst narkotisieren.

„Die Musik ist wunderschön, fühlt sich jedoch so an, als sei sie spröde und würde jeden Moment auseinanderbrechen“, beschreibt Luke Temple diesen Effekt. „Sie schwebt immer zwischen Moll und Dur, fröhlich und traurig und versucht, die perfekte Balance zu finden. Viele der Songs enden plötzlich und unvermittelt, so als ob die Dinge einfach in der Luft schweben bleiben. Das ist es, was uns als Band ausmacht: sich nach vorn zu bewegen, selbst, wenn wir unsicher sind und beruhigt in dem Wissen zu sein, dass uns unterwegs glückliche Unfälle passieren.“

Die Bestelladresse für extrem lebensechte Tanzpuppen wird im Video von How Do I Know leider nicht eingeblendet.

Here We Go Magic bei MySpace.

Hingehört: Air – “Le Voyage Dans La Lune”

Februar 5, 2012 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
Mit "Le voyage dans la lune" vertonen Air einen Filmklassiker.

Mit "Le voyage dans la lune" vertonen Air einen Filmklassiker.

Künstler Air
Album Le Voyage Dans La Lune
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Der Mond? Da war doch was? Sehr richtig: Mit Le voyage dans la lune schließt sich für Air ein Kreis – und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Erstens hatten sie ihr Debütalbum, in offensichtlicher thematischer Verwandtschaft, Moon Safari genannt. Kein Wunder, dass Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel dann zusagten, als sie gefragt wurden, ob sie nicht einen Soundtrack für Le voyage dans la lune machen wollten. Der Film von Georges Méliès aus dem Jahr 1902 ist nur eine runde Viertelstunde lang, aber der erste Science-Fiction-Film überhaupt, und bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr wollte man eine aufwendig restaurierte Farb-Version des Klassikers präsentieren, mit der Musik von Air.

Zweitens zeigt Le voyage dans la lune mehr als alle anderen Alben in der Geschichte des Duos einen Charakterzug, der bei Air gerne übersehen wird: Die Franzosen werden gerne für Avantgarde gehalten, aber eigentlich sind sie Hippies. Ihre Musik verhält sich zu dem, was heute modern ist, wie Jules Verne zu Bruce Sterling.

Passend dazu entschlossen sich Air, nachdem sie die Filmmusik für Le voyage dans la lune abgeliefert hatten, aus dem Material ein ganzes Album zu machen. “Le voyage dans la lune is undoubtedly more organic than most of our past projects. We wanted it to sound ‘handmade,’ knocked together’, a bit like Méliès’ special effects. Everything is played live … like Méliès’ film, our soundtrack is nourished by living art”, erklärt Nicolas Godin die Arbeitsweise.

Sevens Stars klingt dann tatsächlich wie aus einer Jamsession hervorgegangen. Parade scheint sich ein paar Gitarren aus dem Maschinenpark der Strokes zu leihen und ist auch sonst beinahe Rock. Durch das treffend betitelte Sonic Armada kämpft sich scheinbar ein Zahnarztbohrer zu einem TripHop-Beat, und um das Ganze noch ein bisschen irrer zu machen, kommen eine gute Dosis Blur (zur Think Tank-Zeit), zwei Scheffel der Narrenfreiheit, mit denen die Beastie Boys ihre Funk-Instrumentals spielen, und ein Orgelsolo hinzu, das Helge Schneider in puncto Verrücktheit und Improvisation in nichts nachsteht. Dazwischen gibt es immer wieder Skizzen mit viel Klavier und etwas Orchester wie Moon Fever oder Décollage.

Das Ergebnis ist damit mal nahe an 10.000 Hz Legend, dem bisher muskulösesten Album von Air, und ihrem Soundtrack zu The Virgin Suicides. Die Filmelemente sind auch ohne die Bilder von Méliès unverkennbar. Astronomic Club gleich am Beginn des Albums legt sofort mit Pauken und Trompeten (im Wortsinne) los und klingt wie ein James Bond-Theme, das von R2D2 gespielt wird. Gegen Ende verbindet Cosmic Trip so etwas wie radioaktive Regentropfen mit einem sehr robusten Rhythmusfundament, der Rausschmeißer Lava paart Flöten-Opulenz mit Western-Atmosphäre.

