Wilde Tiere und schräge Typen

Mai 31, 2010 · Posted in Bewegtbild, TV · Comment 
Als Mischung aus Heinz Sielmann und Ralf Möller erkundet Andreas  Kieling das Land der WM.

Als Mischung aus Heinz Sielmann und Ralf Möller erkundet Andreas Kieling das Land der WM.

Spätestens jetzt beginnt der WM-Overkill: Auf Arte ist eine Woche lang Tierfilmer Andreas Kieling zu beobachten, wie er das Land der Fußball-Weltmeisterschaft bereist. Es ist eine 4000Kilometer lange Rundreise des Ralf Möller unter den deutschen Tierfilmern, die ihn in der ersten Folge zu Robben, Straußen und uralten Wüstenmalereien führt – und zu Jägern des verlorenen Schatzes. Während der Titelheld vor allem durch pubertären Übermut und grammatikalische Schwächen auffällt, beeindruckt Andreas Kieling in Südafrika mit faszinierenden Bildern.

Den kompletten Artikel gibt es auf news.de.

Draufgeschaut: Polly Blue Eyes

Mai 30, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 

Polly (Susanne Bormann) kommt gerade aus dem Gefängnis.

Film Polly Blue Eyes
Produktionsland Deutschland
Jahr 2005
Spielzeit 101 Minuten
Regie Tomy Wigand
Hauptdarsteller Susanne Bormann, Matthias Schweighöfer, Meret Becker, Ulrich Noethen, Maxi Warwel, Sebastian Ströbel, Jana Pallaske
Bewertung ***

Worum geht’s?

Polly ist gerade aus dem Gefängnis gekommen. Und nun will die 20-Jährige eigentlich ein anständiges Leben führen. Es gibt da nur ein Problem: Ihr krimineller Vater hat all ihre Ersparnisse verprasst. Der zwielichtige Ronny versucht, die gesamte Familie zu einem Überfall auf einen Getränkemarkt zu überreden. Und dann verknallt sich Polly auch noch ausgerechnet in einen Polizisten. Kein Wunder, dass dann am Ende jeder gegen jeden kämpft.

Das sagt shitesite:

Man könnte Regisseur Tomy Wigand vorwerfen, dass er ein bisschen zu viel Tarantino geguckt hat. Denn Polly Blue Eyes entspringt nicht nur der Welt der Verlierer, die sich nur durch krumme Touren halbwegs über Wasser halten können. Hier ist auch alles rasant, bunt und extrem – sogar die Gefühle der Figuren. Das ist nicht immer stilsicher, aber insgesamt doch kreativ und unterhaltsam. Vor allem beeindruckt, wie uneitel sämtliche Darsteller in Polly Blue Eyes agieren (Ulrich Noethen sieht fast aus wie ein deutscher Chuck Norris und Matthias Schweighöfer glänzt als schmieriger Drecksack). Und wie gekonnt das spannende Duell zwischen Polly und Ronny inszeniert ist.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Pornorama

Mai 29, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Regisseur Bennie (Tom Schilling, links) hat mit seiner Hauptdarstellerin und dem Produzenten zu kämpfen.

Regisseur Bennie (Tom Schilling, links) hat mit seiner Hauptdarstellerin und dem Produzenten zu kämpfen.

Film Pornorama
Produktionsland Deutschland
Jahr 2007
Spielzeit 82 Minuten
Regie Marc Rothemund
Hauptdarsteller Benno Fürmann, Tom Schilling, Karoline Herfurth, Michael Gwisdek, Elke Winkens, Dieter Landuris, Valentina Lodovini
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Freddie ist ein Taugenichts. Das einzig Zuverlässige an ihm: Er ist immer pleite. Dann aber hat er die Idee, wie er schnell ans große Geld kommen kann: Er will einen Sexfilm à la Oswald Kolle drehen und sich an dessen Riesenerfolg dranhängen. Schnell hat er ein Team von ebenso motivierten und ebenso dilettantischen Mitstreitern zusammen. Nur seinen Bruder Bennie, einen gelernten Kameramann, muss er noch überzeugen. Doch Bennie steht kurz vor der Vereidigung als Polizist – und ein derart anrüchiges Projekt könnte nicht nur seine Beamtenkarriere gefährden, sondern auch seine Beziehung zu Luzi, die zwar für freie Liebe ist, aber nicht für Porno.

