Westkust – „Westkust“


Künstler Westkust

Westkust Review Kritik

In stark veränderter Besetzung haben Westkust ihr zweites Album aufgenommen.

Album Westkust
Label Through Love Records
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

„We are too young to lay down and die / we’ll stick to our dreams to be safe and sound“, singen Westkust in Junior. Man kann das als juvenilen Kampfgeist verstehen, es ist aber wohl auch eine Aussage mit Bezug auf die jüngste Geschichte der Band aus Göteborg, die gerade ihr zweites Album veröffentlicht hat.

Denn die Schweden sind ein Quartett, und dass sie bei dieser Anzahl seit Erscheinen ihres Debüts Last Forever (2015) gleich drei Mitglieder verloren haben, ist natürlich ein signifikanter Einschnitt. Die Band betont, alles sei freundschaftlich abgelaufen, zudem will man bei der aktuellen Besetzung aus Julia Bjernelind (Gesang, Gitarre), Brian Cukrowski (Gitarre), Pär Karlsson (Bass) und Philip Södelrind (Schlagzeug) die Fluktation natürlich möglichst geringt halten. Dass das neue Album wie die Band heißt, soll wohl auch zeigen: Das sind wir, jetzt in unserer ultimativen Inkarnation.

„Wir lieben es, gemeinsam Musik zu machen, zusammen zu sein. Die dunklen Themen in unseren Texten, die Ängste, Langeweile und Hoffnungen machen wir mit unserer Musik zu etwas Positivem“, sagt Julia Bjernelind. „Es soll sich gut anfühlen, unsere Songs zu hören.“ Das gelingt nicht nur im erwähnten Junior, das sehr typisch für den Sound von Westkust ist (irgendwie Shoegaze, aber eindeutig auch energisch), sondern auf dem gesamten Album.

Swebeach eröffnet die Platte so ungestüm, als könne es ihnen niemals schnell genug gehen, zum nächsten Ton dieses Songs zu kommen. Drive hat viel Druck und Wucht, obwohl es ätherisch klingt. Nicht nur in Adore lässt das Schlagzeugspiel vermuten, Tony McCarroll habe einen neuen Job gefunden. Die Single Cotton Skies nutzt etwas weniger Hall und bekommt (auch dadurch) etwas mehr Präsenz, außerdem gibt es hier ausnahmsweise so etwas wie ein Gitarrensolo. Eine der Stärken von Westkust ist: Diese Single ist gut, aber sie sticht nicht heraus, weil die anderen Songs genauso gut sind.

Dass die Band für neun Lieder nur 31 Minuten braucht, trägt ebenfalls zum sehr geschlossenen Charakter dieses Albums bei, das Westkust zwischen 2016 und 2017 in Göteborg und New York geschrieben haben. Wenn man ein Highlight benennen möchte, dann drängt sich am ehesten Rush auf, in dem einfach alles stimmt: einnehmende Stimme, origineller Bass, faszinierender Gitarrensound, kompakter Beat. Lediglich der Text über eine ziemlich unwiderstehliche Anziehungskraft ist etwas plump. Do You Feel It scheint von Beginn an etwas Großes ankündigen zu wollen. Hier wird die Wirkungsweise dieser Musik am deutlichsten: Die Gesangsmelodie ist himmlisch, die Musik wäre aber, wenn man alle Soundeffekte abzieht, nichts weniger als rabiat.

Dass sich die Schweden beispielsweise an The Pains Of Being Pure At Heart orientiert haben, ist in Liedern wie Daylight unverkennbar. Darin kommt immer noch eine zusätzliche Schicht an Gitarren hinzu, die mit maximaler Energie geschrammelt werden. Es geht im Text wohl um eine Beziehung, die nur noch in der Erinnerung und in Träumen existiert, und auch diese Wehmut hört man heraus. Das gilt auch für den Album-Abschluss On The Inside, der noch einmal alle Stärken von Westkust erstrahlen lässt. Zeilen wie „always on my mind“ oder „in my dreams“ tauchen hier gleich mehrfach auf und beweisen: Die schönsten Träumer sind weiterhin die mit Gitarren.

Mangels Video gibt es hier das offizielle Audio zu Rush.

Westkust bei Bandcamp.

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