Deaf Wish – „Lithium Zion“


Künstler Deaf Wish

Deaf Wish Lithium Zion Review Kritik

Laut, dreckig und schnell ist „Lithium Zion“.

Album Lithium Zion
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

“It’s easy / it’s easy / it’s so easy”, heißt der Refrain im ersten Lied dieser Platte. Das ist eine Lüge – und das hört man auch. Der Bass klingt, als laute sein Baujahr “Endzeitalter”, der Gesang ist leidend, die Gitarre fies. Der gesamte Sound führt diese Zeilen ad absurdum, und man möchte sogar wetten, dass Deaf Wish überhaupt nicht existierten, wenn die Dinge wirklich leicht und einfach wären.

Denn das wichtigste Prinzip des australischen Quartetts (alle vier Mitglieder komponieren und sind hier auch mit Gesang zu hören) lautet auch auf seinem morgen erscheinenden fünften Album Lithium Zion: Wir wollen nicht einverstanden sein. Wir wollen zur Revolte aufrufen oder wenigstens unsere eigene Welt erschaffen – und sei es, dass deren Ränder nur bis zu den Wänden unserer Garage reichen. Wir wollen eine eigene Ästhetik, in der wir schreien dürfen (Metal Carnage), zynisch sein (The Rat Is Back) und Lärm machen (Hitachi Jackhammer), in der alles laut, dreckig und schnell ist.

Die Band ist zwar nach wie vor nur im Nebenjob in dieser Mission unterwegs (Gitarrist Jensen Tjhung beispielsweise verdient sein Geld als Bauarbeiter), hat für Lithium Zion aber erstmals in professioneller Umgebung aufgenommen, nämlich bei Head Gap Recording in ihrer Heimatstadt Melbourne. Dem Album tut das ebenso gut wie die gelegentliche Lust aufs Experimentieren: In Ox wird der Text bloß gesprochen, der Titelsong erweist sich als Instrumental, der Album-Abschluss Smoke überrascht mit mehr als sechs Minuten Spielzeit und einer sehr dichten Atmosphäre: Das Lied ist bedrohlich und unheimlich; zugleich wild und angsterfüllt.

Den Gesang darin steuert Gitarristin Sarah Hardiman bei, die sich neben ihren Bandkollegen Jensen Tjhung, Daniel Twomey (Schlagzeug) und Nick Pratt (Bass) als Geheimwaffe von Deaf Wish erweist. Erstmals erklingt ihre Stimme auf diesem Album in FFS, mit viel Feuer und Außenseiterstolz. Im trägen Afraid For You zeigt sie, dass sie genauso gut nölen kann wie ihre männlichen Kollegen, in Deep Blue Cheated, das die Punk-Ursprünge des Quartetts deutlich werden lässt, führt sie ein cooles Zusammenspiel der Stimmen an. Birthday, den besten Song auf Lithium Zion, lässt sie klingen, als würden sich Sleater-Kinney wehmütig einer halbwegs unschuldigen Kindheit erinnern.

Als absoluter Pluspunkt erweist sich – vor allem dank der Ausgangsposition vieler Lieder, die aus Frust oder Ungenügen kommen – auch die Tatsache, dass sich Deaf Wish selbst nicht allzu ernst nehmen. „Devotional“ und „noise“ sind zwei der (sehr treffenden) Tags, die sie für ihr Bandcamp-Profil gewählt haben, ebenso findet man dort aber das Schlagwort „massage therapy“. Und die Konzerte seiner Band preist Gitarrist Jensen Tjhung so an: „Neuerdings schütte ich mir bei jeder Show eine Dose Bier über den Kopf. Wenn es das nicht wert ist, einen Fünfer als Eintritt zu zahlen, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.“

Gitarrist und Schlagzeuger haben beim Video zu FFS kurzerhand die Regie übernommen.

Deaf Wish bei Bandcamp.

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