ViVii – „Savant“


Künstler ViVii

ViVii Savant EP Cover

Ihre eigene Liebesgeschichte erzählen ViVii auf „Savant“.

EP Savant
Label Dumont Dumont
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

„We’re living low / for reaching high“, heißt eine der wichtigsten Zeilen auf dieser Debüt-EP. Sie wird nicht nur zum Ankerpunkt für Some Other Time, das Lied, dem sie entstammt. Man kann sie auch als Credo der Eheleute Emil und Caroline Jonsson aus Göteborg verstehen, die hinter ViVii stecken. Denn die vier Lieder auf Savant deuten mehr als nur an, dass dieses Duo hier nur einen ersten Einblick in sein Können gewährt und bereits etliche andere Asse im Ärmel hat. Some Other Time ist freilich eindeutig eines davon. Die Suche nach Orientierung, die man auf dieser EP oft heraushören kann, macht darin kurz Pause. Radio, Sommer und Leichtigkeit treten an ihre Stelle, und die zentrale Zeile ist noch eine andere als die eingangs erwähnte: „The champagne is free / so are we.“

„Das sind die ersten Lieder, die entstanden sind, als wir mit Musikmachen angefangen haben, deshalb sollten sie auch als erstes erscheinen. Es ist unsere Liebesgeschichte, von mir und Caroline“, sagt Emil Jonsson und deutet damit ebenfalls an, dass ViVii in ihrer eigenen Welt schon einen guten Schritt weiter sind (wohl mindestens beim Debütalbum).

Am deutlichsten wird dieser autobiografische Bezug bei Siv (You And I), das die EP abschließt. „Siv war eine Babysitterin, die sich ziemlich lange um unsere Kids gekümmert hat. Aber vor zwei Jahren ist sie gestorben“, erklärt Emil Jonsson. „Sie hatte eine alte Zither, die sie gerne in der Kirche spielte und die sie uns hinterlassen hat, als sie starb. Das erste Lied, das wir je geschrieben haben, war auf dieser Zither. Deshalb heißt das Lied auch Siv (You And I). Es ist eine Hymne für sie.“

Der Reiz des Neuen und die Abenteuerlust, mit der ViVii auch sonst zu Werke gehen, ist dabei unverkennbar: Gleich die ersten paar Sekunden des Songs zeigen, wie leidenschaftlich sie sich für ihre Musik begeistern können. Die Herangehensweise heißt nicht: Wenn ich diese Töne auf diesem Instrument mit diesem Effektgerät spiele, dann kommt genau dieser Sound heraus und daraus lässt sich dann schon etwas machen. Sie heißt stattdessen: Ich habe ein bisschen herumprobiert und jetzt hört euch mal an, wie geil das ist, was dabei herausgekommen ist! Und aus dieser Euphorie erwächst dann wahrscheinlich die Idee: Wow, lass uns doch noch einen Bass wie bei den Bee Gees dazupacken und testen, ob wir ein Gefühl wie bei Vampire Weekend hinbekommen!

Ähnlich überbordend vor Ideen ist der Titelsong Savant. Schon nach 30 Sekunden weiß man nicht mehr, was man magischer finden soll: diese ineinander verschlungene Gitarrenfigur, die offensichtlich das Fundament des Songs war, den ebenso ungewöhnlichen wie passgenauen Rhythmus oder die Stimme, die uns wissen lässt, dass sie gerne ein Gelehrter wäre. Der Refrain wird dann noch besser und zeigt: Zum Gelehrtsein gehört auch die Fähigkeit zu wissen, was man nicht wissen muss.

Wie wenig man ViVii indes als tollkühne Dilettanten missverstehen sollte, die intuitiv vieles richtig machen, aber ohne klares ästhetisches Konzept agieren, beweist spätestens Ali. Die entspannte Gitarrenfigur in diesem Lied könnte von Chris Rea sein oder von den Dire Straits und der Beat vielleicht aus einer alten Heimorgel kommen. Aber wie modern, filigran und sehnsuchtsvoll ViVii dieses und die drei weiteren Lieder auf Savant klingen lassen, ist nichts weniger als beeindruckend.

ViVii spielen Savant live im Studio.

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