The Düsseldorf Düsterboys Duo Duo

The Düsseldorf Düsterboys – „Duo Duo“

Künstler*in The Düsseldorf Düsterboys

Düsseldorf Düsterboys Duo Duo
Die Düsseldorf Düsterboys wollen gemeinsam auf einem Plattencover sein, singen sie. Hat (irgendwie) geklappt.
Album Duo Duo
Label Staatsakt
Erscheinungsjahr 2022
Bewertung Foto oben: Staatsakt / Katharina Geling

Die Zeitform irritiert. „2016 war ein wunderbares Jahr / wir haben ein Haus gebaut / wo früher Wiese war / du kennst den Monat und verwechselst nur das Jahr / was das bedeutet, ist mir immer noch nicht klar“, heißt es in 2016, dem siebten Lied auf dieser Platte. Statt Imperfekt beim Rückblick auf 2016 würde man hier aber eigentlich Futur als Ausblick erwarten. Denn der Sound der Düsseldorf Düsterboys klingt, als würde er aus den Sixties stammen, etwa der Blütezeit von Crosby, Stills, Nash & Young, oder allenfalls aus der Anti-Folk-Bewegung rund um Acts wie die Moldy Peaches zu Beginn dieses Jahrtausends.

Es gibt akustische Gitarren, Flöten, Percussions und fein verschachtelte Harmoniegesänge in diesem Song, später auch einen ganz dezenten Beat. Aber dies ist tatsächlich Musik aus der Gegenwart. Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti, die beide auch als Gründungsmitglieder von International Music aktiv sind (auf das Haus in deren Song Für alles wird in 2016 Bezug genommen), legen hier ihr zweites Album nach dem 2019er Debüt Nenn mich Musik vor. Im Kern bestehen die Songs auf Duo Duo meist nur aus zwei Akustikgitarren, aber die Ergebnisse werden hoch interessant, sogar einzigartig.

Das liegt am sehr intuitiven und zugleich ausgefeilten Miteinander der beiden Musiker, sowohl instrumental als auch stimmlich (Das erste Mal zeigt vielleicht am besten, wie himmlisch ihr Harmoniegesang klingen kann). Es liegt an den faszinierenden Texten, deren Poesie manchmal fast lautmalerische Effekte evoziert (wie in Lavendeltreppen), manchmal auch entwaffnende Zeilen wie „Hand aufs Herz: Ist er echt, dieser Schmerz?“ (aus Korn auf Korn) hervorbringt. Es liegt fast noch mehr an den vielfältigen Einflüssen, die hier dafür sorgen, dass die vermeintlich abgenutzte Idee von „Zwei Männer spielen Gitarre und singen dazu“ diverse neue Reizpunkte bekommt. Brasilianischer Tropicalismo gehört genauso dazu wie Kirchenmusik und Samples. Wiederholt gibt es auf Duo Duo insbesondere in den letzten Takten eines Stücks ein paar Experimente jenseits des sonst regierenden Schönklangs, manchmal bis hin zum Atonalen.

Zum Auftakt in Stars/Sternchen gesellen sich ein paar Bläser und ein Bass zum sanften Gitarrenpicking und dem noch sanfteren Gesang. Die Single Ab und zu vereint Banalitäten des Alltags mit Latin-Rhythmen, in Füße darf der Rhythmus ein bisschen prominenter werden, Schlaf dich aus wird vollkommen durchgeknallt. Wenn The Düsseldorf Düsterboys in Gangster plötzlich auf Englisch singen, ist man schon so sehr in ihrem Sound verfangen, dass man den Wechsel der Sprache um ein Haar gar nicht bemerkt. Ein Highlight ist Adieu Adieu kurz vor Schluss des Albums. „Für mich bringt dieses Stück zwei traditionelle Feelings zusammen, Europa und Brasilien“, sagt Pedro Goncalves Crescenti. Die beiden Musiker klingen hier wie ein ganzes Orchester, sogar wie ein ganzer Karneval. Und diesmal stimmt, anders als bei 2016, die Assoziation mit Musik aus längst vergangenen Zeiten auch: Die Komposition stammt von William Cornish, einem englischen Komponisten aus dem 16. Jahrhundert.

Im Video zu Ab und Zu sehen die Düsseldorf Düsterboys am Ende auch aus wie ein ganzes Orchester.

Website der Düsseldorf Düsterboys.

Michael Kraft

Michael Kraft ist Diplom-Journalist und lebt in Leipzig. Auf shitesite.de schreibt er seit 1999 als Hobby über Musik, Filme, Bücher und ein paar andere Dinge, die ihn (und vielleicht auch den Rest der Welt) interessieren.

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