Uniform – „Shame“


Künstler Uniform

Uniform Shame Review Kritik

Aus „Shame“ sind Uniform erstmals als Trio aktiv.

Album Shame
Label Sacred Bones
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Es wird Michael Berdan, den Sänger von Uniform, sicher freuen, wie die Assoziationen heißen, die ich  zu Delco notiert habe, dem Auftaktsong dieser Platte. „Hart, unerbittlich, erbarmungslos“ steht da auf meinem Zettel, und genau diesen Sound hatte er für Shame im Sinn. „Inhaltlich ist die Platte so etwas wie ein klassisches Hard-boiled-Taschenbuch. Es geht um die Stagnation eines Anti-Helden, der sich durch sein Leben schlägt. Als wir das Album gemacht haben, las ich viele Romane von Raymond Chandler, James Ellroy und Dashiell Hammet und konnte mich auf seltsame Weise mit Figuren wie Sam Spade und Philip Marlowe identifizieren, auch mit ihren Gedankengängen.” Im erwähnten Opener wird diese existenzialistische Qual immer fieser und ätzender, bis am Ende das Schlagzeug (Dummer Mike Sharp ist neu dabei und macht aus Uniform nun ein Trio) genauso wahnsinnig klingt wie der Gesang.

Auch auf dem vierten Album der 2013 gegründeten Band aus New York gilt somit: Es gibt keinen Ausweg und keine Rettung. Wie auf Perfect World (2015), Wake In Fright (2017) und The Long Walk (2018) klingt das, was Gitarrist Ben Greenberg produziert hat, manchmal eher nach Terror als nach Musik. This Won’t End Well ist tonnenschwer in der Strophe und turbulent im Refrain. Life In Remission fällt gleich mit der Tür ins Haus, es wirkt eher wie ein Wirbelwind oder Tsunami als wie eine Dampfwalze, die zwischendurch allerdings auch ihren Auftritt hat. All We’ve Ever Wanted setzt das Feedback wie ein eigenes Instrument ein, hat zudem einen unheilvoller Chor im Hintergrund versteckt und zeigt somit: Uniform brauchen kein hohes Tempo, um brutal zu wirken.

I Am The Cancer schließt die Platte als fast 8 Minuten langes Mini-Epos (und mit dem Fazit: „ God will not love you forever“) ab. Der Song wirkt, als habe man alle Passagen und Instrumente in eine Knochenmühle gesteckt und dann mit Blut und Tränen, Pech und Schwefel übergossen. Dispatches From The Gutter setzt auf vergleichsweise straighten Hardcore, zugleich kann man hier die besten Melodien von Shame entdecken. Der Titelsong lässt etwas Luft herein, sodass der Text besser zur Geltung kommt: „My last confession / my greatest sin“, lautet dessen Ausgangsposition. Die Musik in The Shadow Of God’s Hand ist näher an klassischem Hardrock oder Metal, der Gesang wirkt hingegen, als sei Michael Berdan ausschließlich mit der Muttermilch von John Lydon aufgezogen worden.

„Meine Texte sollten diesmal etwas mehr Gewicht haben“, sagt Michael Berdan passend zu den literarischen Vorbildern für Shame. „Bücher und Filme haben in meinem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt, weil ich mich so oft mit den Charakteren darin identifizieren kann. Ich bin von Natur aus schüchtern und habe schreckliche Angst, falsch verstanden zu werden. Diesmal wollte ich diesen Ängsten trotzen und tatsächlich zum Ausdruck bringen, was sich in einer besonders trostlosen Ecke meines Innenlebens befindet. Um es deutlich zu sagen: Ich war in einer düsteren Stimmung. Es war der Höhepunkt des jahrelangen Eindrucks, dass jeder auf der Welt falsch lag, außer mir. Mir wurde klar, dass ich die Einstellungen und Verhaltensweisen anderer Menschen nicht kontrollieren konnte, und dass es stattdessen in meiner Verantwortung lag, nach innen zu schauen und zu reparieren, was da war. Ich musste artikulieren, was in meinem Herzen, meinem Kopf und meiner Seele vorging“, sagt er. Auf seiner ganz persönlichen Ebene scheint die Sache mit dem Ausweg also vielleicht doch funktioniert zu haben. „Als ich mich daran machte, alles aufzuschreiben, fühlte sich das an wie ein Exorzismus. Wenn ich irgendeine Art von Galgenfrist möchte, muss ich mich endlich von den Erzählungen lösen, die die Dämonen in meinem Hinterkopf mir ständig geflüstert hatten. Jahrelang hielt ich meine Texte unter Verschluss, wie persönliche Tagebucheinträge. Jetzt ist die Zeit für einen anderen Ansatz.“

Am Rande des Wahnsinns bewegt sich auch das Video zu Dispatches From The Gutter.

Uniform bei Bandcamp.

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