Zoot Woman, Leipzig, Centraltheater 1


„Nichtraucherveranstaltung“ steht ganz groß auf dem Ticket. Fast so groß wie der Name der Band: Zoot Woman. Eigentlich müsste aber noch eine Warnung draufgedruckt werden: „Nichttänzerveranstaltung“. Denn die 650 verkauften Tickets sind allesamt Sitzplätze.

Stuart Price war nicht dabei, trotzdem hat in dieser Show nichts gefehlt.

Ob das funktionieren würde, was mehr als fraglich. Schließlich spielen Zoot Woman elektronische Popmusik – und die hat nun einmal in erster Linie den Zweck, dass man dazu tanzen kann. Sogar die Band selbst war deshalb etwas unsicher. „Das ist erst das zweite Mal, das wir vor einem sitzenden Publikum spielen“, hatte Sänger Johnny Blake am Nachmittag beim Interview gesagt. Er war aber ganz zuversichtlich, dass das klappen würde. „In jedem Fall ist es etwas Neues, eine Herausforderung. Ich mag das.“

Die beiden Vorbands konnten die Bedenken nur zum Teil zerstreuen. Das Berlin-Manchester-Gespann Popular Damage machte zwar Lust aufs Tanzen, musste aber selbst feststellen, dass die Leute auf der Bühne die einzigen im Saal waren, die dafür genug Platz hatten. Danach vermischten Baby Monster sehr schräge Kostüme mit Eurodance und Erasure-Gesang. Da saßen dann auch die paar Aufrechten wieder, die sich vorher noch bereitwillig von den Sitzen hatten reißen lassen.

Dann schließlich Zoot Woman. Wie so oft bei ihren Konzerten war Mastermind Stuart Price nicht dabei. Doch bei dieser Show fehlte trotzdem nichts. Ganz rechts Jasmin O’Meara, wahlweise am Bass und am Keyboard, die mit Leder-Leggins und strenger Frisur aussah, als sei sie gerade Robert Palmers Addicted To Love-Video entsprungen.

Hinten Schlagzeuger Adam Blake. „Er hat ein perfektes Gespür dafür, wie man einen Zoot-Woman-Song an den Start bringt. Bei 70 bis 80 Prozent der Songs ist er die Keimzelle, wenn wir im Studio arbeiten“, hatte sein Bruder Johnny im Interview noch dessen Rolle beschrieben. Auf der Bühne wird daraus ein Drum-Roboter im Oberkellner-Kostüm mit der Frisur von Matt Bellamy.

Zoot Woman spielten alle Hits und eine Zugabe.

Und links Johnny Blake, natürlich ebenso gewagt wie todschick: im Anzug mit Poloshirt und türkisen Cowboystiefeln. Nach jedem Song mit einem Blick wie ein Hooligan, der gerade einen Gegner zu Tode geprügelt hat, wie beim Erwachen aus einem Adrenalin-Rausch. Und natürlich mit dieser Stimme, die so sehr nach Eighties klingt, als hätten sie Stock/Aitken/Waterman in ihrem Frankenstein-Labor gebastelt.

Es wird ein tolles Konzert, mit einer Zugabe und allen Hits. Besonders beeindruckend: Alle Songs vom Debütalbum Living In A Magazine spielen Zoot Woman in stark bearbeiteten Versionen und halten sie so lebendig. It’s Automatic (das sogar eine kurze Stage Invasion auslöst) verschmilzt mit Jessie zu einem Medley, Holiday Home wird viel langsamer und so zum passenden Rausschmeißer.

Alles Sitzplätze. Trotzdem sitzt keiner.

Und natürlich tanzen die Leute. Es gibt leider nicht den von mir erhofften Hollywood-Moment, wo die Unwiderstehlichkeit des Beats erst einen Zuschauer packt, der aufsteht und tanzt und so nach und nach die anderen im Saal dazu bringt, sich ebenfalls von den Sitzen zu erheben. Stattdessen stehen alle zugleich auf und tanzen. Vom ersten Ton an.

Ein Video von der Show:

Zoot Woman bei MySpace.


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