Das sagt shitesite:

Filme übers Filmemachen sind oft grenzwertig. Aber Pornorama ist ein leichtgewichtiger Spaß mit einigen Peinlichkeiten (das schlecht gekünstelte Sächsisch von Michael Gwisdek, der aus Berlin stammt), putzigem Archivmaterial aus den 1970er Jahren und einigen wirklich lustigen Szenen. Kein großer Wurf, aber auf der richtigen Seite der feinen Linie zwischen Trash und Schrott.

Der Trailer zum Film:

Virginia Jetzt!, Leipzig, Zoo

Mai 29, 2010 · Posted in Live, Musik · 2 Comments 

Virginia Jetzt nicht mehr: Die Band spielte ihr erstes Konzert nach der Auflösungs-Ankündigung.

„Der Zoo“ wäre wirklich ein guter Name für eine Location. Schließlich gibt es auch bei Konzerten in Clubs jede Menge Affen, ein paar junge Gazellen, Balzrituale und Leute, die einen langen Hals machen. Aber „Zoo“ meint hier tatsächlich: der Zoologische Garten Leipzig, eröffnet 1878, rund 26 Hektar groß, bevölkert von rund 6500 Tieren.

Normalerweise riecht es hier dementsprechend. Nach Pferdestall, Giraffenfell oder Elefantenscheiße. Heute riecht es nach Bratwurst. Denn „der Zoo rockt“, wie Moderator Steffen Lukas verkündet, der blöde Radiowitzchen (“das wird tierisch!”) macht und auch dadurch nicht sympathischer wird, dass er das selbe Jackett trägt wie ich. „Nachtaktiv“ heißt der Event, bei dem man genau zu der Zeit in den Zoo darf, wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Das ist für alle, die Tiere sehen mögen, zwar eine kleine Mogelpackung: Viele Bereiche sind abgesperrt, die Savanne ist ausgestorben und ins sonst höchst sehenswerte Pongoland führt um diese Uhrzeit kein Weg. Wer aber wegen der Musik gekommen ist, der wird deutlich besser bedient: Wolfsheim-Sänger Peter Heppner lässt bis kurz vor Mitternacht Klänge ertönen, die mindestens so düster sind wie die nicht mehr genutzte Bärenburg bei Nacht. Und davor geben Virginia Jetzt! ihr erstes Konzert, seit sie die das Ende der Band bekanntgegeben haben. “Es roch besser als bei manch einem Festival”, stellt deren Sänger später fest, als ich ihn hinter der Bühne noch zu einem kurzen Interview abfange.

Dann muss ich beim Herausgehen aus dem Backstagebereich beinahe Autogramme geben – eine Handvoll junger Mädchen wartet dort auf die Band. So etwas ähnliches ist mir schon einmal passiert, als mich mehrere Japaner nach der WM 2002 für einen Fußballstar hielten. Damals konnte ich das Missverständnis aufgrund der Sprachbarriere nicht aufklären – und habe dann eben notgedrungen unleserliche Autogramme gegeben und für zwei Fotos posiert. Diesmal möchte ich aus einer möglichen Verwechslung natürlich keinen Profit schlagen – und schleiche mich schnell mit gesenktem Blick davon. Ich hoffe, ich habe damit nicht dafür gesorgt, dass Virginia Jetzt! ab sofort als arrogante Arschlöcher gelten.

Als die Bühne noch leer war, hatte ich schon den Soundmann gefragt, ob es aus Rücksicht auf die Tiere spezielle Vorkehrungen gibt. „Wenn es zu laut sein sollte, wird schon jemand kommen und sich beschweren“, antwortet der Mischpult-Meister. Und natürlich hat er auch keine Angst vor tanzenden Affen oder um ihren Schlaf gebrachten Amurtigern. „Die sind ja alle eingesperrt.“ Ich wollte ja nur fragen.

