Uniform – „The Long Walk“


Künstler Uniform

Uniform The Long Walk Review Kritik

Auf „The Long Walk“ sind Uniform zum Trio angewachsen.

Album The Long Walk
Label Sacred Bones
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Es ist zwar Zufall, dass die Plattenfirma, bei der Uniform unter Vertrag stehen (und für die Ben Greenberg auch jenseits der Aktivitäten in seiner eigenen Band sehr häufig als Produzent im Einsatz ist), Sacred Bones heißt. Doch beim morgen erscheinenden dritten Album der 2013 gegründeten Band aus New York passt dieser Name perfekt. Denn The Long Walk nimmt gleich mehrere Aspekte von Heiligkeit ins Visier, insbesondere die Widersprüche, die sich aus den Ursprüngen von Glauben und den organsierten Formen von Religion ergeben.

Sänger Michael Berdan, neben Multi-Instrumentalist Ben Greenberg das zweite Mitglied bei Uniform, wurde katholisch erzogen, inklusive der Drohung mit Verdammnis und der Angst vor der Hölle. Sein eigener Lebensweg führte ihn zuerst weg von diesen Wurzeln, zuletzt hat er wieder mehr Interesse an Spiritualität entwickelt. Auf The Long Walk blickt er auf das Spannungsfeld, auf dessen einer Seite Orientierung, Gemeinschaft und Kraft stehen, auf der anderen Seite aber ebenso unübersehbar Unterdrückung, Intoleranz und Bigotterie.

Transubstantiation ist der Track, der das Thema schon im Titel am deutlichsten zeigt, die Musik darin könnte der Soundtrack zur Zerstörung von Sodom und Gomorra gewesen sein. Was genau Michael Berdan singt, lässt sich hier und anderwo allerdings kaum sagen, wie etwa Anointing Of The Stick zeigt: Der Song klingt, als habe man John Lydon sehr fiese Drogen gegeben und ihn dann in eine Dampfwalze gesetzt. „Destroying everything“, lauten ein paar der wenigen Worte, die man verstehen kann (neben „fuck“, was auf dem gesamten Album ohnehin als jedes dritte Wort zu ertönen scheint). Found wirkt, als seien Instrumente, Verstärker und die gesamte Aufnahmetechnik in den Strange Weather Studios durch ein Säurebad gezogen worden. Nach Headless Eyes will man um Gnade betteln, Peaceable Kingdom beschließt The Long Walk zwar deutlich langsamer als der Rest der Songs, trotzdem wagt man nicht, „entspannt“ dazu zu sagen, so viel Doom steckt noch darin.

Dass Uniform hier noch brachialer geworden sind als beispielsweise auf dem Vorgänger Wake In Fright (von dem zwei Lieder in der neuen Staffel von Twin Peaks erklingen), liegt auch an einem neuen Bandmitglied: Schlagzeuger Greg Fox (LITURGY, ZS) verstärkt Greenberg und Berdan neuerdings, und das hat beträchtliche Effekte. The Walk eröffnet das Album sofort im Inferno-Modus, es scheint ein Aufschrei in allen Instrumenten zu stecken, aber insbesondere Fox will am Ende mit seiner Double Bass offensichtlich die ganze Welt niederstampfen. Inhuman Condition nimmt ewas Tempo raus und scheint dafür in seiner eigenen Wut zu implodieren. Alone In The Dark entwickelt auf perverse Weise einen Groove und weckt den Verdacht: Wenn The Who geahnt hätten, dass sie mit der Idee von „richtig hartem Rock“ vielleicht einmal so etwas hervorbringen, hätten sie es sich vor lauter Angst vielleicht anders überlegt.

Dass die besagte Plattenfirma die Musik von Uniform als „vicious post-industrial dystopian cyber-punk“ bezeichnet, ist keineswegs zu hoch gegriffen. Die erstaunlichsten Momente von The Long Walk sind nämlich die Pausen zwischen den Songs: Erst da merkt man, dass man kurz unwillkürlich aufatmet, weil die Musik davor und danach nichts weniger produziert als echten, körperlichen Stress.

Im verstörenden Video zu The Walk gibt es freundlicherweise manchmal Untertitel.

Uniform bei Bandcamp.

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