Zum Haareraufen


Die gängige Praxis bei Manager-Abfindungen ist für die meisten Normalverdiener schlicht zum Haareraufen. Beispiel Citigroup: Als deren Chef Charles Prince unlängst die größten Verluste der US-Großbank seit 93 Jahren verkünden musste, waren seine Tage gezählt. Doch der Abschied wird ihm nicht nur mit 40 Millionen Dollar versüßt: Prince bekommt fünf Jahre lang auch ein Büro, einen Assistenten sowie einen Dienstwagen samt Fahrer bezahlt.

Das ist kein Einzelfall. Und auch in Deutschland sind riesige Abfindungen üblich. Klaus Esser bei Mannesmann, Clemens Börsig bei der Deutschen Bank, Ron Sommer bei der Telekom – sie alle wurden mit einem zweistelligen Millionenbetrag nach Hause geschickt. Dass es derart großzügig belohnt wird, wenn Manager ihren Job nicht ordentlich machen, sich mit dem Aufsichtsrat oder den Aktionären verkrachen oder aus anderen Gründen nicht mehr tragbar sind, ist einer der Gründe, warum die Top-Entscheider hierzulande einen schlechten Ruf haben.

Dass Bundestagsabgeordnete von CDU und SPD das Thema jetzt angehen, ist deshalb erfreulich. Zumal das Problem an Bedeutung gewinnt: Immer öfter scheiden Manager vorzeitig aus ihren Verträgen aus. Die durchschnittliche Amtszeit von Vorstandschefs hat sich seit 1998 von 8,3 auf 4,7 Jahre verkürzt. Im vergangenen Jahr gab es einen Rekord bei Entlassungen in den Führungsetagen deutscher Unternehmen.

Auch der Hinweis auf die steuerliche Absetzbarkeit der Abschiedsgelder ist in diesem Zusammenhang überfällig. Es kann nicht sein, dass Unternehmen ihre Führungskräfte feuern – und der Steuerzahler dann auch noch indirekt dafür zahlen soll. Riesige Abfindungen für offensichtliche Fehlleistungen von Managern sind Gift für das Klima in einem Unternehmen und im ganzen Land, wenn gleichzeitig kleine Angestellte über Reallohneinbußen klagen müssen.

Doch es greift zu kurz, nur mit dem Finger auf „die da oben“ zu zeigen. Wenn Manager ihren Job gut machen, steigern sie den Wert des Unternehmens. Davon profitieren im besten Fall die gesamte Belegschaft und die Volkswirtschaft. Dass sie deshalb gut bezahlt werden, ist richtig – dazu gehören auch entsprechende Klauseln für eine vorzeitige Trennung. Der Vorstoß aus dem Bundestag könnte zudem zur Folge haben, dass die Höhe der Abfindungen zwar sinkt, sich die Manager aber als Kompensation dafür gleich vorneweg höhere Grundgehälter genehmigen. Zudem wäre eine bloß nationale Lösung gefährlich: Wenn Top-Leute in Deutschland schlechter abgesichert sind als anderswo, könnten sie eher bei Firmen aus dem Ausland anheuern – was die deutsche Wettbewerbsfähigkeit langfristig schwächen würde.

Der Anstoß aus dem Parlament könnte dennoch Wirkung zeigen, indem er die Manager zum Nachdenken bringt. Denn wichtiger als eine fixe Obergrenze wäre eine größere Sensibilität in den Vorstandsetagen. Die viel beschworene Verantwortung, die sich die Manager fürstlich entlohnen lassen, haben sie nämlich nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die eigene Belegschaft – und für den sozialen Frieden.

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