Zumindest verhalten sich die Flamingos später ganz normal, sie stehen also still und rosa rum. Nur Alpaka Harry macht sehr seltsame Sprünge, als Virginia Jetzt! ein Eye Of The Tiger-Zitat bringen. Wäre ich Tierschützer, würde ich mir jetzt Gedanken machen. Aber vielleicht tanzt man ja so als Alpaka.

Die Show von Virginia Jetzt!, in der es reichlich Material vom Erfolgsalbum Anfänger gibt, ist indessen sehr gelungen. Natürlich kämpft diese Band auch elf Jahre nach ihrer Gründung noch mit dem Etikett „Indie-Schlager“. Dass sie für die Coolen nicht cool genug sind und für die Harmlosen nicht harmlos genug, ist vielleicht das Dilemma, an dem Virginia Jetzt! gescheitert sind. Als Sänger Nino Skrotzki Ich kann nicht wie die anderen als „Lied für alle Unangepassten“ ankündigt, hat das jedenfalls einen ganzen Schuss unfreiwilligen Humor. Denn das Publikum im Zoo sieht größtenteils nach öffentlichem Dienst aus – und das ist keineswegs böse gemeint. Gebe es nur Virgina-Jetzt!-Fans in dieser Republik, wäre Deutschland wahrscheinlich ein besseres Land. Aber eben auch noch ein bisschen spießiger.

Noch ein Problem wird spätestens dann deutlich, als die Band ein Coldplay-Zitat einbaut: Diese Melodien wollen in die Stadien – doch das Ambiente ist tatsächlich eher Stadtfest. Diese Diskrepanz spielte sicher auch eine Rolle bei der Entscheidung, es jetzt gut sein zu lassen.

Im Aquarium gibt es derweil ähnlich Widersprüchliches zu beobachten: Menschen sitzen im Halbdunkel auf Liegestühlen, schlürfen Cocktails und schauen zu, wie Haie um sie herumschwimmen. Dazu sorgt DJ NielOn mit sehr feinen Akustik- und Elektroklängen für entspannte Atmosphäre. „Das ist der schönste Ort, an dem ich je aufgelegt habe“, schwärmt er, „und zu diesem besonderen Anlass spiele ich heute nur die Schmankerl, meine absoluten Lieblingssongs“, sagt er. Er genießt den Abend offensichtlich fast genauso wie das Publikum auf den Liegestühlen. Einen Effekt seiner Musik hat er auch schon bemerkt: „Die Fische schwimmen ein bisschen langsamer.“ Da können die Tierschützer ja wieder beruhigt sein.

Eine gekürzte Version dieses Textes gibt es auch auf news.de.

Interview mit Virginia Jetzt!

Mai 29, 2010 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 4 Comments 

Sänger Nino Skrotzki verriet: Im Zoo roch es besser als bei manch einem Festival.

Im Leipziger Zoo haben Virginia Jetzt! ihr erstes Konzert gespielt, seit sie das Ende der Band bekannt gegeben haben. Nach der Show habe ich Sänger Nino Skrotzki noch für ein kleines Interview abgefangen.

Ein Konzert im Zoo – wie kam das zustande?

Skrotzki: Die Anfrage kam vor ungefähr acht Wochen. Wir wussten damals schon, dass unser Bassist Matze an diesem Termin nicht kann. Deshalb haben wir lange überlegt – und schließlich doch zugesagt. Thomas hat seine Sache als Aushilfs-Bassist wirklich gut gemacht. Und ein Konzert im Zoo ist wirklich einmalig, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Kurz vor uns stand noch ein Lama auf der Bühne! Und trotzdem roch es noch besser als bei manch einem Festival (lacht).

Es war das erste Konzert seit der Ankündigung, dass nach der nächsten Tour Schluss ist mit Virginia Jetzt! Ein paar Textzeilen, zum Beispiel in Dieses Ende wird ein Anfang sein, fühlen sich vor diesem Hintergrund sicher ganz anders an als früher?

