Tropical Fuck Storm – „Deep States“


Künstler*in Tropical Fuck Storm

Tropical Fuck Storm Deep States Review kritik

„Deep States“ klingt wie ein Tagebuch zur Apokalypse.

Album Deep States
Label Joyful Noise
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

„There ain’t no end of days“, schreit ein durchgeknallter Chor im ersten Lied dieses Albums. Man mag diese Beteuerung kaum glauben in einem Zeitalter, das von Umweltzerstörung, einer Pandemie und der Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts geprägt ist. Und selbst, wenn im politischen und persönlichen Tagesgeschehen alles eitel Sonnenschein wäre, müsste man angesichts der Klänge von Tropical Fuck Storm sehr wohl die sehr reale Möglichkeit einer sehr grausamen Apokalypse zur Kenntnis nehmen. Die vier Australier liefern auch auf Deep States wieder eine zynische, schonungslose und sehr intelligente Abrechnung mit dem, was wir aus irgendwelchen Gründen noch immer „Zivilisation“ nennen.

Verlogenheit erkennen Gareth Liddiard, Fiona Kitschin, Erica Dunn und Lauren Hammel genauso zielsicher wie Entfremdung, und damit sind die beiden wichtigsten Themen der Platte benannt. The Greatest Story Ever Told heißt der erwähnte Auftakt „Your moral hygiene always end in tears / do goods, feel good, spreading their zeal / like gonorrhoea“, heißt eine Zeile darin, zu einem Sound der so kaputt und zerstört ist wie fast das gesamte Album. Der schon zitierte Chor ringt sich dann doch noch zu einer Erkenntnis durch, die viel besser zu dieser Musik passt: „There ain’t no happy end“, heißt die entsprechende Zeile.

Die Single G.A.F.F. (die Abkürzung steht für „Give A Fuck Fatigue“) lässt manchmal an die Gorillaz denken, auch in Bummer Sanga kann man ein paar Dub-Elemente in der Nähe beispielsweise von PIL erkennen. Der Beginn des Tracks ist wild und fast schmerzhaft, zwischendurch gibt es allerdings richtige schöne Harmonies, auch wenn man die beinahe verpassen könnte inmitten dieses vermeintlichen Chaos‘. Ein Song wie Legal Ghost zeigt ebenfalls, wie clever Tropical Fuck Storm die Kombination aus hartem Rhythmus, rauer Stimme und giftiger Gitarre für eine coole, abgründige Eingängigkeit nutzen.

Im reduzierten Blue Beam Baby könnte man meinen, diese Instrumente und Stimmen hätten nur zufällig zueinander gefunden, was einen ziemlich gespenstischen Effekt hat. Suburbiopia ist eines von mehreren Liedern, die den Versuch thematisieren, aus den Widersprüchen der Wirklichkeit in Kult, Esoterik, Verschwörung zu fliehen. The Donkey macht seinem Namen alle Ehre: Der Song beginnt träge und endet aufbegehrend, er scheint von einer Last erdrückt zu werden – und die E-Gitarre tut ihr Bestes, um tatsächlich wie ein Esel zu klingen. Reporting Of A Failed Campaign gönnt sich ein bisschen Theatralik, aber das muss bei dieser Geschichte rund um Steuertricks und Bunga Bunga auch erlaubt sein. Das vergleichsweise zugängliche New Romeo Agent erweist sich beinahe als ein Liebes(kummer)lied, The Confinement Of The Quarks schließt Deep States als spinnertes Quasi-Instrumental ab.

„We make pop records that don’t deny we’re all in a bit of trouble here,” sagt Gareth Liddiard sehr treffend über die Musik seiner Band. Wenn die Welt, wie wir sie kennen, irgendwann untergegangen ist und sich die Historiker und Archäologen der Zukunft fragen, was wohl damals schief gelaufen ist, dann könnten sie in der Musik von Tropical Fuck Storm eine sehr wertvolle Quelle finden. Falls ihre Ohren das aushalten.

Die Outfits im Video zu New Romeo Agent geben ebenfalls Rätsel auf.

Tropical Fuck Storm bei Bandcamp.

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