Tin Tin – „Aperitif“


Künstler Tin Tin

Tin Tin Aperitif Kritik Review

Zuhause haben Tin Tin ihren „Aperitif“ produziert.

EP Aperitif
Label Las Vegas Records
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Schulterzucken heißt der zweite Track auf dieser EP. Natürlich macht man es sich sehr einfach, wenn man die Musik von Tin Tin mit diesem einen Wort abtut. Aber Jacob Feustel und Sebastian Schütze aus Leipzig, die hinter dieser Band stecken und Aperitif selbst zuhause produziert haben, fordern es ja geradezu heraus. Es fällt schwer, sich Newcomer vorzustellen, deren Sound noch mehr egal ist.

„Mein Hang zur Kommunikation / verschwindet bei Konfrontation“, heißt eine Zeile im besagten Lied, und in dieser Neigung zum Rückzug steckt ein großer Teil des Problems von Tin Tin. Der Bass in Schulterzucken ist funky, der Rest der Musik ist verschlafen, der Gesang nicht weit weg von weinerlich. Sensibel und introvertiert zu sein, ist natürlich keine schlechte Voraussetzung für Songwriter, aber bei Tin Tin treffen diese Eigenschaften auf einen Hang zur Egozentrik und Pose, der sehr schwer auszuhalten ist. Wirgefühl ist das schlimmste Beispiel dafür. Bezeichnenderweise ist in diesem Lied nämlich Zweisamkeit gemeint, kein Wir-Gefühl. Es geht nicht um Gemeinschaft, schon gar nicht um gegenseitiges Bestärken beim Einsatz für ein Anliegen, das womöglich viele Menschen verbindet, sondern um Flucht aus der Welt. „Es gibt kein mir / kein dir / in unserem Revier“, singen Tin Tin. Das ist der Rückzug ins Private und Beschauliche, auch in die Oberflächlichkeit. Es ist die Kapitulation vor der Zukunft, der man einfach den Rücken kehrt, in der Hoffnung, man müsse selbst nichts tun für die Welt und das Glück: „Alles fühlt / alles fügt / und genügt.“

Dass zu dieser ebenso ignoranten wie konservativen Attitüde ein Sound passt, der schnurstracks aus den Achtzigern kommt, ist immerhin konsequent. Glück eröffnet die Platte mit dem Hinweis darauf, wie die Münchner Freiheit wohl mit etwas mehr New Wave geklungen hätte. Sphären klingt, als hätte das Zentralkomitee des ZK der SED 1987 in der DDR ein Lied angeordnet, das „moderne Popmusik“ nachahmen soll. Tumult hat etwas mehr Punch und entdeckt entweder Selbstironie und Humor oder ist lyrisch tatsächlich so schlimm, wie diese Zeilen vermuten lassen: „Im Nachtfieber tanz ich die Balz / halt mich, ich rutsche aus vor Schmalz / es steht mir fast schon bis zum Hals / dein freier Wille in allen Ehren / aber was du an mir findest, wird sich nicht erklären.“ Es gibt eine halbwegs motivierte Kuhglocke und einen mittelmäßig lebendigen Bass zur Behauptung „Mein Leben ist ein Tumult.“ Wenn diese zahme Kacke schon Tumult sein soll, will man nicht wissen, wie sich Tin Tin ein langweiliges Leben vorstellen.

Special Effects gibt es im Video zu Sphären.

Tin Tin bei Instagram.

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