Alessi’s Ark – „The Still Life“


Künstler Alessi’s Ark

Alessi's Ark The Still Life Review Kritik

Besinnung und Ausgeglichenheit propagiert Alessi’s Ark auf „The Still Life“.

Album The Still Life
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

The Still Life – diese Formulierung hat mir immer besonders gut gefallen“, erklärt Alessi Laurent-Marke alias Alessi’s Ark den Titel für ihr 2013 erschienenes drittes Album. „In meiner Vorstellung ist es das, wonach wir alle streben. Der Lebensabschnitt, in dem wir Frieden und Einverständnis finden, mit uns und unserer Umwelt.“

Dass sie – zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Platte gerade erst 22 Jahre alt – solche Themen in den Blick nimmt, kann allenfalls all jene überraschen, die mit den vorhergehenden Werken der Londonerin nicht vertraut sind. Schon auf ihrer ersten EP Bedroom Bound (2007) klang sie viel reifer als es eigentlich erlaubt sein sollte, das galt noch mehr für das 2009er Debütalbum Notes From The Treehouse (2009), entstanden mit Produzent Mike Mogis (Bright Eyes, Rilo Kiley), und den Nachfolger Time Travel aus dem Jahr 2011.

Laura Marling ist eine naheliegende Geistesverwandte, und sie klingt auf The Still Life vor allem dann an, wenn es etwas artifizieller und komplexer wird wie in Big Dipper. Mit ihr teilt Alessi’s Ark auch das Talent für perfekte Arrangements, wie etwa Pinewoods beweist, das wehmütig und getragen ist, aber durch viele schöne Details nicht langweilig wird. Auch ein gerade 90-sekündiges Lied wie The Good Song bekommt sie fragil, schön und voller Wärme hin.

Mitgeholfen hat dabei Produzent Andy LeMaster (Bright Eyes, Drive-By Truckers), mit dem Alessi’s Ark das Album in Athens, Georgia, aufgenommen hat. „Ich hatte wundervolle Dinge über Andy als Menschen gehört und ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich mit ihm so viel Zeit verbringen und so eng zusammenarbeiten durfte. Er hat einige extrem talentierte Musiker mitgebracht und ich war wirklich bewegt von der Wärme, die unsere Zusammenarbeit gekennzeichnet hat“, sagt Alessi Laurent-Marke.

Man hört diesen Effekt in Liedern wie dem verspielten und niedlichen Auftakt Tin Smithing, dem beschaulichen Those Waves, aber auch einem Lied wie Money, das einen launigen Sound und einen coolen Shuffle-Beat hat, sodass man daraus auch eine ausgelassene Kneipen-Sause hätte machen können. Sans Balance setzt lange nur auf Gitarre und Gesang und bietet eine Strophe auf Französisch, das ähnlich reduzierte The Rain ist ein sehr origineller Blick auf die Zeit in einer Beziehung, wenn die Gedanken permanent beim Liebsten sind und er in allem präsent ist.

Natur und Liebe bezeichnet Alessi’s Ark passend dazu als die wichtigsten Themen für The Still Life. „Ich wollte eine musikalische Landschaft erschaffen, die im Klang abwechslungsreich ist, aber über das gesamte Album dieses Gefühl von Ruhe beibehält. Ich wollte auch nicht mehr nur akustische Gitarre spielen wie auf den früheren Platten, sondern die Songs in sehr verschiedene Sounds tauchen.“

Afraid Of Everyone ist ein guter Beleg dafür, wie gut das gelungen ist, denn die Coverversion des Originals von The National zeigt: Alessi’s Ark kann auch düster, sogar sehr gut. „I don’t have the drugs to sort it out“ und „I’m afraid of everyone“ heißen zentrale Zeilen, auch klanglich reicht das Spektrum von pechschwarz bis gespenstisch. Mountains zeigt, wie sehr bei all der neuen Vielfalt weiterhin ihre Stimme im Mittelpunkt steht: Die ersten Silben klingen, als würde sie dem Hörer direkt ins Ohr sprechen. Veins Are Blue klingt harmlos, feiert aber eine offensichtlich hart erkämpfte Unabhängigkeit. Und Whatever Makes You Happy ist nicht nur wegen des programmatischen Titels so etwas wie die Essenz von The Still Life: Es geht darum, wieder Mut zu fassen und auf die innere Stimme als Leitfaden zum persönlichen Glück zu hören.

The Good Song, live in einem spanischen Radiostudio.

Alessi’s Ark bei Facebook.

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