Skrotzki: Ja, das stimmt. Man kriegt das beim Singen nicht immer mit, weil vieles ja auch Routine ist. Aber bei manchen Zeilen merkt man dann doch plötzlich, dass die in ihrer Bedeutung jetzt noch einmal einen ganz neuen Kontext bekommen.

Wie geht es nach der Abschiedstour weiter?

Skrotzki: Ich werde weiter mit Musik zu tun haben, ich kann gar nicht ohne. Zum Beispiel als Manager neue Bands begleiten und aufbauen. Das ist gar nicht so anders als das, was ich jetzt mache. Bloß, dass ich vor der Bühne stehe statt oben drauf.

Aber warum dieser freiwillige Seitenwechsel? Es kann doch nicht nur das „Man soll aufhören, solange es noch schön ist“ sein, von dem auf der Homepage die Rede ist.

Skrotzki: Natürlich gibt es für so einen Schritt nicht den einen Grund. Da spielen immer mehrere Sachen zusammen. Und natürlich war es auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Man kann von der Musik immer schwieriger leben, aber für uns war das immer ein Full-Time-Job. Und außerdem wollten wir wirklich selber entscheiden, wann Schluss ist. Bei anderen Bands wie Readymade oder Miles ist das irgendwann einfach so ausgetröpfelt, und ich habe selbst erlebt, wie schlimm das für diese Bands ist, denn wir kennen uns gut. Da wollen wir uns lieber in Würde verabschieden – mit einer tollen Tour, auf der es einige Gimmicks geben wird.

Wie waren die Reaktionen auf den Split bisher?

Skrotzki: Überhaupt nicht so, wie ich es erwartet hatte. Für uns in der Band war ja schon länger klar, dass wir aufhören. Deshalb war ich sehr überrascht, welche Wellen das geschlagen hat, als wir es dann auch offiziell gemacht haben. Sogar meine Mutter hat mich angerufen, weil es bei ihr groß in der Zeitung stand. Da ist mir klar geworden, dass auch die Abschieds-Tour für uns ganz besonders werden wird. Auch heute habe ich das schon gemerkt: Einerseits ist alles wie immer, andererseits hat alles noch einmal eine neue Dimension bekommen.

Draufgeschaut: Mona Lisas Lächeln

Mai 28, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Katherine Watson (Julia Roberts, links) will ihren Schülerinnen beibringen, was Kunst ist.

Katherine Watson (Julia Roberts, links) will ihren Schülerinnen beibringen, was Kunst ist.

Film Mona Lisas Lächeln
Produktionsland USA
Jahr 2003
Spielzeit 117 Minuten
Regie Mike Newell
Hauptdarsteller Julia Roberts, Dominic West, Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal, Ginnifer Goodwin
Bewertung ***

Worum geht’s?

Im Jahr 1953 ist Katherine Watson eine höchst ungewöhnliche Figur: Mit 30 ist sie noch unverheiratet, zudem wird ihr eine Affäre mit einem Hollywoodstar nachgesagt und auch sonst ist sie in jeder Hinsicht liberal. Als die Freidenkerin als Dozentin für Kunstgeschichte nach Wellesley kommt, das konservativste College der USA, muss das natürlich Probleme geben. Doch erstaunlicherweise hat sie nicht nur Ärger mit der Direktorin und einem Kollegen, der sie mit italienischen Gedichten verführen möchte, sondern vor allem mit ihren Schülerinnen, die sich trotz ihrer ausgezeichneten Ausbildung scheinbar liebend gern mit einem Dasein als Hausfrau begnügen möchten.

