Underworld – „Drift Episode 2 – Atom“


Künstler Underworld

Underworld Drift Episode 2 – Atom Review Kritik

Zwei Mega-Tracks prägen „Drift Episode 2 – Atom“.

Album Drift Episode 2 – Atom
Label Caroline
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Knapp ein halbes Jahr läuft jetzt das Experiment, bei dem Underworld jeden Donnerstag über die Website www.underworldlive.com neue Musik präsentieren, die oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden ist. Mit Drift Episode 2 – Atom erscheint heute schon das zweite Ergebnis in Form eines Tonträgers aus dieser Serie.

Innerhalb von sechs Tracks zeigen Karl Hyde und Rick Smith, wie vielfältig, tiefgründig und innovativ ihr Verständnis von elektronischer Musik ist. Apple Shine eröffnet die Platte mit mehreren miteinander verwobenen Synthie-Figuren und einem kraftvollen Beat, der allerdings im Hintergrund bleibt. Das folgende Molehill überrascht mit Harmoniegesang und Klavier. Brussels setzt auf einen unbarmherzigen Beat, eine einzige Textzeile (“The art of conversation”) und ein paar Latin-Elemente, die sich da hineingeschummelt zu haben scheinen. Soniamode stiftet etwas mehr Chaos und Verwirrung als der Durchschnitt der Tracks und wird ein wichtiges Element für die Dynamik von Drift Episode 2 – Atom.

Dominiert wird die Platte aber von zwei Groß-Tracks. Der erste davon ist das mehr als 15-minütige Threat Of Rain. Ein pulsierender Bass wird dabei von einer energischen Bass Drum angestachelt und irgendwann erklingt auch diese sehr coole Underworld-Stimme. Das Ergebnis fühlt sich an wie eine Reise durchs All, bei der man gelegentlich seltsamen Objekten begegnet, aber permanent mit Hyperspeed unterwegs ist.

Noch getoppt wird dieses Erlebnis von Appleshine Continuum, einer Kooperation von Underworld mit dem australischen Experimentaltrio The Necks. „Sie sind außergewöhnlich als Musiker, aber auch als Zuhörer, die sich perfekt auf Musik einlassen und dazu improvisieren können. Sie kommen mir vor wie der Maschinenraum eines Supertankers. Sie haben mächtig Lärm gemacht, ihre Instrumente mit Wucht attackiert und dann vierzug Minuten lang nicht dabei nachgelassen“, sagt Karl Hyde. In der Tat kommt das Stück auf eine Spielzeit von 47 Minuten, was noch erstaunlicher ist angesichts der Tatsache, dass Appleshine Continuum tatsächlich in einem einzigen Take während einer Improvisationssession in den Air Studios aufgenommen wurde.

„Vor dieser Session wusste ich nur sehr wenig über The Necks“, gesteht Rick Smith. “Das kommt mir im Rückblick selbst verrückt vor, weil Karl die ganze Zeit von ihnen erzählt hat. Er hatte auch schon mehrfach mit ihnen zusammengearbeitet. (…) Als wir dann zusammen gespielt haben, hat sich die Zeit… ich weiß auch nicht … irgendwie komplett aufgelöst. Ich würde das sofort noch einmal machen”, schwärmt er. Die gemeinsame Improvisation basiert auf dem Track, der die Platte eröffnet hatte. Lässt sie sich zu Beginn noch klar im Techno verorten, kommen dann eine verschwörerische Falsett-Stimme und eine psychedelische Orgel hinzu, später wird ein sehr eindringlicher Kontrabass erkennbar, schließlich ein Klavier zwischen Jazz und Boogie. Ganz am Ende ist das in keiner Weise mehr als elektronische Musik zu erkennen – und zeigt, dass man Underworld längst nicht mehr als Club-Musik begreifen sollte, sondern als zeitgenössische Kreative ohne irgendwelche stilistischen Grenzen.

Zu Appleshine Continuum haben Underworld auch ein episches Video gemacht.

Homepage zum Underworld-Live-Projekt.

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