Temples – „Sun Restructured“


Künstler Temples

Temples Sun Restructured Review Kritik

Eine Re-Animation der Vorlage soll „Sun Restructured“ sein.

Album Sun Restructured
Label Heavenly
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Man kann sich das vielleicht wie einen Designer vorstellen. Er findet schicke, noch ziemlich aktuelle Klamotten in einem Schrank und macht sich dann daran, eine eigene Kollektion daraus zu machen. Er zerschneidet und zerfetzt alles, fügt ein paar eigene Ideen hinzu und setzt es dann wieder zusammen. So ähnlich war der Entstehungsprozess von Sun Restructured.

Beyond The Wizards Sleeve, also Erol Alkan und Richard Norris, haben dafür Sun Structures, das erste Album von Temples, neu interpretiert. Als „Re-Animation“ bezeichnen die Beteiligten diese Idee. „Für uns ist es eine Ehre, gleich das Material eines ganzen Albums neu bearbeiten zu dürfen. Deshalb wollten wir unbedingt etwas Besonderes aus dieser Gelegenheit machen. Eine Platte, die man wirklich von Anfang bis Ende durchhören kann, an einem Stück“, sagt Erol Alkan. Deshalb gibt es auf Sun Restructred Zwischenspiele wie Keep In The Dark oder Colours To Life, eine neue Dramaturgie, gesprochene Passagen und sogar Geräusche aus der Natur.

Bleibt man im Bild vom Designer, war der größte Vorteil für die Re-Animation (man darf wohl auf keinen Fall das Wort „Remix“ dafür gebrauchen), dass Beyond The Wizards Sleeve schon so viele tolle Stoffe, Schnitte und Accessoires vorgefunden haben, aus denen dann ihre eigenen Entwürfe entstanden. „Letztlich haben wir uns von den ursprünglichen Songs und ihren wunderschönen Arrangements und Melodien führen lassen“, erzählt Erol Alkan. „Auf Sun Structures gibt es so viel, was unter der Oberfläche passiert, dass es ein wahres Vergnügen war, dort hinein zu tauchen und Fundstücke nach oben zu holen. (…) Genießt diesen Trip – denn es ist ein Trip!“

Wie das gemeint ist, zeigt etwa die neue Version vom Shelter Song. Rund um die Zeile „Take me away to the twilight zone“ gibt es etliche indische Elemente – es soll ja schließlich Leute geben, die George Harrison mögen und Akte X. Für Sand Dance rücken Beyond The Wizards Sleeve das wuchtige Schlagzeug und den Bass in den Vordergrund. Der Gesang darf dann zunächst acappella erklingen, danach verschmilzt er mit der Musik zu einem Sound, der zugleich kraftvoll, schön und verrückt ist. Auch bei A Question Isn’t Answered hat der schwere Rhythmus hier zusätzliche Aggressivität bekommen.

Häufig verzichten die Songs auf Sun Restructured über weite Strecken auf Stimmen, etwa im Quasi-Titelsong Sun Structure darf der zweistimmige Gesang, der zu den feinsten Eigenschaften von Temples gehört, erst ganz am Ende glänzen. In Golden Throne übernimmt der Bass weitgehend die Rolle des Gesangs und zeigt, dass auch ein Lied, das vom Bass dominiert wird, schwebend und leicht klingen kann. Move With The Season entfaltet ausnahmsweise schon von Beginn an seinen Text, später zeigt der Beat, dass er auch zu HipHop passen würde und gemeinsam mit dem Harmoniegesang eine geradezu magische Wirkung erzeugen kann. Test Of Time wirkt, als wolle es zur Prog-Hymne werden, habe es sich im letzten Moment aber noch anders überlegt.

Erfreulicherweise ist das für den Hörer (und zwar egal, ob er die Vorlagen kennt oder nicht) genauso interessant wie es offensichtlich für die beteiligten Musiker war. Temples können hier eine ganz neue Facette ihres Sounds offenbaren, ohne selbst dazu beigetragen zu haben. Zugleich halten sie die Aufmerksamkeit aufrecht, die ihnen Sun Structures eingebracht hatte, das eine der erfolgreichsten Vinyl-Veröffentlichungen des Jahres 2014 war, die Top 3 in den japanischen Charts erreichte und von einer umjubelten Tour begleitet wurde, die Temples am Ende ins ausverkaufte Shepherd’s Bush Empire in London führte. Durch die Bereitschaft, Beyond The Wizards Sleeve ihr Werk zur Verfügung zu stellen, unterstreichen sie letztlich die Qualität ihres Materials. Denn diese Klänge wirken auch hier, als kämen sie aus einer anderen Zeit, nicht nur klanglich, sondern auch im Zugang. Nämlich aus einer Ära, in der jede Idee neu und verlockend klang und in der man sich als Musiker vielleicht genau deshalb noch viel mehr Mühe gegeben hat.

Der Titelsong des ersten Temples-Albums in der Neuinterpretation von Beyond The Wizard’s Sleeve.

Homepage von Temples.

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