Nur zweimal wird wirklich gesungen. Als Gäste vermischen Au Revoir Simone im geisterhaften Who Am I Now? sehr effektvoll Französisch und Englisch. Victoria Legrand (Beach House) vergeht in Seven Stars vor Sehnsucht nach den Sternen (oder ihrem Liebsten, der auf dem Weg dorthin ist). Auch diese beiden Tracks zeigen, was bei Air eigentlich schon immer im Mittelpunkt stand: die Freude an der Melodie, am Rhythmus, auch an einzelnen Sounds. Le voyage dans la lune ist der beste Beweis: Air sind Träumer, Könner und durchaus auch Traditionalisten – und ihre Musik ist die Science Fiction von vor 100 Jahren.

Méliès in Farbe und Air im Improvisationsmodus mit Parade: Ein Ausschnitt aus Le voyage dans la lune:

Air bei MySpace.

Hingehört: The Strokes – “Angles”

Dezember 13, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · 2 Comments 
Die Strokes zersplittern - hätte man sich denken können bei diesem Cover.

Die Strokes zersplittern - hätte man sich denken können bei diesem Cover.

Künstler The Strokes
Album Angles
Label Universal
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **1/2

Mit ihrem vierten Album sind die Strokes nun also in ihrer Beatles-Phase angelangt. Man kann den Liedern auf Angles recht gut anhören, welches ein Julian-Song ist, welches ein Albert-Track und welche Passagen den Köpfen von Nick, Fabrizio oder Nikolai entsprungen sind. So war das damals auch auf dem White Album.

Das hat vor allem zwei Ursachen. Zum einen haben vier Fünftel der Strokes die elend lange Pause seit dem Erscheinen von First Impressions Of Earth und dem neuen Album (genau 1902 Tage lagen zwischen den Veröffentlichungsterminen der beiden Alben, Faktenfreunde) genutzt, um eigene Projekte an den Start zu bringen und so ihr musikalisches Profil weiterzuentwickeln. Albert Hammond Jr. und Julian Casablancas waren als Solo-Künstler aktiv, Nikolai Fraiture gründete Nickel Eye und Fabrizio Moretti machte sich bei Little Joy ans Werk.

Zum anderen war der Entstehungsprozess von Angles alles andere als reibungslos oder auch bloß kollegial. Die New Yorker haben ewig lange gebraucht (als sie ihr viertes Album im Jahr 2008 erstmals ankündigten, war das inzwischen dahinsiechende MySpace noch eine geeignete Plattform dafür, so sehr haben sich die Zeiten mittlerweile geändert), um diese zehn Lieder auf Platte zu bannen. Und sie hatten reichlich Ärger dabei. Die Arbeit mit dem ursprünglichen Wunsch-Produzent Joe Chicarelli funktionierte nicht, einzig der Rausschmeißer Life Is Simple In The Moonlight ist nun noch aus den Sessions mit ihm übrig geblieben.

Auch innerhalb der Band gab es einige Spannungen, die Nick Valensi im NME einigermaßen undramatisch geschildert hat als “typical rock band bullshit – the clichés that keep a group of people who have something special from wanting to continue it”. Sänger Julian Casablancas war kaum einmal mit den anderen Strokes in einem Raum, sondern nahm seine Gesangsspuren alleine auf (noch so ein spätes Beatles-Ding). Angeblich wollte er den Rest der Band damit motivieren, das kreative Zepter in die Hand zu nehmen, aber funktioniert hat das nicht. “I won’t do the next album if we make it like this. No way. It was awful – just awful. Working in a fractured way, not having a singer there. I’d show up certain days and do guitar takes by myself, just me and the engineer”, erinnert sich Nick Valensi.