Das sagt shitesite:

Mit großem Staraufgebot und einigen Klischees wird hier so etwas wie das weibliche Gegenstück zum Club der toten Dichter erschaffen. Auch hier kommt eine höchst ungewöhnliche Lehrkraft an eine äußerst traditionsbewusste Schule. Auch hier will sie den Schülern beibringen, nicht nur zu lernen, sondern auch zu denken. In Mona Lisas Lächeln kommt dazu aber noch der durchaus interessante Aspekt der Geschlechterrollen, sodass die Verlogenheit, Prüderie und längst überholte Etikette sowie der Standesdünkel der frühen 1950er ins Visier geraten. Das ist solide und unterhaltend, aber gerade in den Momenten, in denen Konventionen aufgebrochen werden und Solidarität entsteht, gerät Mona Lisas Lächeln bei weitem nicht so rührend wie der Club der toten Dichter.

Bestes Zitat:

“Ich dachte, ich komme an einen Ort, der Führungskräfte hervorbringt – und nicht deren Ehefrauen.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Bin ich schön?

Mai 28, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
In Spanien entdecken viele der Figuren ihre Einsamkeit.

In Spanien entdecken viele der Figuren ihre Einsamkeit.

Film Bin ich schön?
Produktionsland Deutschland
Jahr 1998
Spielzeit 112 Minuten
Regie Doris Dörrie
Hauptdarsteller Marie Zielcke, Suzanne von Borsody, Franka Potente, Gustav Peter Wöhler, Steffen Wink,Anica Dobra, Iris Berben, Oliver Nägele, Maria Schrader, Dietmar Schönherr, Uwe Ochsenknecht, Heike Makatsch, Gottfried John, Nina Petri, Joachim Król, Senta Berger, Otto Sander
Bewertung ****

Worum geht’s?

Rund um die Hochzeit von Franziska entspinnen sich die Geschichten von lose verbundenen Charakteren, die in München und Sevilla durch seltsame Zufälle aufeinander treffen und deren Schicksale alle miteinander verbunden sind. Bis sie am Ende fast alle aufeinander treffen, haben sie nur eines gemeinsam: ihr Unglück.

Das sagt shitesite:

Die Rahmenhandlung ist überflüssig und die Verbindung zwischen den einzelnen Figuren manchmal ein wenig arg konstruiert. Zudem werden Melodrama und Pathos hier gelegentlich so sehr übertrieben wie just bei jener Prozession in Sevilla, die den Abschluss von Bin ich schön? bildet. Doch diese Prozession zeigt die zahlreichen Stärken des Films: Traumhafte Bilder werden hier mit rührenden Momenten, sehr poetisch erzählten Trauergeschichten und einem unfassbar hochkarätigen Ensemble verbunden. Bin ich schön? setzt immer wieder auf Rückblenden in Sepia und innere Monologe voller Zerrissenheit. Fast alle hier wollen einfach das sein, was die Weather Girls bei der Hochzeitsfeier besingen: Happy. Sie suchen dieses Glück in der Ferne und in der Heimat, mit Lügen, mit Verlässlichkeit, mit Treue, mit Abenteuern. So wird Bin ich schön? letztlich auch eine Lehre für all jene, die Ablenkung aus verzweifelter Langeweile verwechseln mit dem Mut, wirklich ihr Leben zu verändern.

Der Trailer zum Film:

Gisbert zu Knyphausen, Leipzig, Nato

Mai 28, 2010 · Posted in Live, Musik · 1 Comment 

 

Your Name In Lights: Das hätte sich Gisbert zu Knyphausen wohl kaum träumen lassen.

„Das ist das letzte Konzert der Tour“, sagt Gisbert zu Knyphausen nach ein paar Liedern. „Heute spielen wir, was ihr wollt.“ Es klingt nur halb feierlich, halb erleichtert, halb nach letztem Kuss, Sonnenuntergang und Abspann. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen ist der Wahl-Hamburger, der in den vergangenen Jahren dafür gesorgt hat, dass das Wort „Liedermacher“ wieder sexy klingt, quasi permanent unterwegs. Nach dem Ende dieser Konzertreise hat er knapp zwei Wochen Pause, dann geht in Münster schon wieder die nächste Tour los.

