Timo Scharf – „Everything Ever Always Is All Forgotten“


Künstler Timo Scharf

Timo Scharf Everything Ever Always Is All Forgotten Review Kritik

Das Foto auf dem EP-Cover ist, höhö, unscharf.

Album Everything Ever Always Is All Forgotten
Label KTF Records
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

Für eine Weile hat sich Timo Scharf einmal SON genannt, und der Wechsel zwischen diesen beiden Namen ist typisch für den Effekt, den die am Freitag erscheinende EP Everything Ever Always Is All Forgotten auslöst: Legt man bei dem Künstler aus der Nähe von Braunschweig das sehr deutsch klingende „Timo Scharf“ zugrunde, kann man in Liedern wie dem sanften How Was I To Know eine beachtliche Singer-Songwriter-Leistung sehen. Orientiert man sich am sehr global klingenden „SON“, dann sind Songs wie das reduzierte Promises mit seinem Mark-Knopfler-Gedächtnissolo in erster Linie langweilig.

Diese Ambivalenz durchzieht auch die Biografie des 1981 geborenen Musikers. Nach einer umtriebigen Zeit in der lokalen Szene zog es ihn in die weite Welt. Auftritte im Vorprogramm von Judith Holofernes, Lisa Who und Bosse gehören ebenso zu seiner Laufbahn wie Shows bei internationalen Festivals. In Edinburgh wurde Timo Scharf schließlich von Rod Jones (Gitarrist von Idlewild) entdeckt, als er dort Straßenmusik machte und einen Workshop absolvierte. Jones hat die fünf Songs der EP nun auch produziert.

Die beiden hatten schon für das Debütalbum An Absence Of Colour (2018) zusammengearbeitet und fanden nun erneut zueinander. Die Lieder von Everything Ever Always Is All Forgotten hat Timo Scharf während des ersten Lockdowns in Deutschland im April 2020 geschrieben und dann in Schottland gemeinsam mit Rod Jones aufgenommen. Es gibt in der Regel geschmackvolle, von Americana inspirierte Sounds wie in I Didn’t Mind, dem besten Song der EP, der zugleich auch die Titelzeile enthält: Das Stück ist beseelt und inspiriert, hat eine schöne Atmosphäre und gute Dramaturgie. Die im Presse-Info erwähnten Bezugspunkte Josh Rouse und Jakob Dylan erscheinen da nachvollziehbar, auch Kristofer Aström könnte man in dieser Reihe ergänzen.

Weil aber längst nicht alle Songs dieses Niveau erreichen, bleibt der Eindruck: Wenn Timo Scharf schlecht ist, wird es gewöhnlich. Wenn er gut ist, wird es solide. Wenn er sehr gut ist, wird es ganz hübsch wie im wehmütigen Auftakt Groundhog Day, dessen Sehnsucht nach Zuhause wohl in erster Linie eine Sehnsucht nach Begegnung ist. Aber es geht bei ihm praktisch nie über dieses „ganz hübsch“ hinaus. Auch das Country-infizierte Shadow Boxing zeigt das: Man kann ihm zugute halten, wie wenig das nach Niedersachsen klingt, allerdings sollte die Messlatte für eine starke EP schon etwas höher liegen als beim Anspruch, bloß glaubhaft international zu wirken.

Nostalgie und Fernweh verströmt das Video zu I Didn’t Mind.

Website von Timo Scharf.

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