Dass Angles nun also ein reichlich zersplittertes Werk geworden ist, verwundert nicht. Auch nicht, dass es nicht die markante Stimme von Julian Casablancas ist, die das Album zusammenhält. Was aus Angles eine Strokes-Platte macht, ist nicht sein patentiertes, halb verschlafenes Genöle. Es ist die Gitarre von Albert Hammond Jr. Neun der zehn Lieder (die einzige Ausnahme ist das rührend reduzierte Call Me Back, das so etwas Ähnliches ist wie das Heart In A Cage dieses Albums) haben ein Gitarrensolo, und immer wieder sind es seine Passagen, die den Tracks den Stempel der Band aufdrücken und sie überhaupt erst als Strokes-Songs erkennbar machen.

Das ist einerseits faszinierend, denn es zeigt, wie viele neue Facetten The Strokes mittlerweile zu bieten haben. Der Opener Machu Picchu hat einen Reggae-Beat, karibische Elemente, wilde Bongos im Hintergrund und am Ende eine Gitarre, die an Michael Jacksons Gotta Be Starting Something geschult zu sein scheint. Two Kinds Of Happiness vereint die Eighties-Ästhetik von Billy Idol mit der mittleren Karrierephase von Tom Petty, Gratisfaction ist ein feiner Seventies-Shuffle, die Gitarre in Life Is Simple In The Moonlight könnte fast aus einem Song von The Police entnommen sein.

Andererseits ist die neue Bandbreite auch schädlich, vor allem wenn es nicht einmal die Gitarre von Albert Hammond Jr. schafft, eine Klammer für diese Lieder zu bilden. Games beispielsweise ist hohl und viel zu verliebt in den eigenen Sound. You’re So Right klingt unmotiviert und unausgegoren. Der Track ist nicht misslungen, weil man als Fan der ersten Stunde etwas anderes von den Strokes erwartet als gezähmte The-Prodigy-Beats und monotonen Gesang. Der Track wäre misslungen, egal von welcher Band und egal in welchem Kontext er gespielt würde.

Bezeichnenderweise gefallen am ehesten die Stücke, die an die Strokes früherer Tage erinnern. Metabolism entwickelt ähnlich viel Druck und Power wie einst 12:51. Der Vorab-Single Under Cover Of Darkness fehlt zwar das letzte bisschen Exzellenz, aber der Song hat einen gewohnt trockenen Beat und eine gewohnt kreative Gitarre und wird zudem der einzige auf Angles, bei dem man den Eindruck hat, der Refrain wolle wirklich unbedingt gefallen. Einzig in Taken For A Fool, der zweiten Single von Angles, schaffen es die Strokes, die Weiterentwicklung voll und ganz organisch und schlüssig klingen zu lassen. Der Song ist verschachtelt und doch aggressiv, der Gesang herrlich rotzig und der Bass famos funky, ohne protzen zu wollen. Eine Frage stellt sich deshalb im Angesicht von Angles und dem Zustand der Strokes am dringendsten: Is This It?

Der beste Song auf Angles: The Strokes spielen Taken For A Fool live bei David Letterman:

The Strokes bei MySpace.

Digitalism, Werk 2, Leipzig

November 7, 2011 · Posted in Live, Musik · Comment 
Drei Leute, ganz in schwarz - das reicht bei Digitalism für die Bühnenshow. Und wirkt ein bisschen wie Rock.

Drei Leute, ganz in schwarz - das reicht bei Digitalism für die Bühnenshow. Und wirkt ein bisschen wie Rock.