Zum anderen scheint hier die eigene Angst vor dem Alltag mitzuschwingen – und die Frage, ob das Dasein on the road für Gisbert zu Knyphausen nicht vielleicht die bessere Alternative ist im Vergleich zum üblichen Leben und Leiden. Der 31-Jährige sieht, ebenso wie seine vierköpfige Band, an diesem Abend in Leipzig zwar aus wie jemand, der gerade das erste Mal in seinem Leben im Fitness-Studio war: Er ist unglaublich geschafft. Er grübelt permanent über die Frage, warum sich die Menschen überhaupt für derlei Aktivität hergeben. Und er ist doch erstaunt darüber und heimlich stolz darauf, was der eigene Körper alles zu leisten im Stande ist. Gleichzeitig merkt man aber in jedem Moment seines zweistündigen Auftritts: Auf der Bühne, mit der Gitarre in der Hand, ist Gisbert zu Knyphausen ganz bei sich selbst.

Das ist durchaus beruhigend zu sehen, denn sein aktuelles Album Hurra! Hurra! So nicht. ist erschreckend düster. Da wird ganz offensichtlich ein Verlust verarbeitet, und das Ergebnis sind Zeilen wie die vom „Kettenkarussell meiner Ängste, das sich seit 30 Jahren dreht und mich nicht aussteigen lässt“. Oder der Schlachtruf: „Melancholie / Fick Dich ins Knie.“

Mit solchen Zeilen, mit rauer Stimme und wilder Romantik hat Gisbert zu Knyphausen eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten der jüngeren deutschen Musikgeschichte hingelegt. Schon das 2008 erschienene Debüt wurde für die aufrichtige, lebensweise und humorvolle Poesie seiner Texte  und die bedingungslose Hingabe seiner Musik gefeiert. Ohne großes Marketing hat es die zweite Platte nun bis auf Platz 12 der Charts geschafft. Und das ist kein Wunder: Seine Lieder sind so tief gefühlt, bedingungslos durchlebt und schlau formuliert wie das niemand sonst in Deutschland hinbekommt.

Wie dankbar das Publikum dafür ist, merkt man auch an diesem Abend in der Nato. Schon als Moritz Krämer das Vorprogramm bestreitet (in dem er mit süßen Liedern über verletzte Vögel, einem Lied mit einem Text von Tucholsky und der Begleitband von Gisbert zu Knyphausen glatt als Doppelgänger des Haupt-Acts durchgehen kann, entsprechend wohlwollend aufgenommen und entsprechend schnell vergessen wird, sobald Gisbert die Bühne betritt), muss der ausverkaufte Saal spontan ein wenig vergrößert werden, damit das Gedränge nicht so groß ist. Die Fans klatschen stets schon nach den ersten Gitarrentönen, wenn sie das nun folgende Stück wie einen lange vermissten Kompagnon erkannt haben. Und wenn sie die Texte mitsingen, dann tun sie das nicht, weil sie im Radio ein paar Zeilen aufgeschnappt haben, sondern weil jeder Satz für sie wie ein Glaubensbekenntnis klingt.

Es gibt sogar die noch immer etwas bizarr klingenden „Gisbert“-Rufe. „Ja, ich bin hier“, antwortet der Mann auf der Bühne linkisch. Trotz der reichlichen Live-Erfahrung ist Gisbert zu Knyphausen kein Entertainer – und er wird auch keiner mehr. Zwischen den Songs stimmt er lieber seine Gitarre, als das Publikum zu unterhalten. Aber wenn er dann ausnahmsweise mal so etwas wie Interaktion versucht, indem er ankündigt: „Ein paar melancholische Lieder haben wir noch“ – dann ist das ist keine Warnung, sondern ein Versprechen.

Die Musik ist für ihn mindestens ebenso sehr Trost wie für sein Publikum. Und das bringt vor allem dann besondere Momente mit sich, wenn Gisbert zu Knyphausen die ganze Szenerie mit Humor nimmt wie in Cowboy, wo plötzlich handgemachte Soundeffekte von Galopp und wiehernden Pferden erklingen (und diese Hymne, die zu meinen absoluten Lieblingsliedern von ihm zählt, damit leider ein bisschen zu sehr verspaßen). Oder wenn er in Der Blick in Deinen Augen aus „eine steile Karriere bei der Bank oder so“ schmunzelnd „eine steile Karriere im Musikbusiness“ macht.

