Trend verschlafen


In die Innenstädte darf man bald vielleicht nicht mehr mit dem Auto, auf der Autobahn droht ein Tempolimit, die Kfz-Steuer könnte nach der Reform steigen – kein Wunder, dass die Deutschen da nicht in einen Neuwagen-Kaufrausch verfallen. Die Politik macht es Autofahrern und -bauern derzeit denkbar schwer, die mobile Zukunft sicher zu planen. Doch für die schwachen Zahlen, die die Hersteller nun vorgelegt haben, ist sie längst nicht allein verantwortlich.

Die Flaute hat viele Gründe: Die Mehrwertsteuererhöhung hatte zu vorgezogenen Käufen geführt, die Automesse IAA im Herbst brachte nicht den erhofften Schub, die Inflation samt der steigenden Spritpreise zieht den potenziellen Käufern das Geld aus der Tasche.

Da können Designer und Techniker noch so reizvolle Träume auf Rädern entwerfen – viele Menschen haben einfach kein Geld, sich ein neues Auto zu leisten. Das belegt vor allem der schockierende Einbruch bei den Privatzulassungen, der insbesondere den Massenherstellern Opel und Ford zu schaffen macht. Vermutlich wären die Zahlen durchweg noch schlechter ausgefallen, hätten die Hersteller sie nicht durch Eigenzulassungen und ruinöse Rabattaktionen noch einigermaßen geschönt.

Auch die Autobauer selbst haben zu den Problemen beigetragen: Dass nicht alle Kunden wirklich Autos wollen, die immer schneller, größer, schwerer, besser ausgestattet und teurer als ihre Vorgänger sind, haben die meisten Hersteller viel zu spät – und manche noch gar nicht – erkannt. Die Gewinner im Markt bauen sparsame und bezahlbare Autos. Doch diesen Trend haben die deutschen Marken verschlafen.

Dass die Bilanz dennoch nicht komplett düster ausfällt, haben sie einzig dem boomenden Export zu verdanken. Doch auch dort ziehen dunkle Wolken auf: Die Weltkonjunktur flaut ab, der Konsum in den USA droht einzubrechen und der starke Euro drückt auf die Renditen der deutschen Hersteller, die zudem in Wachstumsmärkten wie Indien oder Russland nicht immer glänzend positioniert sind.

Die Zukunft sieht deshalb nicht rosig aus – zumal die EU-Kommission neue Klimaschutzauflagen plant, die weitere Verunsicherung und Verteuerung mit sich bringen. Das wird zunächst auf Kosten der Händler gehen, deren Margen schon längst denkbar niedrig sind, doch früher oder später auch die Hersteller treffen. Sie sollten endlich wieder auf die wirklichen Bedürfnisse der Kunden eingehen, statt mit überzogenem Marketing eine Pseudo-Nachfrage nach fahrenden Fantasien zu kreieren.

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