Eine Band. So nennt Isi Tuefekci, die eine Hälfte von Digitalism, sein Projekt inzwischen. „Idealism war ein Album, das von zwei Produzenten gemacht wurde. Aber danach hat man uns ins kalte Wasser geschmissen und gesagt: So, Ihr spielt jetzt live. Und diese Erfahrung hat Digitalism wirklich verändert“, verriet er mir unlängst im Interview. „Wir haben viel gesehen und viel erlebt. I Love You, Dude ist auf jeden Fall aus einer ganz anderen Perspektive heraus entstanden. Wir sind jetzt wirklich eine Band. Eine Zwei-Mann-Band, auch wenn das vielleicht komisch klingt.“

Beim Konzert im Werk 2 in Leipzig wird dieses Zwitterdasein von Digitalism erst recht deutlich. Über die gesamte Dauer des Konzerts scheinen sich die Hamburger nicht entscheiden zu können, ob sie lieber die Chemical Brothers sein wollen oder die Strokes. Und diese Zerrissenheit führt zu höchst spektakulären Ergebnissen.

Auch optisch vereint das Konzert Rock- und Danceelemente. Jens Moelle und Aki Tuefekci (verstärkt durch einen Drummer) sind komplett in schwarz gekleidet: Rock. Das Bühnenbild zeigt eine Skyline-Silhouette aus LED-Lichtern: Dance. Nach 10 Minuten gibt es ganz hinten die ersten „Digitalism“-Sprechchöre: Rock. Nach 20 Minuten lassen Digitalism eine Mega-Version, quasi einen Live-Remix der Melt-Hymne 2 Hearts erklingen: Dance. Nach 30 Minuten versucht sich vorne jemand als Crowdsurfer: Rock. Bei Circles, dem letzten Song vor der Zugabe, fliegt irgendwo in der Mitte im Werk 2 ein Glowstick durch die Luft: Dance.

Wenn das Licht angeht, gibt es eine LED-Skyline: Dance.

Wenn das Licht angeht, gibt es eine LED-Skyline: Dance.

Dass dieser Mix in Leipzig blendet ankommt, steht im Werk 2 nicht eine Sekunde lang infrage. Auch wenn Jens Moelle als Sänger an diesem Abend nicht immer die richtigen Töne trifft, herrscht von Anfang an Ekstase. Am Ende von 2 Hearts ist sich keiner im Publikum zu cool, um nicht mit den Händen das Herzzeichen zu formen, das Digitalism auf der Bühne vorgeben. Das Finale von Idealistic wird durch einen call-and-response-Gesang mit den Fans veredelt.

Am meisten verwundert an dieser Show nicht einmal die Souveränität, mit der Digitalism mittlerweile Bühnen dieser Größe beherrschen (in drei Wochen steht für sie eine große USA-Tour an, für die sie offensichtlich mehr als gut gewappnet sind). Es ist auch nicht die Tatsache, dass es an diesem Abend völlig obsolet wird, so etwas wie Genregrenzen festlegen zu wollen. „Wenn ich definieren müsste, worum es bei uns geht, dann würde ich sagen: ganz viele Elemente zusammenzupacken. Den melodiösen Part, den härteren Part, die Indie-Part, den Club-Part. Darum geht es, aber da steckt kein größeres Konzept dahinter. Wir fangen einfach an“, sagt Isi Tuefekci schließlich – und in Leipzig lassen Digitalism diesen Worten definitiv Taten folgen.

Das alles aber wird in den Schatten gestellt von der Tatsache, dass viele der Leute im Publikum derart abfeiern und ausflippen, als wäre das ihr erstes Konzerterlebnis, ihre erste Begegnung überhaupt mit Musik dieser Art. Dass dem nicht so ist, erkennt man nicht nur an den vielen Digitalism-T-Shirts in der Menge. Dass es trotzdem so wirkt, ist ein toller Beleg für die Macht dieses Sounds, für seine Frische und zugleich seine Nachhaltigkeit. Denn auch das macht das Konzert in Leipzig klar: Die größte Stärke von Digitalism ist nicht der Hype und nicht die Show. Sondern so etwas Altmodisches und Unwiderstehliches wie Musikalität.

Digitalism spielen Home Zone und Blitz live im Werk 2 in Leipzig:

 

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