Noch besser wird es, wenn die Band sich richtig ins Zeug wirft wie im an diesem Abend infernalischen Herzlichen Glückwunsch oder in Neues Jahr, das am Ende  klingt wie eine Doors-Session ohne Schmonzes.

Als eine der Zugaben spielt Gisbert zu Knyphausen ein Stück von Element Of Crime, das sich nahtlos in sein Oeuvre einfügt. Es ist so etwas wie der letzte Beweis, den es gar nicht mehr gebraucht hätte: Gisbert zu Knyphausen steckt längst alles in die Tasche, was sonst in Deutschland mit Gitarren produziert wird.

Eine kürzere Version dieses Artikels gibt es auch auf news.de.

Gisbert zu Knyphausen bei MySpace.

Draufgeschaut: Stadt der Engel

Mai 27, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 

Um Maggie (Meg Ryan) wirklich zu lieben, muss Seth (Nicolas Cage) die Unsterblichkeit aufgeben.

Film Stadt der Engel
Produktionsland USA
Jahr 1998
Spielzeit 110 Minuten
Regie Brad Silberling
Hauptdarsteller Nicolas Cage, Meg Ryan, Andre Braugher, Dennis Franz
Bewertung ****

Worum geht’s?

Seth ist ein Engel. Nicht nur im metaphorischen, sondern im ganz wörtlichen Sinn. Er genießt es, mit seinen anderen unsichtbaren Kollegen am Strand den Sonnenaufgang zu beobachten oder sich in der Bibliothek unter die Menschen zu mischen. Sein Job ist es, die Toten beim Sterben in Empfang zu nehmen und ins Jenseits zu begleiten. Dabei begegnet er der Ärztin Maggie – und verliebt sich in sie. Wenn er die Liebe wirklich spüren möchte, muss er aber vom Engel zum Menschen werden. Ist seine Liebe so groß, dass er dafür die Unsterblichkeit aufgibt?

Das sagt shitesite:

Man kann viel herummeckern an Stadt der Engel. Meg Ryan spielt das, was sie immer spielt: ein herzensgutes, minimal neurotisches Persönchen. Nicolas Cage guckt fast zwei Stunden lang nur völlig belämmert aus der Wäsche. Und mit Der Himmel über Berlin, das hier als Vorlage diente, hat das amerikanische Remake natürlich nicht mehr viel gemein. Trotzdem ist Stadt der Engel ein durch und durch humanistischer Film, der unter die Haut geht und grundsätzliche Fragen unseres Daseins trotz aller Zwänge, die ein Liebesfilm mit sich bringt, nicht nur ankratzt. Welchen Wert das Menschsein hat, wie großartig das Leben an sich ist, könnte kaum rührender inszenieren.

Der Trailer zum Film:

Interview mit Lavinia Wilson

Mai 26, 2010 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 2 Comments 
Lavinia Wilson spielt in "Tandoori Love" eine Kellnerin.

Lavinia Wilson spielt in "Tandoori Love" eine Kellnerin.

Schon ganz früh galt Lavinia Wilson als eines der hoffnungsvollsten deutschen Schauspieltalente. Jetzt ist sie 30 – und hat bisher jede einzelne der vielen Vorschusslorbeeren gerechtfertigt. Zum Deutschland-Start von Tandoori Love, einer Mischung aus Heimatfilm und Bollywood, in der sie ausnahmsweise einmal in einer Komödie zu sehen ist, habe ich sie im Leipziger Passage-Kino getroffen. Sie hat verraten, warum sie zuerst Angst vor ihrem Filmpartner hatte, ob sie Kinder bekommen will und warum die totale Berühmtheit für sie eher abschreckend ist.

Das komplette Interview mit einer Fotostrecke zu Lavinia Wilson gibt es auf news.de.

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