The Statement


Film The Statement – Am Ende einer Flucht

The Statement Filmkritik Rezension

Unter falschem Namen lebt Pierre Brossard (Michael Caine) seit Ende des Krieges im Schutz der Kirche.

Produktionsland Kanada, Großbritannien, Frankreich
Jahr 2003
Spielzeit 120 Minuten
Regie Norman Jewison
Hauptdarsteller Michael Caine, Tilda Swinton, Jeremy Northam, Alan Bates, Charlotte Rampling
Bewertung

Worum geht’s

Frankreich 1944, ein Dorf in der Provence: Die Nazis haben das Land besetzt, die Vichy-Regierung hat eine Quasi-Polizei auf die Beine gestellt, die sie dabei unterstützt. Als Teil dieser Miliz und im Auftrag der SS sucht Pierre Brossard sieben Juden aus dem Ort aus, die dann erschossen werden. Nach dem Krieg wird er als Kollaborateur wegen dieser Aktion und weiterer Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Doch er entkommt aus der Haft und taucht unter. Jahrzehntelang gelingt es ihm, sich in Klostern zu verstecken, doch knapp 50 Jahre nach seiner Tat droht er erneut aufgespürt zu werden: Die Richterin Annemarie Livi will ein neues Gesetz nutzen, um den Fall wieder aufzurollen und Brossard zu finden. Auch ein Killerkommando ist hinter ihm her, das vermeintlich die jüdischen Opfer von damals rächen will. Er erkennt: Sein Spielraum wird immer enger.

Das sagt shitesite:

Als Thriller im Sinne eines nervenaufreibend spannenden Films funktioniert The Statement nicht immer perfekt, und das hat zwei Gründe. Erstens wählt Regisseur Norman Lewison einen sehr ruhigen Zugang zu seinem Thema, der dem Geschehen auch angemessen ist. Zweitens ist der Film zu komplex, und zwar auf mehreren Ebenen. Schurken und Helden, stringenter Plot, einheitliches Milieu? All das gibt es hier nur mit Abstrichen, und gerade darin liegt die Stärke des Films.

Großen Anteil daran hat das Drehbuch von Oscar-Preisträger Ronald Harwood nach der Romanvorlage von Brian Moore, der wiederum einen authentischen Fall rekonstruiert hat. Besonders geschickt ist dabei die Verknüpfung von persönlicher und gesellschaftlicher Ebene. So steht die dunkle Vergangenheit von Pierre auch für ein Kapitel der französischen Geschichte, das noch nicht vollständig aufgearbeitet ist – unter anderem, weil es, so deutet es zumindest dieser Film an, Vertuschung bis in höchste Regierungskreise hinein gibt. Einige Kollaborateure und auch Täter von damals haben nach dem Ende des Krieges schnell wieder Karriere gemacht. Entsprechend gering ist ihr Interesse an Aufklärung.

Die Parallelen sind auch beim Streben nach Buße, Reue und Gnade offenkundig. So wie Pierre, der hier immer wieder von Flashbacks heimgesucht wird, sich nach Vergebung für seine Taten sehnt, so möchte wohl auch Frankreich insgesamt gerne seinen Frieden mit der zwiespältigen Zeit des Vichy-Regimes machen. Natürlich war Frankreich ein Opfer der Nazis, aber durch die Kollaboration, vorauseilenden Gehorsam oder einheimische Profiteure der Besatzungszeit ist diese Rolle eben gelegentlich relativiert, und das trübt natürlich das stolze Selbstbild der Grande Nation.

Das eigentliche Zentrum von The Statement ist dabei Pierre als ein Charakter, in dem die Komplexität dieser Verhältnisse konzentriert ist. Er war während des Krieges ein kleiner Handlanger ohne besonderen Status oder Einfluss, aber im Zuge der nun einsetzenden Ermittlung ist er plötzlich eine Schlüsselfigur, die der Justiz viele namhafte Männer in Polizei, Politik und Kirche ans Messer liefern könnte. Gerade die Tatsache, dass er kein brillanter Intrigant ist, auch kein kaltblütiger Killer, macht diese Figur so faszinierend, und Michael Caine bringt all diese Facetten meisterhaft zum Vorschein. Pierre ist von seinem Gewissen geplagt, sogar von Selbstmitleid erfüllt. Er erschießt einen Mann, beseitigt die Leiche und bricht dann etwas später in Tränen aus. Er tut alles, um sich der Verantwortung für seine Kriegsverbrechen zu entziehen, und ist dennoch überzeugt davon, auf der Seite der Gerechten zu stehen. Diese fromme Einfalt bildet einen weiteren spannenden Kontrast zur mit viel Kalkül gesponnenen politischen Intrige, deren Drahtzieher ihn zunächst schützen, dann als Risiko erkennen. Ein höchst ungewöhnlicher Bösewicht ist Pierre Brossard nicht zuletzt wegen seines Alters: Verfolgungsjagden und Schießereien mit einem herzkranken Greis sieht man im Kino auch nicht alle Tage.

Mehr noch als die Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs stellt The Statement dabei den Korpsgeist in Polizei und katholischer Kirche an den Pranger, der einer Aufarbeitung der Vergangenheit ebenso im Weg steht wie der Strafverfolgung der Täter. Sehr subtil zeigt der Film, dass dahinter letztlich dasselbe Prinzip steckt, das auch Pierre Brossard hat zum Judenmörder werden lassen: Durch den Verweis auf eine vermeintlich höhere Moral wird die eigene Verantwortung negiert.

Bestes Zitat:

„So lange nicht die ganze Wahrheit ans Licht gekommen ist, werden diese Toten nicht ruhen.“

Der Trailer zum Film.

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