| Film | Oh What Fun |
|
|---|---|---|
| Produktionsland | USA | |
| Jahr | 2025 | |
| Spielzeit | 107 Minuten | |
| Regie | Michael Showalter | |
| Hauptdarsteller*innen | Michelle Pfeiffer, Felicity Jones, Chloë Grace Moretz, Dominic Sessa, Denis Leary, Havana Rose Liu, Jason Schwartzman, Eva Longoria | |
| Bewertung | ![]() |
Worum geht’s?
Weihnachten ist eine große Sache bei der Familie Clauster. Das Essen wird ebenso ausgiebig vorbereitet wie die Auswahl der Geschenke. Die Dekoration soll möglichst die ganze Nachbarschaft beeindrucken. Und vor allem sollen sich die erwachsenen Kinder wohlfühlen, die zu diesem Anlass gemeinsam wieder nach Hause kommen. Als weibliches Familienoberhaupt fühlt sich Claire Clauster dafür verantwortlich, dass all dies gelingt. Sie steckt sogar so viel Mühe in ihre jährlichen Vorbereitungen des Festes, dass sie eine Nominierung für den „Holiday Mom Contest“ in ihrer liebsten TV-Talkshow für nichts weniger als angemessen hielte. Doch in diesem Jahr läuft alles schief: Die Kinder zoffen sich, die Geschenke für die Enkel werden nicht rechtzeitig fertig, keines ihrer Kinder hat ihr (trotz mehrfacher Aufforderungen) den Gefallen getan, sie tatsächlich für die Fernsehsendung ins Rennen zu schicken. Als dann die ganze Familie an Heiligabend zu einer Tanzshow aufbricht, für die Claire die Tickets organisiert hat, und ausgerechnet sie selbst dabei zuhause sitzen gelassen wird, weil im Trubel keiner daran gedacht hat, sie im Auto mitzunehmen, reicht es ihr. Sie packt ihre Sachen und haut ab, ohne Nachricht, ohne klaren Plan. Ihre Familie merkt dadurch erstens, wie viel Arbeit in der Vorbereitung eines gelungenen Weihnachtsfests steckt, und wie sehr sie dafür auf die Mutter angewiesen ist. Zweitens ahnt sie, wie sehr sie alle Claire durch das Missgeschick mit der Tanzshow verletzt haben. Derweil wird Claire klar, wie schlecht vorbereitet ihre spontane Flucht ist: Sie hat keine Jacke dabei, auch keine Unterkunft. Dafür hat sie aber bald ein Ziel: Sie will sich einfach selbst als beste Weihnachtsmama des Landes nominieren und macht sich auf den Weg zum Fernsehstudio.
Das sagt shitesite:
Das Beste an dieser Amazon-Eigenproduktion ist der Ausgangsgedanke: Mütter sind die heimlichen Heldinnen der Heiligen Nacht, sie haben unfassbar viel Arbeit an Weihnachten und werden meistens viel zu wenig dafür gewürdigt. In der Filmgeschichte zeigt sich das, wie zu Beginn von Oh What Fun aus dem Off konstatiert wird, in der Öffentlichkeit generell und tatsächlich auch in vielen Familien. Mütter beginnen oft schon Monate vor dem Advent mit den Vorbereitungen, halten Bräuche hoch, gleichen Spannungen aus. Mit Michelle Pfeiffer in der Hauptrolle hätte der Film auch die Gelegenheit gehabt, diesen Aspekt und die damit verbundenen Facetten und Kontroversen vielschichtig in den Mittelpunkt zu stellen. Doch leider wird stattdessen ein sehr unausgegorener Humor-Mix fabriziert, in dem die vermeintlich bewegenden Momente nicht rührend sind, die Gags nicht zünden und die Richtung so oft wechselt, dass auch der Kerngedanke vollständig verwässert wird.
Obwohl hier der Fokus auf die Hauptfigur früh verloren geht, schlägt Oh What Fun leider auch kein Kapital aus der Möglichkeit, dass hier eine recht große und schillernde Familie porträtiert wird. Claire und ihr Ehemann Nick bewegen sich zwischen den Routinen und Frotzeleien, die nach einer langen Ehe üblich sind. Die älteste Tochter Channing kämpft um berufliche Anerkennung als Autorin, ihr Mann wird von ihren Geschwistern als Langweiler entweder gemieden oder provoziert. Die zweite Tochter Taylor bringt jedes Jahr zu Weihnachten eine neue Freundin mit, die jedes Jahr als große Liebe ihres Lebens vorgestellt und jedes Jahr warmherzig aufgenommen wird – wobei bis auf Taylor allen klar ist, dass die Beziehung auch diesmal kein gutes Ende nehmen wird. Sohn Sammy kommt frisch getrennt nach Hause und kann sich so noch mehr in seine Rolle als verwöhntes Nesthäkchen und ewiges Kind hineinfallen lassen. All das hätte viel mehr Potenzial für Drama (und auch für Witz) geboten, als es hier letztlich entfaltet wird. Dass (halbwegs) erwachsene Menschen zu Weihnachten wieder in die Rolle als Kinder gedrängt werden, dass junge Familien versuchen, ihre eigene Interpretation des Weihnachtsfests zu leben und ihre eigene Tradition zu prägen, dass lange schwelende Konflikte nun einmal bevorzugt dann hervortreten, wenn alles perfekt und harmonisch sein soll – das wurde in Werken wie Schöne Bescherung viel, viel besser ausgeleuchtet.
Auch die Verlogenheit, die Weihnachten umgibt, wird hier zwar einige Male angedeutet, aber letztlich weder für Witz noch für Kritik genutzt. So wird in der angeblich perfekten Familie zum angeblich besinnlichen Fest im Hause Clauster erstaunlich viel gesoffen. Die Talkshow-Moderatorin, die sich als Fürsprecherin aller vernachlässigten und nicht wertgeschätzten Weihnachtsmütter inszeniert, kalkuliert gleichzeitig knallhart das Einschaltquoten-Potenzial persönlicher Dramen und die Absatzchancen für ihre obskuren Merchandise-Produkte. Und als Mutter und Tochter gegen Ende den Dialog führen, der zur entscheidenden Versöhnung und Vergebung führen soll, könnte man diesen auch als einen Wettbewerb in Egozentrik betrachten, ohne dass das den Machern aufgefallen zu sein scheint.
Das größte Problem an diesem Film ist aber, dass er viel zu häufig und viel zu abrupt seinen Charakter wechselt. Was als harmlose Familienkomödie beginnt, scheint sich dann in einen Road Trip zu verwandeln (inklusive kleiner Referenz auf St. Martin), bei dem man zwischendurch kurz zu ahnen meint, Claire könnte im Stile von Michael Douglas in Falling Down vollkommen eskalieren. Dann wird es hinter den Kulissen der TV-Show plötzlich vulgär, bevor ein Happy End inszeniert wird für einen Konflikt, an den man sich nach all diesen Wendungen kaum noch recht erinnern kann.
Bestes Zitat:
„Je älter deine Kinder werden, desto schwieriger wird es, sich eine Meinung über ihre Leben zu bilden.“
Der Trailer zum Film.

