We Have Band, Conne Island, Leipzig


Alles ist Beat - das ist das Prinzip von We Have Band im Conne Island.

Alles ist Beat – das ist das Prinzip von We Have Band im Conne Island.

Band? Haben wir. Natürlich. Wenn We Have Band auf Tour sind, ist Leipzig längst zu einem Pflichttermin für das Trio aus London/Manchester geworden. Und auf Tour sind We Have Band quasi immer.

Genau eine Woche bevor das aktuelle Album Ternion seinen ersten Geburtstag feiert und rund zehn Monate nach ihrem letzten Gastspiel im Conne Island sind Darren Bancroft, Thomas Wegg-Prosser und Dede Wegg-Prosser wieder in Leipzig zu Gast. Zum gefühlt zwölften Mal. Wir haben also Band. Wir haben aber noch viel mehr. Wir haben:

  • Zwei paar Socken an und trotzdem kalte Füße (am Anfang).
  • Freunde, die Sorgen haben.
  • Längst erkannt, dass man sich für den Bass entscheiden sollte, wenn man die Wahl zwischen Gitarre und Bass hat (ebenso wie Thomas Wegg-Prosser ganz rechts auf der Bühne).
  • Weiße Bommeln an unserer Indoor-Mützen.
  • Eine Vorliebe für Linke, Jugend-, Pop- und Subkulturen (Zitat Homepage Conne Island). Sonst wären wir nicht hier.
  • Eine Vorliebe für Depressive Disco (Zitat NME über We Have Band, das sich an diesem Abend zumindest ein stüwckweit bewahrheitet. Denn während des Konzerts wird immer wieder deutlich, dass es eine ziemlich erstaunliche Schnittmenge zwischen Joy Division und den Ting Tings gibt). Sonst wären wir nicht hier.
  • Eine Vorband, die vor allem in den etwas fleischigeren Momenten ihres Sets kein bisschen Heimbonus braucht. Deko Deko (aus Leipzig) machen großen Spaß. Bei den ruhigeren Passagen müssen sie allerdings gegen eine bedrohliche Unruhe im Saal anspielen. Das könnte besser werden, wenn sie irgendwann auch die Kommunikation mit dem Publikum beherrschen: Tristan Schulze wirkt die ganze Zeit wie gefangen in seiner Kopfhörerwelt, Lena Seik schaut fast immer nach unten, als hätte sie Angst, unter den Zuschauern einen peinlichen Exfreund zu entdecken.
  • Ganz vergessen, dass bauchfreie Tops (wie Sängerin Dede Wegg-Posser, ihreszeichens Ehefrau des Manns mit dem Bass, eins trägt) auch unpeinlich sein können. Als sie zum Opener Where Are Your People damit auf die Bühne kommt, ist es trotzdem ein kleiner Schock.
  • Nicht mehr viel Strom im Akku, deshalb warten wir bis Oh! als letztem Lied des regulären Sets, um unsere Handyvideos zu drehen.
  • Großen Spaß daran, Dinge aufeinander zu schlagen, die dabei Geräusche machen. Das mag primitiv klingen, ist aber womöglich so etwas wie der Kern des Sounds von We Have Band. Ein Tamburin, eine Kuhglocke, Drumsticks – alles wird zum Beat. Und auch ein paar Gerätschaften, die eigentlich als Tasteninstrumente gedacht sind, wandeln die Engländer mit Vorliebe in Rhythmusgeräte um.
  • Freunde, die tot sind.
  • Lust auf eine Zugabe. Sogar große Lust (ein Typ im Publikum fängt schon nach Divisive, dem vierten Lied der insgesamt 80-minütigen Show an, danach zu verlangen).
  • Einen Tourschlagzeuger mit Taktgefühl (nicht nur während der Show von We Have Band: Der Drummer kommt auch nach dem Auftritt von Deko Deko auf die Bühne, tippt Sängerin Lena Seik auf die Schulter und reckt beide Daumen in die Höhe, als pantomimische Kurz-Rezension nach der Performance der etwas verloren wirkenden Vorband).
Noch eine Erkenntnis der Show in Leipzig: bauchfrei is back.

Noch eine Erkenntnis der Show in Leipzig: bauchfrei is back.

  • Reihenweise Geschichten gehört von den legendären We-Have-Band-Shows. Wörter wie „Ekstase“ oder „legendär“ waren darin zu hören. Die wird heute Abend wahrscheinlich niemand verwenden. Die Fans im Conne Island bleiben ein bisschen reserviert, auch wenn You Came Out als zweites Lied der Zugabe immerhin nahe an einen unvergesslichen Konzertmoment herankommt.
  • Hoffnung, dass es noch 2013 ein neues Album von We Have Band geben wird. Zumindest kündigt Keyboarder Darren Bancroft ein solches an (mit der Einschränkung „hopefully“), als die Band mit einem neuen Song ihre Zugabe in Leipzig beginnt.
  • Band.
  • Party.
  • Zwei paar Socken an und sehr warme Füße (am Schluss).
  • Einen sehr schönen Abend gehabt.

Weil’s ein Klassiker ist: We Have Band spielen Oh! beim Melt 2011:

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